NewsMedizinPankreaskarzinom: Früherkennung in Hoch-Risiko-Gruppe möglich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Pankreaskarzinom: Früherkennung in Hoch-Risiko-Gruppe möglich

Freitag, 10. April 2015

Stockholm – Für das Pankreaskarzinom, das aufgrund seiner ungünstigen Prognose zur vierthäufigsten Krebstodesursache geworden ist, deutet sich erstmals eine Früher­kennung an. In einer Pilotstudie in JAMA Surgery (2015; doi: 10.1001/jamasurg.2014.3852) wurden in einer Hoch-Risiko-Gruppe mehrere Tumore im Frühstadium entdeckt und behandelt.

Das Pankreaskarzinom entwickelt sich vergleichbar dem Kolorektalkarzinom über einen längeren Zeitraum aus Vorläuferläsionen. Neben der pankreatischen intraepithelialen Neoplasie ist dies vor allem die intraduktale papilläre muzinöse Neoplasie (IPMN), die im Prinzip mit den Darmpolypen vergleichbar ist. Eine endoskopische Vorsorgeunter­suchung wie beim Darmkrebs ist aufgrund des geringen Durchmessers der Drüsen­gänge im Pankreas nicht möglich.

Mit einer Kernspintomographie, eventuell nach Injektion eines Kontrastmittels als Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP), gelingt es heute jedoch, auch kleinere Läsionen darzustellen. Eine weitere potenzielle Screening-Methode ist der endoskopische Ultraschall, der die Läsionen vom Duodenum erkennt. Ein International Cancer of the Pancreas Screening oder CAPS-Consortium (mit deutscher Beteiligung) hat vor zwei Jahren in Gut (2013; 62: 339-347) vorgeschlagen, das Screening zunächst an Personen mit einem erhöhten Risiko zu untersuchen.

Anzeige

Dies sind Personen mit mehreren Pankreaskarzinomen in der Familie (eventuell über mehrere Generationen hinweg) sowie Patienten mit Peutz-Jeghers-Syndrom oder anderen genetischen Risikofaktoren, beispielsweise Mutationen im p16- oder BRCA2-Gen. Auch Patienten mit hereditärem nicht-polypösem kolorektalem Karzinom haben ein erhöhtes Risiko auf ein Pankreaskarzinom. Das CAPS-Consortium hält ein Screening bei einem mehr als fünffach erhöhten Risiko für gerechtfertigt. 

Das Team um Marco del Chiaro vom Karolinska Institut in Schweden hat in einer ersten Studie 40 Personen im Alter von median 49,9 Jahren untersucht, die ein zehnfach erhöhtes Risiko hatten. Bei den meisten handelte es sich um Verwandte ersten oder zweiten Grades von Patienten mit bekanntem Pankreaskarzinom, die bei der Anamnese bis zu fünf Erkrankungen in der Familie angegeben hatten. Andere waren durch positive Gentests aufgefallen, die aus anderen Gründen durchgeführt wurden. Basis des Scree­nings ist eine jährliche Kernspintomographie oder MRCP, an die sich bei einem unklaren Befund eine endoskopische Ultraschalluntersuchung anschließt. Diese Patienten werden außerdem alle sechs Monate mit Kernspin oder MRCP nachuntersucht.

Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 12,9 Monaten wurden bei 16 Patienten (40 Prozent) Läsionen gefunden: Bei 14 Patienten war dies eine IPMN, die anderen beiden hatten bereits ein duktales Adenokarzinom und wurden sofort operiert (Stadien: T1N0M0 und T4N1M0). Drei weitere Patienten wurden später operiert, als bei der Nachbeobachtung eine Vergrößerung ihrer zystischen Läsionen entdeckt wurde. Bei einem dieser beiden Patienten war es zwei Jahre nach dem ersten Screening zu einer weiteren Läsion gekommen, die sich bei der Operation als Karzinom (Stadium T3N0M0) herausstellte.

Die Autoren halten das Screening aufgrund der häufigen Befunde für sinnvoll. Aufgrund der kurzen Nachbeobachtungsphase ist jedoch unklar, wie häufig die Resektionen das Pankreaskarzinom geheilt haben. Bei zwei Patienten befanden sich die Tumore in der Nähe von Blutgefäßen, über die die Tumore bereits gestreut haben könnten, ohne dass dies zum Zeitpunkt der Operation nachweisbar ist.

Der Editorialist Mark Talamonti vom NorthShore University HealthSystem in Evanston/Illinois merkt an, dass sich bei 90 Prozent der Patienten keine familiäre Häufung oder genetische Risikofaktoren nachweisen lassen. Ein allgemeines Bevölkerungsscreening sei aber angesichts des geringen Anteils des Pankreas­karzinoms an allen Krebserkrankungen von nur drei Prozent nicht sinnvoll. Es fehle ein Biomarker, der die gezielte Selektion für eine größere Anzahl von Betroffenen ermögliche.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. Oktober 2019
New York – Bakterien und Pilze aus dem Darm können über die Papilla Vateri in die Bauchspeicheldrüse eindringen. US-Forscher zeigen in Cancer Discovery (2018 ; 8: 403-416) und Nature (2019; doi:
Studie: Pilze und Bakterien aus dem Darm fördern Pankreaskarzinom
8. August 2019
Seattle/Palo Alto – Für das Pankreaskarzinom gibt es weiterhin keine effektive Früherkennung. Dies zeigt ein Evidenzreport der „United States Preventive Services Task Force“ (USPSTF) im amerikanischen
US-Experten halten Pankreaskarzinom-Screening für gefährlich
29. Juli 2019
Seoul – Ein höherer Nüchternblutzucker ist offenbar auch bei Menschen ohne Diabeteserkrankung mit einem größeren Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs assoziiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine im
Erhöhtes Pankreaskarzinomrisiko bei höherer Nüchternglukose – auch ohne Diabetes
25. Juni 2019
La Jolla – Das Carbohydrate-Antigen 19-9 (CA 19-9), das seit drei Jahrzehnten zur Verlaufskontrolle von Krebserkrankungen im Pankreas und anderen Verdauungsorganen benutzt wird, ist kein harmloser
Wie der Tumormarker CA 19-9 Krebs fördert
5. Juni 2019
Tel Aviv – Der PARP-Inhibitor Olaparib, der bereits zur Behandlung von BRCA1/2-positivem Mamma- und Ovarialkarzinom zugelassen ist, hat in einer randomisierten kontrollierten Studie bei Patienten mit
Pankreaskarzinom: Olaparib verlängert progressionsfreies Überleben bei BRCA1/2-positiven Tumoren
18. Februar 2019
Bern/Genf – Bei neuroendokrinen Tumoren des Pankreas, Magens und des Darms könnten Medikamente in Kombination besser wirken als einzeln – insbesondere wenn Somatostatin-Analoga beteiligt sind. Zu
Neuroendokrine Tumoren: Medikamente wirken kombiniert meist besser als einzeln
21. Dezember 2018
Nancy – Für Patienten mit Pankreaskarzinom, das aufgrund seiner Therapieresistenz zu den Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose gehört, gibt es Grund zur Hoffnung. In einer jetzt im New
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER