NewsMedizinCave Bradykardie: Gefährliche Interaktion von Sofosbuvir und Amiodaron
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Cave Bradykardie: Gefährliche Interaktion von Sofosbuvir und Amiodaron

Mittwoch, 25. März 2015

Silver Spring – Die gleichzeitige Therapie mit dem Hepatitis C-Wirkstoff Sofosbuvir und dem Antiarrhythmikum Amiodaron kann möglicherweise eine lebensgefährliche Bradykardie auslösen. Darauf macht die FDA in einer Drug Safety Communication aufmerksam.

Anlass sind Zwischenfälle bei neun Patienten. Bei einem kam es zu einem tödlichen Herzstillstand, bei drei weiteren musste ein permanenter Herzschrittmacher eingesetzt werden. Alle neun Patienten waren mit Amiodaron behandelt worden, das bei tachykarden Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird. Sie erhielten zusätzlich zur Behandlung einer Hepatitis C das Medikament Harvoni, das die beiden Wirkstoffe Ledipasvir und Sofosbuvir kombiniert, oder Sovaldi, ein Sofosbuvir-Monopräparat. Wie bei der Therapie der Hepatitis C üblich, kamen weitere direkt antiviral wirkende Arzneimittel (DAA) zum Einsatz.

Bei sechs der neun Patienten kam es in den ersten 24 Stunden nach dem Beginn der Kombinationsbehandlung zur Bradykardie, bei den anderen drei Patienten trat die Komplikation in den Tagen 2 bis 12 auf. Ob die Kombination für die Bradykardie verantwortlich war, lässt sich laut FDA nicht eindeutig beurteilen. Sieben der neun Patienten waren zusätzlich mit Beta-Blockern behandelt worden, die bekanntlich ebenfalls den Herzschlag verlangsamen.

Anzeige

Für eine Kausalität spricht laut FDA jedoch, dass sich bei einigen Patienten der Herzschlag nach dem Absetzen der Medikamente erholte. Bei drei Patienten, bei denen die Amiodarontherapie fortgesetzt worden war, kam es nach der erneuten Gabe von Hepatitis C-Medikamenten erneut zu einer Bradykardie. Ein weiterer Patient, der auch Amiodaron abgesetzt hatte, vertrug die Wiederaufnahme der Hepatitis C-Behandlung nach acht Wochen Pause dagegen ohne eine erneute Bradykardie. Der Mechanismus der Interaktion ist unbekannt.

Die FDA rät in einer Drug Safety Communication davon ab, Harvoni oder Sovaldi (im Rahmen einer Hepatitis C-Therapie) mit Amiodaron zu kombinieren. Wenn es keine Alternative gibt, sollten die Patienten in den ersten 48 Stunden der Behandlung stationär überwacht werden. Anschließend sollte die Herzfrequenz über zwei Wochen täglich kontrolliert werden, rät die FDA. Dies könne in einer Arztpraxis oder durch Selbst­kontrolle der Patienten geschehen. Wegen der langen Halbwertzeit von 30 bis weit über 100 Tagen gelten die gleichen Empfehlungen für Patienten, die Amiodaron vor Beginn der Hepatitis C-Therapie absetzen.

Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) rät grundsätzlich davon ab, Patienten gleichzeitig mit Amiodaron und Sofosbuvir zu behandeln. Wenn dies unvermeidbar sei, sollten die Patienten laut PRAC engmaschig überwacht werden, vor allem in den ersten Wochen der Behandlung. Diejenigen mit einem hohen Risiko einer Bradyarrhythmie sollten in einem angemessenen klinischen Umfeld 48 Stunden nach Beginn der gleichzeitigen Behandlung überwacht werden.

Patienten sollten auf Symptome achten, die auf das Vorliegen von Herzrhythmus­störungen hinweisen können. Dazu gehören Schwächegefühl, Schwindel, starke Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Angina pectoris, Verwirrtheit oder Gedächtnisstörungen. In diesen Fällen sollte schnellstmöglich ärztlicher Rat eingeholt werden. Patienten sollten eine bereits laufende Therapie mit diesen Arzneimitteln nicht ohne vorherige ärztliche Beratung absetzen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Oktober 2019
London/Boston – Wissenschaftler aus Großbritannien, den USA und Kanada setzen sich dafür ein, die Anforderungen an Studien zu neuen Krebsmedikamenten zu erhöhen, um einen echten Nutzen für die
Studien zu neuen Krebsmedikamenten oft fehleranfällig
11. Oktober 2019
Köln – Nach dem Tod einer jungen Mutter und ihres Babys durch vergiftete Glukose aus einer Kölner Apotheke ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen zwei Mitarbeiter des Geschäfts. Die Verunreinigung
Tote nach Glukosetest: Ermittlungen gegen zwei Apothekenmitarbeiter
7. Oktober 2019
Amsterdam – Östrogen-haltige Vaginal-Cremes müssen mit Vorsicht eingesetzt werden, da die Hormone resorbiert werden und eine systemische Wirkung entfalten können. Der Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC)
Hormontherapie: EMA beschränkt Anwendung von hochdosierter Estradiol-Creme auf vier Wochen
4. Oktober 2019
New York – Ein Bündnis von US-Bundesstaaten geht rechtlich gegen millionenschwere Boni-Pläne des umstrittenen Schmerzmittel-Herstellers Purdue Pharma vor. Es gehe um Sondervergütungen in Höhe von 38
US-Bundesstaaten klagen gegen Millionen-Boni von Purdue Pharma
2. Oktober 2019
Bonn – Das Antiemetikum Ondansetron, das in den letzten Jahren zunehmend „off-label“ zur Behandlung der Emesis gravidarum verordnet wurde, steht im Verdacht, orofaziale Fehlbildungen auszulösen. Die
Ondansetron: Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten nach Anwendung im ersten Trimenon
2. Oktober 2019
Boston – Schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom oder die toxische epidermale Nekrolyse sind gefürchtete Komplikationen des Gicht-Medikaments Allopurinol. Eine bevölkerungsbasierte
Allopurinol: Studie ermittelt Risikofaktoren für schwere Hautreaktionen
30. September 2019
Köln – Die drei Kölner Apotheken, die nach dem Tod einer jungen Mutter und ihres Babys durch ein vergiftetes Glukosearzneimittel vorsorglich geschlossen wurden, dürfen weiterhin Pflegeheime beliefern.
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER