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Medizin

Neue Berechnungen: Narkosegase als Klimaerwärmer

Mittwoch, 8. April 2015

Dübendorf – Die Inhalationsnarkotika Isofluran, Sevofluran und Desfluran sind Treibhausgase. Auf einer molaren Basis beeinflussen sie das Klima deutlich stärker als Kohlendioxid. Eine Studie in Geophysical Research Letters (2015; 42: 1606-1611) beziffert die aktuelle Belastung der Atmosphäre.

Desfluran ist ein potentes Klimagas. Ein Kilogramm des Narkosemittels hat laut Martin Vollmer, Atmosphärenchemiker an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in Dübendorf bei Zürich das gleiche Treibhauspotenzial wie 2.500 Kilogramm Kohlendioxid. Nur dass Kohlendioxid in der Atmosphäre weitaus verbreiteter ist. Die CO-Konzentration beträgt derzeit 395 Parts per Million (ppm, 10 hoch minus 6). Die Konzentration von Desfluran beträgt dagegen nur 0,30 Parts per Trillion (ppt, 10 hoch minus 12). Das ist ein Unterschied von etwas mehr als neun Zehnerpotenzen.

Die anderen beiden Inhalationsnarkotika Isofluran und Sevofluran sind mit 0,097 ppt und 0,13 ppt noch seltener. Noch geringer ist die Konzentration von Halothan. Die Konzen­tration beträgt nur 9,2 Parts per Quadrillion (ppq, 10 hoch minus 15), da die meisten Länder das Gas aufgrund seiner Hepatotoxizität nicht mehr verwenden.

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Die Zahlen von Vollmer beruhen auf aktuellen Messungen an mehreren Orten in der Schweiz und in der Antarktis. Die „top-down“-Zahlen sind genauer als die „bottom-up“-Zahlen, die aus den Verkaufszahlen der Inhalationsnarkotika errechnet wurden. Die gesamte Klimabelastung durch die Inhalationsnarkotika beziffert Vollmer mit 3,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Die weltweite Gesamtemission von CO2 durch Verbrennung fossiler Brennstoffe liegt bei etwa 35 Milliarden Tonnen CO2.

Der Anteil der Narkosegase würde also etwa ein Tausendstel ausmachen. Nicht berücksichtigt ist in dieser Bilanz der Einsatz von Lachgas. Hier ist eine Zuordnung zur Medizinischen Verwendung nicht möglich, da Distickstoffmonoxid, so die chemische Bezeichnung von Lachgas, auch in der Nahrungsmitteltechnik oder bei der Halbleiterproduktion benutzt wird.

Andere Schätzungen geben ein ungünstiges Bild. So soll der Medizinbetrieb für 8 Prozent aller emittierten Treibhausgase verantwortlich sein, heißt es in der Pressemitteilung der American Geophysical Union. © rme/aerzteblatt.de

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