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Ausland

„Der ganzheitliche Ansatz ist entscheidend“

Dienstag, 7. April 2015

Köln – Seit 2004 ermöglicht der Hilfsverein A.I.M.E! („Aktion zur Integration von Mutter und Kind in Entwicklungsländern“) Aids- und anderen Waisenkindern in Guinea/West­afrika ein Zuhause in einem familiären Umfeld.

Fünf Fragen an die Gründerin von A.I.M.E!, Sibylle Buchholz

DÄ: Was ist das Besondere an A.I.M.E! ?
Buchholz: A.I.M.E! ist in Guinea ins Leben gerufen worden und mit den Herausfor­derungen in dem Land organisch Schritt für Schritt gewachsen. Dies bringt eine sehr gute Kenntnis der Lebensumstände der Bevöl­kerung und daraus resultierend gezielte und effektive Hilfe mit sich.

Wir arbeiten nur mit einheimischen Mitarbeitern, die Zugang zur Bevölkerung und deren Nöte haben, schon weil sie die verschiedenen ethnischen Sprachen im Land beherr­schen und dadurch die Menschen erreichen und Vertrauen schaffen.

Dies ist wichtig, um Informationen vermitteln und Hilfe leisten zu können. Ausländische Einsatzkräfte werden in afrikanischen Ländern in ländlichen Gebieten nicht immer akzeptiert. Das hat sich zum Beispiel bei der Ebola-Krise in den vergangenen Monaten in Guinea gezeigt. In der einheimischen Bevölkerung entstanden Gerüchte über die Ärzte aus dem Ausland. Das hat zu Anfeindungen bis hin zu tätlichen Angriffen geführt.

Besonders an A.I.M.E.! ist das ganzheitliche Konzept: Wir ermöglichen Waisenkindern ein Zuhause mit Unterstützung in den Bereichen Bildung und Ausbildung, medizinische Versorgung und Nahrungsmittelhilfe. Diese Maßnahmen sind familienspezifisch koor­diniert und eingebettet in regelmäßige psycho-soziale Betreuung. Darin besteht die Ganzheitlichkeit unserer Strategie.

DÄ: Wie läuft die Eingliederung der Waisen in die Familien ab?
Buchholz: Wir prüfen zunächst, ob Möglichkeiten bestehen, die Kinder in der eigenen erweiterten Familie unterzubringen. Häufig sind in Afrika ja noch Angehörige vorhanden – eine Oma, eine Tante oder ein älteres Geschwister. Nur sind diese oft damit über­fordert, nach dem Tod einer Mutter zum Beispiel vier oder fünf Kinder aufzunehmen. Hier bringen wir Hilfe durch unser ganzheitliches Konzept. Wir führen viele Einzelgespräche, schauen auf die Wohnsituation und die wirtschaftlichen Bedingungen und finden gemeinsam individuelle Lösungen.

DÄ: Die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Familien – und besonders von Frauen – zu fördern ist ein weiteres Hauptanliegen des Hilfswerkes…
Buchholz: Richtig! Wir versuchen, die aufnehmenden Familien innerhalb von ein bis drei Jahren in die wirtschaftliche Selbstständigkeit zu führen. Auch dieser Prozess ist sehr individuell. Dabei kann es sich um Alphabetisierungsmaßnahmen handeln, um die Gründung einer kleinen Existenz zum Beispiel mit einem Marktstand oder einer Schneider­werkstatt, oder um eine Ausbildung in einem bestimmten Bereich.

DÄ: Welche medizinische Betreuung bieten sie den Familien?
Buchholz: Schon in der Anfangsphase unseres Hilfswerkes haben wir ein kleines Gesundheitszentrum gegründet. Ein Schwerpunkt lag und liegt auf den Bereichen Gynäkologie, Geburtshilfe und Pädiatrie, aber natürlich auch auf der allgemeinme­dizinischen Versorgung. Das Zentrum ist immer größer geworden, zum Beispiel ist ein Labor dazugekommen und eine Apotheke. Letztere ist besonders wichtig, weil wir häufig die Beobachtung gemacht haben, dass Patienten Therapien nicht fortsetzen konnten, weil notwendige Medikamente in Guinea nicht immer verfügbar oder zu teuer sind.

Mittlerweile ist aus dem Gesundheitszentrum eine kleine Klinik geworden. Wir behandeln hier die Familien aus unserem Integrationsprogramm, aber auch externe Patienten. Bedürftige erhalten die Versorgung kostenfrei oder für einen geringen Obolus. Versicherte und Erwerbstätige bezahlen für unsere Leistungen, so können wir soziale Gerechtigkeit umsetzen und damit unsere Klinik kostendeckend betreiben.

Im Augenblick klären wir auch an drei wichtigen Standorten im Land zum Thema Ebola auf. Das ist eine große Präventionskampagne und auch hier ist wichtig, dass wir mit einheimischen Mitarbeitern arbeiten können. Wir haben für diese Kampagne 100 Sozialarbeiter geschult, die jetzt in die Familien gehen und hier zum Thema Ebola aufklären. Plakate, Radio-und Fernsehbeiträge ergänzen dieses Engagement. Möglich gemacht hat diese Kampagne eine Förderung durch das Auswärtige Amt und die HIT-Stiftung.

DÄ: Was benötigt A.I.M.E. für seine Arbeit im Augenblick besonders?
Buchholz: Wir freuen uns über medizinisches Material und Ausstattungen, können diese aber nur annehmen, wenn es für die schwierigen lokalen Bedingungen geeignet ist.

Außerdem ist natürlich Know-how besonders willkommen. Ärzte sind sehr eingeladen, uns auch für einen kurzen Zeitraum zu besuchen, zum Beispiel für eine oder zwei Wochen, und vor Ort zum Beispiel einheimische Mitarbeiter und Ärzte zu schulen oder spezielle Patientengruppen zu behandeln. Voraussetzung ist natürlich, dass sie französisch sprechen! © hil/aerzteblatt.de

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