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Politik

Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser: Lehrstuhl für Gesundheits­wissenschaften an der Universität Hamburg

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Die streitbare Gesundheitswissenschaftlerin (Jahrgang 1953) und Verfechterin einer evidenzbasierten medizinischen Versorgung setzt sich seit vielen Jahren für eine bessere Aufklärung und Patienteninformation über Diagnose-, Therapie- und Vorsorgeoptionen ein.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Die Freiheit des Denkens, Unabhängigkeit, den kritisch wissenschaftlichen Diskurs.

Was ärgert Sie am meisten?

Die Angst vor Verunsicherung.

Was war die wichtigste Entscheidung in Ihrem Leben?

Es gibt keine einzelne wichtigste Entscheidung. Dass ich in Frieden leben und arbeiten darf, ist ein Glück, zu dem ich selbst kaum etwas beigetragen habe.

Gesundheit ist für Sie …

… wenn ich meine Gesundheit vergesse.

Ihr wichtigster Rat für angehende Ärzte?

Sie müssen nicht mehr den allwissenden, unfehlbaren Gott spielen. Statt Vertrauen von den Patienten zu erwarten, sollten sie an ihren Kompetenzen arbeiten. Transparentes, wissenschaftsbasiertes Handeln ist gefordert. Die Patienten wollen sich an medizinischen Entscheidungen beteiligen. Der Wechsel vom benevolenten Paternalismus zur partnerschaftlichen Arzt-Patienten-Beziehung ist überfällig.

Ihre Prioritätenliste für Veränderungen im Gesundheitswesen …

1. Patienteninformation muss besser werden als Bankenberatung. Die Bürger werden unmündig gehalten.
2. Ein Ende der Merkantilisierung der Krankenversorgung. Krankheit ist keine Ware.
3. Die evidenzbasierte Medizin muss endlich Grundlage ärztlichen Handelns werden.

Welchem Gesundheitsthema wünschen Sie mehr Aufmerksamkeit?

Der sozialen Ungerechtigkeit. Sie ist eine der wichtigsten beeinflussbaren Ursachen für Terror, Krankheit und vorzeitigen Tod. Wenn uns Gesundheit wirklich ein Anliegen ist, dann müssen wir uns um Bildung, Arbeits- und Lebensbedingungen kümmern und nicht um medizinische Verhaltensprogramme für Übergewichtige.

Wie schützen Sie sich vor zu viel Stress?

Kein Nachrichtenempfang, kein Informationsaustausch außerhalb des Hauses/abseits des Arbeitsplatzes. Handy nur für den Notfall. Ein Sofa neben dem Schreibtisch, viele Pausen, weg vom PC und bewegen.

Was hat Sie zuletzt am stärksten beeindruckt?

Dass das Swiss Medical Board das Ende des Mammographie-Screenings gefordert hat.

Wie verbringen Sie Ihre freie Zeit?

Selten ohne meine Denk-Arbeit – das macht mir Freude.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten …

. . . die Bedingungen für Forschung an der Universität verbessern. Wir brauchen angemessene Arbeitsverträge und Entlohnung für Wissenschaftler, von längerfristigen Vollzeitstellen können Universitäten derzeit nur träumen.

© DÄ-M/aerzteblatt.de

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