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Medizin

Lepra eine der ältesten Erkrankungen der Menschheit

Freitag, 27. März 2015

Tübingen/Jena/Lausanne – Verschiedene Lepra-Erreger haben einen gemeinsamen Vorfahren vor mehr als zehn Millionen Jahren. Das berichtet ein internationales Team um Johannes Krause von der Universität Tübingen, Direktor des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena, und Stewart Cole, Lausanne, in einer neuen Genom­studie. Die Arbeit ist in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen.

Die Wissenschaftler haben gemeinsam das Genom des Lepra-Erregers Mycobacterium lepromatosis aus Biopsiegewebe eines mexikanischen Lepromatose-Patienten entschlüsselt. Diese eher seltene, aber häufig aggressivere Form der Lepra kommt heute hauptsächlich bei Bewohnern Mittelamerikas vor. Ihr Erreger gilt als nächster Verwandter des klassischen Lepra-Erregers Mycobacterium leprae.

Der Genomvergleich zeigte, dass sich die zwei Erreger stark in ihrer DNA-Sequenz unterscheiden und einen gemeinsamen Vorfahren vor mehr als zehn Millionen Jahren besaßen. „Da beide Krankheiten ähnliche Symptome verursachen, kann man davon ausgehen, dass auch die vor Millionen von Jahren lebenden Vorfahren der beiden Erreger bereits eine Lepra-ähnliche Krankheit verursachten“, erläutert Krause. Damit gehören Lepra-ähnliche Krankheiten zu den ältesten menschlichen Krankheiten überhaupt.

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Die Wissenschaftler konnten außerdem zeigen, dass der gemeinsame Vorfahre der Lepra- und Lepromatose-Erreger bereits ein stark reduziertes Genom besaß, das zahlreiche Gene verloren hatte. Seine Nachfahren haben im Laufe der folgenden Millionen Jahre weitere Gene verloren.

„Wir gehen davon aus, dass sich beide Erreger im Laufe der Zeit an ihren Wirt angepasst haben und Gene, die nicht mehr gebraucht wurden, verloren gingen“, so Cole. Die Genomstudie biete so neue Einsichten in die Evolution einer der bisher ältesten bekannten menschlichen Krankheiten. © hil/aerzteblatt.de

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