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Medizin

England: Erfolgreiche „Non-Beating“-Herztrans­plantation

Donnerstag, 26. März 2015

dpa

Cambridge – An einer Klinik in England wurde erstmals in Europa ein Herz transplantiert, das dem Spender nach dem Herzkreislauftod und nicht wie sonst üblich nach dem Hirntod entnommen wurde. Die Operation fand vor einigen Wochen statt. Der Patient hat sich nach Angaben der Klinik gut erholt. In Deutschland sind „Non heart-beating donors“ von der Organspende ausgeschlossen.

Im Bestreben, die Wartelisten für Organtransplantationen zu verkürzen, akzeptieren einige Länder den Herztod (Non heart-beating donor, NHBD) als Spenderkriterium. Da nicht jeder Herztote sofort hirntot ist – wie die gelegentlich erfolgreiche Reanimation nach plötzlichem Herzstillstand zeigt – ist in der Regel eine Wartezeit von 10 Minuten bei normaler Körpertemperatur vorgesehen, bevor die Organe entnommen werden können. In dieser Zeit sind die Organe nicht durchblutet, was sich negativ auf die Organqualität auswirkt. Organe von NHBD wurden in der Vergangenheit lange nur für die Transplanta­tion von Nieren, Leber und Lungen verwendet.

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Die weltweit ersten erfolgreichen „Non-Beating“-Herztransplantationen wurden im Oktober letzten Jahres am St. Vincent in Sydney durchgeführt. An der Klinik hatten drei Patienten Herzen von Spendern erhalten, die vor der Entnahme mindestens 20 Minuten nicht geschlagen hatten. Das Herz war nach der Explantation sofort „reanimiert“ worden und nach einer Funktionsprüfung in einem Transportmodul („heart in a box”) perfundiert worden. Zwei der Empfänger konnten kurze Zeit nach der Implantation die Klinik verlassen. Das Schicksal des dritten Patienten wird aus den Pressemeldungen nicht ersichtlich.

Jetzt haben Herzchirurgen am Papworth Hospital in Cambridge erstmals in Europa eine „Non-Beating“-Herztransplantation vorgenommen. Der Chirurg Stephen Large berichtete der Presse, dass das Herz nach der Explantation und Wiederbelebung zunächst über 50 Minuten im perfundierten Zustand untersucht wurde, bevor es im Transportmodul zum Empfänger gelangte. Die Transplantation fand bereits Anfang des Monats statt.

Der Empfänger, ein 60 Jahre alter Mann, der nach einem Herzinfarkt im Jahr 2008 eine Kardiomyopathie entwickelte, verbrachte nur vier Tage auf der Intensivstation und konnte inzwischen nach Hause entlassen werden. Er soll sich inzwischen vollkommen erholt haben und ist dank der Herztransplantation von der Herzschwäche genesen. Large sieht NHBD als eine Möglichkeit, die Zahl der Herztransplantationen zu steigern. Im letzten Jahr wurden in Großbritannien 171 Herztransplantationen mit Organen von Hirntoten durchgeführt (in Deutschland waren es 2013 insgesamt 313 Herztransplantationen an 24 Kliniken).

Die Bundes­ärzte­kammer lehnt NHBD mit dem Hinweis auf die mögliche Reversibilität des Herztodes im Gegensatz zum Hirntod ab. In Großbritannien, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Spanien, Belgien und den USA werden NHBD akzeptiert. Die Spender sind in der Regel Patienten auf Intensivstationen, deren Tod absehbar war. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 27. März 2015, 16:08

NHBD oder Hirntodkonzept bei -TX?

Die Frage bleibt, ob Herztransplantationen (HTX), Lungen­trans­plan­ta­tionen (LTX) oder HLTX, mit Organspenden von „Non-Heart-Beating-Donors“ (NHBD) vorgenommen, die Akzeptanz und Bereitschaft zur Organspende auch in Deutschland fördern würden?

Ich wage das zu bezweifeln: Wenn der Hirntod schon nicht 100 Prozent sicher zu detektieren und frei von Manipulationsmöglichkeiten ist, wie soll das erst bei Reanimationsteams funktionieren, denen Transplantationschirurgen in die Arme fallen müssten?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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