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Medizin

Legionärs­krank­heit kann auch in Deutsch­land tödlich enden

Montag, 30. März 2015

Legionella pneumophila im Maßstab 400:1 dpa

Berlin – Infektionen mit Legionellen, die häufig mit spektakulären Ausbrüchen in Militärlagern oder exotischen Urlaubshotels in Verbindung gebracht werden, treten sporadisch in ganz Deutschland auf. Im Epidemiologischen Bulletin (2015: 13: 95-106) zeigt eine Übersicht der seit 2001 an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Fälle, dass die Legionärskrankheit schnell tödlich enden kann.

Zum bisher größten Ausbruch in Deutschland kam es im August 2013 in der Kleinstadt Warstein in Nordrhein-Westfalen. Aus einem Rückkühlwerk einer Fabrik waren Legio­nellen in die Luft gelangt und über die Stadt gewirbelt worden. Es erkrankten 159 Menschen, von denen zwei an einer Legionellen-Pneumonie starben. Der Ausbruch hat dazu beigetragen, dass dem RKI 2013 mit 922 Fällen die bis dahin höchste Zahl von Infektionen gemeldet wurde.

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Bonita Brodhun und Udo Buchholz vom RKI sind sich in ihrem Beitrag im Epidemio­logischen Bulletin jedoch sicher, dass die 6.675 seit 2001, dem Beginn der Meldepflicht, gemeldeten Fälle nur die Spitze eines Eisbergs sind. Sie verweisen auf eine Schätzung des Kompetenznetzwerkes für ambulant erworbene Pneumonien (CAPNETZ), das zwischen 15.000 bis 30.000 Erkrankungen pro Jahr für realistisch hält.

Da sich die Legionellen-Pneumonie kaum von anderen Lungenentzündungen unterscheidet, werden die wenigsten Infektionen erkannt. Eine Diagnose ist jedoch mittels Urin-Antigen-Test leicht möglich, was ein Grund für den Anstieg der Meldezahlen in den letzten Jahren war. Die RKI-Mitarbeiter weisen allerdings darauf hin, dass die derzeit erhältlichen Tests in der Regel jedoch nur Infektionen durch Legionella pneumophila der Serogruppe 1 mit hinreichender Empfindlichkeit nachweisen. Diese sei zwar für die meisten Erkrankungen verantwortlich. Laut RKI sind jedoch alle 57 bekannten Serogruppen von Legionellen als potenziell humanpathogen einzustufen.

Die Analyse der bekannt gewordenen Erkrankungen seit Beginn der Meldepflicht liefert möglicherweise Hinweise, wann Ärzte einen Verdacht schöpfen sollten. Dazu gehört sicherlich jede ungewöhnliche Häufung von Lungenentzündungen in einem lokal  begrenzten Gebiet. Es gibt eine saisonale Häufung in den Sommer- und Herbstmonaten, die die RKI-Autoren mit der vermehrten Reiseaktivität und mit den erhöhten Wassertemperaturen in diesen Monaten in Verbindung bringen. Legionellen vermehren sich bevorzugt bei Wassertemperaturen zwischen 25°C und 45°C. In Städten sind die Infektionen etwas häufiger als auf dem Land. Die meisten Patienten sind älter als 50 Jahre und Männer erkranken 2,3 Mal häufiger als Frauen.

Da Legionellen nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, muss nach der Diagnose die Infektionsquelle gesucht werden, um weitere Erkrankungen zu verhindern. Dies gilt insbesondere, wenn die Erkrankung im Krankenhaus oder Pflegeheim erworben wurde. Dies war 2013 immerhin in 2,8 beziehungsweise 1,2 Prozent der Erkrankungen der Fall. Die meisten Erkrankungen wurden jedoch im privaten oder beruflichen Umfeld erworben (79,3 Prozent), gefolgt von reiseassoziierten Erkrankungen im Inland (4,2 Prozent) oder im Ausland (12,5 Prozent). Bei Auslandsaufenthalten handelte es sich überwiegend um Reisen ins europäische Ausland (insbesondere Italien, die Türkei und Spanien).

Im Ausland erworbene Legionärskrankheiten werden vom RKI an das European Legionnaires ́ Disease Surveillance Network (ELDSNet) weitergeleitet, das am Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm angesiedelt ist. Das ELDSNet informiert dann die Behörden der einzelnen Länder. Im Jahr 2013 erhielt das RKI über das ELDSNet 31 Meldungen aus dem Ausland, die auf eine Infektion in Deutschland hinweisen.

Ob vor Ort dann tatsächlich Legionellen in der Wasserversorgung nachgewiesen werden, erfährt das RKI nur bei einem Cluster, also zwei oder mehr Erkrankungen. Dies war 2013 nur einmal der Fall. Damals wurden in dem betreffenden deutschen Hotel tatsächlich Legionellen nachgewiesen und vom zuständigen Gesundheitsamt entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet.

Legionellen sind auch in Deutschland lebensgefährlich. Von den 3.444 Fällen, zu denen Daten zum Todesstatus vorlagen, sind 265 an den Folgen der Erkrankung gestorben. Am höchsten war die Letalität mit 17,1 Prozent nach Infektionen in Krankenhaus oder Pflegeheim. Bei den Menschen, die sich zuhause oder am Arbeitsplatz infiziert hatten, betrug die Letalität 6,2 Prozent. Am niedrigsten war sie mit 3,6 Prozent bei einer reiseassoziierten Erkrankung. © rme/aerzteblatt.de

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