NewsMedizinMetformin jetzt auch bei leichter Nierenschwäche einsetzbar
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Metformin jetzt auch bei leichter Nierenschwäche einsetzbar

Montag, 30. März 2015

Bonn – Die Arzneimittelbehörden haben die Indikationsgrenze für das bevorzugte orale Antidiabetikum Metformin erweitert. Das Mittel darf nach Abschluss eines europäischen Bewertungsverfahrens jetzt auch bei Nierenfunktionsstörungen bis zu einem Abfall der glomerulären Filtrationsrate (eGFR) auf 45 ml/min/1,73 m2 eingesetzt werden, sofern keine weiteren Risikofaktoren auf eine Laktatazidose bestehen.

Metformin senkt den Blutzucker, indem es die Glukoneogenese in der Leber hemmt. Da Laktat das wichtigste Substrat für die Glukoneogenese ist, können die Laktatwerte im Blut ansteigen. Gefährlich wird dies, wenn zusätzlich Laktat im Stoffwechsel anfällt, etwa bei einer anaeroben Stoffwechsellage infolge Infektionen oder Herzinsuffizienz – oder aber bei einer Metforminüberdosierung. Da Metformin über die Nieren ausgeschieden wird, kann eine Niereninsuffizienz die Konzentration von Metformin und dadurch Laktat ansteigen lassen. Da eine Laktatazidose lebensgefährlich ist, ist Vorsicht geboten.

Anzeige

Die bisherige Grenze der eGFR 60 ml/min/1,73 m2 war jedoch zu eng gewählt. Der Hersteller des Originalpräparats Glucophage konnte die Arzneibehörde durch die Analyse einer britischen Datenbank (Clinical Practice Research Datalink) davon überzeugen, dass das Risiko einer Metformin-assoziierten Laktatazidose insgesamt gering ist und bei abfallender Nierenfunktion nicht gleich in die Höhe schießt (Diabetes Care 2014; 37: 2291-5).

Dem wurde jetzt durch die Absenkung der Indikationsgrenze entsprochen (die für alle Metformin-Präparate gelten dürfte). Patienten dürfen künftig bis zu einem Abfall der eGFR auf 45 ml/min/1,73 m2 mit Metformin behandelt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass keine anderen Erkrankungen bestehen, die das Risiko für eine Laktatazidose erhöhen. Die maximale Tagesdosis für diese Patienten ist auf 1.000 mg beschränkt, gegeben in zwei Einzeldosen. Die Nierenfunktion muss engmaschig kontrolliert werden (alle 3-6 Monate). Wenn die eGFR auf unter 45 ml/min/1,73 m2 fällt, muss Metformin sofort abgesetzt werden.

Zu einer akuten Verschlechterung der Nierenfunktion kann es durch eine Dehydrierung (etwa bei schwerer Diarrhoe oder Erbrechen) kommen oder nach der Einleitung einer Therapie mit Antihypertensiva oder Diuretika oder zu Beginn einer Therapie mit nicht-steroidalen Antiphlogistika. Die neuen Fachinformationen sehen vor, dass die Ärzte ihre Patienten auf das Risiko und die Symptome einer Laktatazidose hinweisen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. Oktober 2019
Singapur – Als erstes Land der Welt verbietet Singapur die Werbung für extrem gezuckerte Getränke. Als „wenig gesund“ geltende Limonaden und andere Getränke müssen künftig Aufdrucke mit Angaben zum
Singapur verbietet Werbung für extrem gezuckerte Getränke
7. Oktober 2019
Berlin – Die Krankenkassen sollten innovative Technologien zur Diabetestherapie rascher bewilligen. Das fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Insbesondere geht es ihr dabei um Systeme zur
Kritik an langen Genehmigungsverfahren für innovative Diabetestechnologien
4. Oktober 2019
Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht bei der fixen Kombination aus und Metformin zur Behandlung von Erwachsenen mit Diabetes mellitus Typ 2 keinen
Kein Anhaltspunkt für Zusatznutzen der Kombination Dapagliflozin/ Metformin bei Diabetes Typ 2
24. September 2019
Glasgow – Der SGLT2-Inhibitor Dapagliflozin, der die Ausscheidung von Glukose über die Nieren fördert und dabei auch eine diuretische Wirkung erzielt, hat in einer internationalen Studie bei Patienten
Diabetesmedikament schützt auch Herz von Nichtdiabetikern
20. September 2019
Oxford – Eine frühe Kombinationstherapie, die Metformin mit Vildagliptin kombiniert, hat den Blutzuckerlangzeitwert HbA1c in einer randomisierten kontrollierten Langzeitstudie effektiver kontrolliert
Typ-2-Diabetes: Frühe Kombinationstherapie erzielt in Studie langfristige Vorteile
17. September 2019
Berlin – Der Selbsthilfeverband diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hat an private Krankenversicherer appelliert, Diabetespatienten gegenüber gesetzlich Krankenversicherten nicht zu benachteiligen
Privatversicherte beim kontinuierlichen Glukosemonitoring mitunter schlecht versorgt
16. September 2019
Kiel – Veränderungen des Darmmikrobioms bei Typ-2-Diabetes hängen vor allem mit Übergewicht und der Einnahmen von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten zusammenhängen und weniger mit der
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER