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Medizin

HIV: Antikörper senkt Viruslast für einen Monat

Freitag, 10. April 2015

dpa

New York – Die einmalige intravenöse Infusion eines Breitbandantikörpers hat in einer ersten klinischen Studie die Viruslast bei einigen HIV-Patienten über mehrere Wochen gesenkt. Bei anderen Patienten traten Resistenzen auf, so dass die klinische Bedeutung der in Nature (2015; doi: 10.1038/nature14411) vorgestellten Ergebnisse nicht absehbar ist.

In den letzten Jahren wurde entdeckt, dass einige HIV-Patienten sogenannte Breitband-Antikörper entwickeln. Sie treten allerdings erst relativ spät im Verlauf der Infektion auf. Zu diesem Zeitpunkt ist die genetische Vielfalt der HI-Viren in der Regel so weit fort­geschritten, dass die Breitband-Antikörper die HIV-Erkrankung nicht mehr stoppen können. Anders wäre dies, wenn die Breitband-Antikörper im frühen Verlauf der Erkrankung in hoher Dosierung als Therapie eingesetzt würden.

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Ein Forscherteam der Rockefeller University in New York hat dies jetzt an 10 gesunden und 17 HIV-Infizierten untersucht. Zum Einsatz kam der Breitband-Antikörper 3BN117, der gegen den Teil der Virushülle gerichtet ist, mit dem HI-Viren am CD4-Rezeptor der T-Zelle binden. Da diese Bindung für den Eintritt in die Zielzelle notwendig ist, könnte der 3BN117 den Vermehrungszyklus der Viren an einer empfindlichen Stelle blockieren. Vorausgegangene Untersuchungen hatten gezeigt, dass der Breitband-Antikörper gegen 195 von 237 HIV-Stämmen aktiv ist.

Die Patienten erhielten Infusionen in vier unterschiedlichen Dosierungen. Dabei stellte sich heraus, dass nur in der höchsten Dosis von 30 mg/kg i.v. über einen Zeitraum von 56 Tagen ausreichend hohe Plasmaspiegel erzielt werden. Bei acht HIV-Infizierten aus diesem Studienarm kam es zu einem bis zu 300-fachen Rückgang der Viruslast, der über mehrere Wochen anhielt. Allerdings sprachen nicht alle Patienten gleichermaßen gut auf die Therapie an. Bei einigen Patienten blieben die Viruskonzentrationen bis zum Ende der Nachbeobachtungszeit von acht Wochen unter den Ausgangswerten, bei anderen kam es rasch zu einem Wiederanstieg der Viruslast, die das Team um Michel Nussen­zweig auf die Selektion von resistenten HI-Viren zurückführt.

Die Forscher gehen davon aus, dass ähnlich wie bei der medikamentösen Therapie mehrere unterschiedliche Antikörper gleichzeitig eingesetzt werden müssten, um mit regelmäßigen Behandlungen die Viruslast langfristig zu unterdrücken. Da die Herstellung der Antikörper aufwendig ist, und die Therapie deshalb kostspielig wäre, stellt sich die Frage nach dem Sinn einer solchen Behandlung, zumal derzeit mehr als 20 unter­schiedliche antiretrovirale Medikamente zur Verfügung stehen. Die Bedeutung der Studie dürfte darin liegen, dass erstmals der prinzipielle Nutzen einer Antikörperbe­handlung gezeigt werden konnte.

Beobachter sehen zwei Perspektiven: Zum einen könnte die Studie der Entwicklung von Impfstoffen neue Impulse gehen, die auf die Generierung von Breitband-Antikörpern durch das körpereigene Immunsystem zielen muss. Zum anderen könnte versucht werden, durch den gemeinsamen Einsatz von Antikörpern und Wirkstoffen, die die HI-Viren aus ihren Reservoiren hervorlocken, die Erkrankung zu heilen. Dies wäre dann allerdings ein Durchbruch, der auch erhöhte Behandlungskosten rechtfertigen würde.

© rme/aerzteblatt.de

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