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Medizin

Pankreaskarzinom: Früherkennung in Hoch-Risiko-Gruppe möglich

Freitag, 10. April 2015

Stockholm – Für das Pankreaskarzinom, das aufgrund seiner ungünstigen Prognose zur vierthäufigsten Krebstodesursache geworden ist, deutet sich erstmals eine Früher­kennung an. In einer Pilotstudie in JAMA Surgery (2015; doi: 10.1001/jamasurg.2014.3852) wurden in einer Hoch-Risiko-Gruppe mehrere Tumore im Frühstadium entdeckt und behandelt.

Das Pankreaskarzinom entwickelt sich vergleichbar dem Kolorektalkarzinom über einen längeren Zeitraum aus Vorläuferläsionen. Neben der pankreatischen intraepithelialen Neoplasie ist dies vor allem die intraduktale papilläre muzinöse Neoplasie (IPMN), die im Prinzip mit den Darmpolypen vergleichbar ist. Eine endoskopische Vorsorgeunter­suchung wie beim Darmkrebs ist aufgrund des geringen Durchmessers der Drüsen­gänge im Pankreas nicht möglich.

Mit einer Kernspintomographie, eventuell nach Injektion eines Kontrastmittels als Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP), gelingt es heute jedoch, auch kleinere Läsionen darzustellen. Eine weitere potenzielle Screening-Methode ist der endoskopische Ultraschall, der die Läsionen vom Duodenum erkennt. Ein International Cancer of the Pancreas Screening oder CAPS-Consortium (mit deutscher Beteiligung) hat vor zwei Jahren in Gut (2013; 62: 339-347) vorgeschlagen, das Screening zunächst an Personen mit einem erhöhten Risiko zu untersuchen.

Dies sind Personen mit mehreren Pankreaskarzinomen in der Familie (eventuell über mehrere Generationen hinweg) sowie Patienten mit Peutz-Jeghers-Syndrom oder anderen genetischen Risikofaktoren, beispielsweise Mutationen im p16- oder BRCA2-Gen. Auch Patienten mit hereditärem nicht-polypösem kolorektalem Karzinom haben ein erhöhtes Risiko auf ein Pankreaskarzinom. Das CAPS-Consortium hält ein Screening bei einem mehr als fünffach erhöhten Risiko für gerechtfertigt. 

Das Team um Marco del Chiaro vom Karolinska Institut in Schweden hat in einer ersten Studie 40 Personen im Alter von median 49,9 Jahren untersucht, die ein zehnfach erhöhtes Risiko hatten. Bei den meisten handelte es sich um Verwandte ersten oder zweiten Grades von Patienten mit bekanntem Pankreaskarzinom, die bei der Anamnese bis zu fünf Erkrankungen in der Familie angegeben hatten. Andere waren durch positive Gentests aufgefallen, die aus anderen Gründen durchgeführt wurden. Basis des Scree­nings ist eine jährliche Kernspintomographie oder MRCP, an die sich bei einem unklaren Befund eine endoskopische Ultraschalluntersuchung anschließt. Diese Patienten werden außerdem alle sechs Monate mit Kernspin oder MRCP nachuntersucht.

Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 12,9 Monaten wurden bei 16 Patienten (40 Prozent) Läsionen gefunden: Bei 14 Patienten war dies eine IPMN, die anderen beiden hatten bereits ein duktales Adenokarzinom und wurden sofort operiert (Stadien: T1N0M0 und T4N1M0). Drei weitere Patienten wurden später operiert, als bei der Nachbeobachtung eine Vergrößerung ihrer zystischen Läsionen entdeckt wurde. Bei einem dieser beiden Patienten war es zwei Jahre nach dem ersten Screening zu einer weiteren Läsion gekommen, die sich bei der Operation als Karzinom (Stadium T3N0M0) herausstellte.

Die Autoren halten das Screening aufgrund der häufigen Befunde für sinnvoll. Aufgrund der kurzen Nachbeobachtungsphase ist jedoch unklar, wie häufig die Resektionen das Pankreaskarzinom geheilt haben. Bei zwei Patienten befanden sich die Tumore in der Nähe von Blutgefäßen, über die die Tumore bereits gestreut haben könnten, ohne dass dies zum Zeitpunkt der Operation nachweisbar ist.

Der Editorialist Mark Talamonti vom NorthShore University HealthSystem in Evanston/Illinois merkt an, dass sich bei 90 Prozent der Patienten keine familiäre Häufung oder genetische Risikofaktoren nachweisen lassen. Ein allgemeines Bevölkerungsscreening sei aber angesichts des geringen Anteils des Pankreas­karzinoms an allen Krebserkrankungen von nur drei Prozent nicht sinnvoll. Es fehle ein Biomarker, der die gezielte Selektion für eine größere Anzahl von Betroffenen ermögliche.

© rme/aerzteblatt.de

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