Medizin

Paracetamol bei Rückenschmerzen nicht und bei Arthrosen kaum wirksam

Mittwoch, 1. April 2015

Sydney - Paracetamol, ein weltweit bevorzugtes Schmerzmittel, ist laut einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2015; 350: h1225) bei Cox- und Gonarthrose kaum und bei der Lumbalgie gar nicht wirksam. Wegen der möglichen Lebertoxizität raten die Autoren von dem Schmerzmittel ab, das in den meisten Ländern für die Selbst­medikation freigegeben ist.

Paracetamol ist ein in der Regel gut verträgliches und vermeintlich sicheres Analgetikum. In den meisten Ländern ist es ohne Rezept erhältlich und in leichten Schmerzsituationen aller Art wird es häufig verordnet. Zu den häufigen Einsatzgebieten gehören Gelenk- und Rückenschmerzen, obwohl die Beweislage für eine Wirkung in diesen Indikationen schwach ist.

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Wissenschaftler des George Institute for Global Health in Sydney hatten sich bereits mehrfach über das Missverhältnis von Evidenz und Einsatz beklagt. Im letzten Jahr veröffentlichte das Team um Christopher Maher vom George Institute im Lancet (2014; 384: 1586-1596) eine randomisierte klinische Studie, die die Wirkung bei akuter Lumbalgie infrage stellte. Das Standardmittel erzielte dort keine signifikant bessere Wirkung als ein Placebo.

Jetzt untermauern die Forscher ihre Ergebnisse bei der Lumbalgie durch eine Meta-Ana­lyse, die neben der eigenen Studie zwei weitere kleinere Studien umfasst, an der teilweise auch Patienten mit chronischer Lumbalgie teilnahmen. An dem früheren Ergebnis änderte sich nichts: Paracetamol reduzierte weder die Schmerzintensität (mittlere Differenz -0,5, 95-Prozent-Konfidenzintervall -2,9 bis 1,9), noch verminderte es die schmerzbedingten Behinderungen (0,4; -1,7 bis 2,5), noch kam es zu einer Verbesserung der Lebensqualität (0,4, -0,9 bis 1,7).

Der zweite Teil der aktuellen Meta-Analyse beschäftigt sich mit der Wirksamkeit bei Hüft- und Kniegelenksarthrosen. Auch hier ist der Einsatz von Paracetamol umstritten. Dies wurde zuletzt im Februar 2014 deutlich, als das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Paracetamol zum Erstmedikament bei der Osteoarthritis erklärte. Im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 348: g1545) wurde sogleich bemängelt, dass die Beweislage eine solche Einstufung eigentlich nicht rechtfertige.

Die australischen Meta-Analytiker um Manuela Ferreira vom George Institute stimmen den Kritikern jetzt zu. Ihre Auswertung von zehn randomisierten Studien mit 3.541 Patienten ergab zwar einen leichten Vorteil für Paracetamol gegenüber Placebo. Die Schmerzintensität verbesserte sich um 3,7 Punkte (5,5-1,9) und die Behinderung nahm um 2,9 Punkte ab (4,9-0,9). Vor dem Hintergrund einer 100-Punkte-Skala sind dies jedoch kleine und aus Sicht von Ferreira klinisch irrelevante Unterschiede.

Alle dreizehn Studien waren placebokontrolliert und Ferreira stuft die Qualität ausnahms­los als hochwertig ein. Es bestehe deshalb kein Zweifel an der Wirkungslosigkeit beziehungsweise schwachen Wirkung von Paracetamol, die vor dem Hintergrund möglicher Risiken betrachtet werden müssten. Zwar erwies sich Paracetamol in den Studien erneut als gut verträglich, es kam jedoch fast viermal so häufig zu einer Erhöhung von Leberenzymen (Risk Ratio 3,8; 1,9-7,4), weshalb Paracetamol nach Ansicht von Ferreira keineswegs bedenkenlos eingesetzt werden dürfe.

Die Editorialisten Christian Mallen und Elaine Hay von der Keele University in Newcastle-under-Lyme stimmen Ferreira im Prinzip zu. Die Studie sollte zu einer erneuten Debatte über die Wirksamkeit und Sicherheit von Paracetamol führen, schreiben sie, warnen aber gleichzeitig davor, Paracetamol aus den Leitlinien zu streichen. In diesem Fall würden viele Patienten auf stärkere Schmerzmittel wie Opioide ausweichen, was aufgrund der Nebenwirkungen dieser Mittel problematisch sei. © rme/aerzteblatt.de

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