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Experten: Umwandlung von Krankenhaus- in Reha-Betten wird die Ausnahme bleiben

Donnerstag, 26. März 2015

dpa

Köln – Die Umwandlung in Rehakliniken oder Pflegeeinrichtungen stellt für Kranken­häuser, die von der Schließung bedroht sind, keinen einfachen Ausweg dar. Darüber bestand beim Gesundheitskongress des Westens in Köln breiter Konsens. Umgekehrt können sich Verantwortliche von Rehakliniken vorstellen, Fachärzte zeitweise abzustellen, um einer ambulanten Unterversorgung in ländlichen Regionen zu begegnen.

Die Vorstellung, „jetzt müssen wir das Krankenhaus retten und machen daraus ein Pflegeheim oder eine Rehaklinik“, hält Heinz Kölking für problematisch. Der erfahrene Klinikmanager steht seit 2014 an der Spitze der Residenz Kliniken GmbH in Bremen, zu der sowohl Akut- und Rehakliniken als auch 30 Pflegeeinrichtungen gehören.

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Im Zuge der von Bund und Ländern in Eckpunkten skizzierten Krankenhausreform soll ein Strukturfonds geschaffen werden, für den Bund und Länder jeweils 500 Millionen Euro bereitstellen sollen. Das Geld soll dem Abbau von Überkapazitäten und der Umwandlung von Krankenhäusern in Gesundheits- und Pflegezentren dienen. Eine Umwidmung von Akutklinik- in Reha-Betten strebt das Bundesgesundheitsministerium nach Kölkings Worten nicht an.

„Ein Krankenhaus tickt anders als eine Reha- oder Pflegeeinrichtung“
Die Diskussion darüber geht aber weiter, zumal 42 Prozent der Krankenhäuser mit Verlust arbeiten. Von Ausnahmen abgesehen sei eine Umwandlung von Akutkranken­häusern nicht vorteilhaft, stellte Kölking heraus. „Ein Krankenhaus tickt anders als eine Reha- oder Pflegeeinrichtung.“ Der Betrieb einer Rehabilitationsklinik sei erst von einer Größe von 230 Betten an wirtschaftlich, die erforderliche Betriebsgröße eines Pflege­heims setzte er mit 80 bis 150 Plätzen an. Eine Reha-Klinik benötige zudem ausreichend Therapieräume, ein Bewegungsbad und nicht zuletzt qualifiziertes Fachpersonal. Leichter zu bewerkstelligen als Akutbehandlung und Reha unter einem Dach sind nach Kölkings Ansicht Verbesserungen beim Übergang zwischen den Versorgungsbereichen, beispielsweise durch gemeinsame Visiten von Ärzten aus beiden Sektoren.

Holger Baumann, Mitglied der Geschäftsführung der Deutschen Rentenversicherung Rheinland, sieht das ähnlich. Er verwies auf das eigene Qualitätssicherungsprogramm der Rentenversicherung und die geforderte spezifische Zertifizierung der Häuser. „Reha macht man nicht mal eben nebenbei.“ Steigenden Bedarf an Reha-Angeboten gebe es zudem nicht bei Muskel-und Skelett-Erkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen –  Indikationen, die  Krankenhausmanager vornehmlich im Blick hätten –  sondern bei psychischen Erkrankungen und in der Onkologie.

Die Paracelsus-Kliniken wollten keine Betten von der Akutbehandlung zur Reha umwidmen, sagte Thomas Bold, Geschäftsführer des privaten Trägers, der 16 Krankenhäuser und zehn Reha-Kliniken betreibt. Bold verwies auf wirtschaftliche Schwierigkeiten auch vieler Reha-Einrichtungen und den Abbau von Kapazitäten. Nur 1,7 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sei 2014 in Vorsorge- und Reha-Leistungen geflossen.

Fachärzte aus Reha-Einrichtungen könnten die ambulante Versorgung unterstützen
Dabei können die Verantwortlichen stolz sein auf die Entwicklung, die die medizinische Rehabilitation in den vergangenen Jahren genommen habe. Viele Reha-Einrichtungen sind, auch wegen der Erholungsmöglichkeiten außerhalb der Klinik, in ländlichen Regionen angesiedelt. Vor dem Hintergrund der Diskussion darüber, wie man Ärzte aufs Land bekommt, kann sich Bold vorstellen, dass Fachärzte aus Reha-Einrichtungen dort  Sprechstunden für die ambulante Versorgung anbieten. Es sei der einfachste Weg, in der Region vorhandenes Know-how zu nutzen. © Stü/aerzteblatt.de

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