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Medizin

Armut lässt das Gehirn von Kindern langsamer wachsen

Dienstag, 31. März 2015

dpa

Los Angeles – Ein geringes Familieneinkommen und ein niedriges Bildungsniveau der Eltern gingen in einer Studie in Nature Neuroscience (2015; doi: 10.1038/nn.3983) mit einer verminderten Entwicklung der Großhirnrinde einher. Betroffen waren insbesondere Regionen, die für Sprechen, Lesen, räumliches Vorstellungsvermögen und Verstand zuständig sind.

Erfahrungen in Kindheit und Jugend beeinflussen beim Menschen die Entwicklung des Gehirns. Die Kernspintomographie macht dies heute sichtbar und messbar. In der „Pediatric Imaging, Neurocognition and Genetics“ oder PING-Studie wurde untersucht, ob genetische oder sozioökonomische Faktoren die Hirnentwicklung beeinflussen. Dazu wurden Kernspintomographien bei 1.099 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsene aus mehreren Städten der USA angefertigt.

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Die Ergebnisse, die Kimberly Noble von der Columbia University in New York und Elizabeth Sowell vom Children’s Hospital Los Angeles jetzt vorstellen, zeigen, dass die ethnische Herkunft sich auf die Entwicklung der Hirnoberfläche, die ein Marker für die Komplexität und Leistungsfähigkeit des Gehirns ist, nicht auswirkt. Die Gehirne von schwarzen und weißen Amerikanern, Latinos und Asiaten entwickeln sich gleich – wenn sie aus der gleichen sozioökonomischen Schicht kommen.

Bildung und Einkommen der Eltern zeigten dagegen einen deutlichen Einfluss auf die Hirnentwicklung ihrer Kinder. Hatten die Eltern einen niedrigen Abschluss (in den USA High School oder weniger), war die Oberfläche des Großhirns um 3 Prozent kleiner als bei Kindern von Akademiker-Eltern. Beim Einkommen fielen nur die Kinder der ärmsten Schichten auf. In den USA sind dies Familien mit einem Einkommen von weniger als 25.000 US-Dollar.Die Cortex-Oberfläche war dann um etwa 6 Prozent kleiner als bei Kindern von Eltern mit einem Einkommen von mehr als 150.000 US-Dollar im Jahr.

Besonders deutlich waren die Unterschiede im Bereich von Frontallappen, Cingulum und Insula, die für die Sprache und exekutiven Funktionen (Fähigkeit zum komplexen Denken) benötigt werden. Das Einkommen war auch insgesamt mit der Dicke des Cortex assoziiert. Bei der Bildung gab es eine Beziehung zur Größe des Hippocampus, einer für die Gedächtnisbildung zentralen Region in der Tiefe des Großhirns. Die Größen­unterschiede zwischen den Kindern korrelierten auch mit den Ergebnissen in mehreren kognitiven Tests, etwa zum Kurzzeitgedächtnis, zum Wortschatz oder zu den Lesefähig­keiten. Dies spricht dafür, dass die Größenunterschiede für die Hirnfunktion von Bedeutung sind.

Die Gründe für die Unterschiede kann die Studie nicht klären. Noble und Sowell vermuten, dass ein niedriger sozioökonomischer Status mit vermehrtem familiärem Stress, einer ungesunden Ernährung und vielleicht auch mit einer größeren Belastung durch Umweltschadstoffe verbunden ist. In Familien mit höherem Einkommen und Bildungsniveau könnten es mehr „kognitive Stimuli“ geben, die das Hirnwachstum fördern. Möglich bleibt aber, dass Menschen mit genetisch bedingten geringeren kognitiven Kapazitäten in Schule und Berufsleben weniger erfolgreich sind. Dass die ethnische Zugehörigkeit, die ja genetisch bedingt ist, keinen Einfluss auf die Hirnentwicklung hatte, spricht gegen diese Interpretation, kann sie aber nicht völlig ausschließen. © rme/aerzteblatt.de

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