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Berufsbedingte Unterschiede bei Fehlzeiten

Dienstag, 31. März 2015

Call-Center-MItarbeiter sind oft von psychischen Erkrankungen betroffen /dpa

Berlin – Insgesamt ist der Krankenstand bei den 11 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2013 mit einem Anstieg von 0,1 Prozentpunkt fast gleich geblieben und liegt nunmehr bei 5,2 Prozent. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten für 2014 durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). Damit hat jeder Beschäftigte im Durchschnitt 18,9 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung im Betrieb gefehlt.

Laut Auswertung unterscheiden sich die Ursachen von Fehlzeiten dabei erheblich nach den Berufszweigen. Demnach sind die Fehlzeiten aufgrund von psychischen Belastungen in Callcentern und in der Altenpflege besonders hoch. Dagegen sind Beschäftigte in der Entsorgungsbranche und in der industriellen Gießerei vor allem von Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffen.

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Präventionsangebote sollten auf die Berufsgruppe zugeschnitten sein
„Diese Ergebnisse machen deutlich, welchen spezifischen Krankheitsrisiken die Beschäf­tigten mit ihren jeweiligen beruflichen Situationen ausgesetzt sind. Präven­tionsangebote sollten somit immer auf die jeweilige Berufsgruppe bezogen werden, um erfolgreich sein zu können“, erklärte der stellvertretende Geschäftsführer des WIdO, Helmut Schröder.

Am häufigsten blieben dabei Berufsgruppen aus den Bereichen Ver- und Entsorgung mit 30,8 Tagen dem Arbeitsplatz fern, gefolgt von Beschäftigten in der Metallverarbeitung sowie im Verkehr- und Transportsegment. Hohe Ausfallzeiten hatten auch die Beschäf­tigte in der industriellen Gießerei, Straßen- und Tunnelwärter, Bus- und Straßenbahn­fahrer sowie Altenpfleger.

Dagegen fehlten Arbeitnehmer in der Hochschullehre und -forschung durchschnittlich 3,9 Tage. Auch Ärzte, Beschäftigte in der Softwareentwicklung sowie in der technischen Forschung und Entwicklung wiesen deutlich unterdurchschnittliche krankheitsbedingte Fehlzeiten auf.

Viele psychische Erkrankungen bei Mitarbeitern in Callcentern
Laut WIdO sind in dienstleistungsorientierten Berufen eher psychische Erkrankungen bestimmend für eine Krankschreibung: Auffällig seien hier insbesondere die Berufe im Dialogmarketing, zu denen Beschäftigte im Callcenter gehören, bei denen 19 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische Erkrankungen zurückgehen.

Auch Arbeitnehmer in der Altenpflege sind hohen psychischen Belastungen ausgesetzt, was sich in hohen Fehlständen von 16 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage äußert. Demnach entfiel im Dialogmarketing fast jeder fünfte Fehltag auf eine psychische Erkrankung und in der Altenpflege fast jeder Sechste. Beide Berufsgruppen haben mit 26,4 beziehungs­weise 26,7 Fehltagen pro Beschäftigten allgemein einen hohen Krankenstand.

Insgesamt sind psychische Erkrankungen im vergangenen Jahr wieder deutlich ange­stiegen. Nach einer Stagnation 2013 legten sie der Analyse zufolge mit 9,7 Prozent wieder deutlich zu. Sie führen außerdem zu langen Ausfallzeiten.

Bildung hat starken Einfluss
Die Analyse des WIdO zeigt darüber hinaus, dass die Fehltage außerdem in Abhän­gigkeit vom Ausbildungsabschluss variieren. „Bildung scheint ein wesentlicher Einfluss­faktor für die Gesundheit zu sein. Besser gebildete Beschäftigte verhalten sich in der Regel gesundheitsbewusster“, sagt Schröder. Zudem würden ihnen größere Handlungs­spielräume und Gestaltungsmöglichkeiten bei ihrer beruflichen Tätigkeit eingeräumt.

Die aktuelle AOK-Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten für 2014 hat aber auch regionale Unterschiede ergeben. So sind Bayern im bundesweiten Vergleich gesünder als Beschäftigte in anderen Bundesländern. Denn die 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten der AOK Bayern wiesen mit 4,5 Prozent den deutlich niedrigsten Kranken­stand aus. Die höchsten Krankenstände verzeichnen das Saarland (6,1 Prozent) und Sachsen-Anhalt (5,8 Prozent). © hil/aerzteblatt.de

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