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Medizin

Herzchirurgie: Keine Nachteile durch „ältere“ Blutkonserven

Freitag, 10. April 2015

dpa

Minneapolis – Die Bedenken, nach denen die Qualität von Blutkonserven lange vor dem Ablauf der offiziellen Haltbarkeitszeit nachlässt, haben sich in einer größeren randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2015; 372: 1419-1429) erneut nicht erfüllt.

Die Haltbarkeit von Blutkonserven konnte in den letzten Jahren deutlich gesteigert werden. In den USA und vielen anderen Ländern beträgt die maximale Lagerzeit heute 42 Tage. Die Erythrozyten sind in diesem Alter weiter in der Lage, Sauerstoff zu transportieren. Es gab in den letzten Jahren jedoch zahlreiche Bedenken zu der biologischen Qualität älterer Blutkonserven. So könnte eine verminderte Flexibilität der Zellmembran die Erythrozyten daran hindern, den Sauerstoff in den engen Kapillaren an das Gewebe abzugeben. Die Weite der Kapillaren ist häufig kleiner als der Durchmesser der roten Blutzellen, die sich deshalb beim Hindurchfließen verformen müssen.

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Für Verunsicherung sorgte insbesondere eine vor sieben Jahren publizierte Beobach­tungsstudie der Cleveland Clinic, in der bereits eine Lagerungszeit von mehr als 14 Tagen mit einer erhöhten Sterblichkeit von herzchirurgischen Patienten verbunden war (NEJM 2008; 358: 1229-­39). Das US-National Heart, Lung, and Blood Institute hatte daraufhin eine randomisierte Studie beauftragt.

An der Red Cell Storage Duration Study (RECESS) nahmen von Januar 2010 bis Januar 2014 an 33 US-Kliniken 1.098 herzchirurgische Patienten teil, deren intraoperativer Blutverlust durch Blutkonserven ersetzt wurde, deren Lagerungszeit entweder weniger als 10 Tage oder mehr als 21 Tage betragen hatte. Primärer Endpunkt der Studie war die Veränderung im Multiple Organ Dysfunction Score (MODS) in den ersten sieben Tagen oder ein Tod in der Zeit danach bis zum 28. Tag. Das MODS bewertet die Organfunktion in sechs Organsystemen mit 0 bis 24 Punkten, wobei ein höherer Wert eine ungüns­tigere Organfunktion angibt.

Nach den von Marie Steiner on der University of Minnesota in Minneapolis mitgeteilten Ergebnissen gab es trotz einer dreifach längeren Lagerzeit der Blutkonserven (28 versus 7 Tage) keine signifikanten Unterschiede im MODS. Bei den Patienten, die die „frischeren“ Blutkonserven erhalten hatten, kam es zu einem Anstieg des MODS um im Mittel 8,5 Punkte.

Bei den Patienten mit den „älteren“ Konserven waren es 8,7 Punkte. In der 7-Tage-Mortalität (2,8 versus 2,0 Prozent für „frisch“ gegenüber „alt“) und in der 28-Tage-Mortalität (4,4 versus 5,3 Prozent) waren die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen ebenfalls nicht signifikant. Auch bei den Nebenwirkungen waren die „älteren“ Blutkonserven nicht benachteiligt, wenn man von einer höheren Rate von erhöhten Bilirubinwerten absieht, die auf erhöhte Neigung der älteren Erythrozyten zur Hämolyse hinweisen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis war vor zwei Jahren die randomisierte „Age of Red Blood Cells in Premature Infants“-Studie gekommen. Dort hatte eine kürzere Lagerzeit der Erythrozytenkonzentrate (im Mittel 5,1 versus 14,6 Tage) die Behandlungsergebnisse bei der Frühgeborenenanämie nicht verbessert (JAMA 2012; 308: 1443-1451).

Eine weitere Studie, Age of Blood in Children in Pediatric Intensive Care Units trial (ABC PICU) untersucht derzeit, ob ältere Kinder auf Intensivstationen einen größeren Nutzen von einer Anämiebehandlung mit Erythrozytenkonzentraten haben, wenn die Lagerungszeiten der Blutpräparate verkürzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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