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Medizin

Warum kleine Menschen häufiger einen Herzinfarkt erleiden

Sonntag, 12. April 2015

dpa

Leicester – Seit längerem ist bekannt, dass kleinere Menschen häufiger eine koronare Herzkrankheit (KHK) entwickeln als größere. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Eine genomweite Assoziationsstudie unternimmt im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1404881) einen Erklärungsversuch.

Die inverse Korrelation zwischen Körpergröße und Herzinfarktrisiko war US-Kardiologen bereits vor mehr als 60 Jahren aufgefallen. Patienten, die vor dem 40. Lebensjahr erkrankten, waren um 5 cm kleiner als die Normalbevölkerung (JAMA 1951; 147: 621-625). Seither hat es nicht weniger als 1.907 Publikationen zu diesem Thema gegeben, aus denen Tuula Paajanen von der Universität in Tampere vor fünf Jahren 52 für eine Meta-Analyse auswählte.

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Ihr Ergebnis damals: Wer kleiner als 160,5 cm ist, erleidet zu 52 Prozent häufiger einen Herzinfarkt. Auch die kardiovaskuläre und die Gesamtsterblichkeit waren nach dieser Untersuchung bei den kleinen Menschen höher als bei den langen (European Heart Journal doi:10.1093/eurheartj/ehq155).

Jetzt hat sich das CARDIoGRAMplusC4D Consortium, das nach den genetischen Ursachen für die KHK sucht, der Frage angenommen. Der Vergleich von 65.066 Fällen und 128.383 Kontrollen ergab erneut, dass das Risiko auf eine Koronare Herzkrankheit mit abnehmender Körpergröße zunimmt. Pro Standardabweichung ermittelt das internationale Team um Nilesh Samani (unter Beteiligung mehrerer deutscher Zentren) eine Zunahme um 13,5 Prozent. Eine Standardabweichung betrug in dieser Studie 2,5 Inch. Das sind 6,35 Zentimeter.

Die Forscher haben nun den Einfluss von 180 Genvarianten, die in einer früheren Untersuchung mit der Körpergröße assoziiert waren, auf das KHK-Risiko untersucht. In einer weiteren Analyse gingen sie den Auswirkungen der verschiedenen Körper­größe-Gene auf die typischen Herzinfarktfaktoren wie Cholesterin-Wert, Blutdruck, Typ 2-Diabetes oder auch das Rauchen nach.

Eine klare Ursache fanden die Forscher nicht. Einen Einfluss des Body Mass-Index glaubt Samani jedoch ausschließen zu können. Kleine Menschen erkrankten demnach nicht häufiger am Herzinfarkt, weil ihr Körper weniger Platz zur Speicherung überflüssiger Pfunde hat und diese deshalb im viszeralen Fettgewebe ablagert. Dies scheint nicht der Fall zu sein.

Auffallend war dagegen eine enge Beziehung zum LDL-Cholesterin und den Trigly­zeridwerten. Sie könnte etwa 30 Prozent der negativen Korrelation zwischen Körper­größe und KHK-Risiko erklären. Doch worin hier die Kausalität bestehen sollte, ließ sich auch in einer „Stoffwechselweg“-Analyse nicht klären. In dieser Untersuchung versuchten die Forscher, einzelne Genvarianten in Enzymen der Stoffwechselwege, die zur Athero­sklerose führen, mit der Körpergröße in Verbindung zu bringen. Da allerdings die Stoffwechselwege nur ansatzweise geklärt sind, musste dieser Versuch scheitern.

Es gäbe noch eine andere, vergleichsweise banale Erklärung für das erhöhte KHK-Risiko kleiner Menschen. Bei kleinen Menschen haben die Koronararterien in der Regel einen geringeren Durchmesser als bei größeren Menschen. Atherosklerotische Plaques können bei ihnen schneller zu einer klinisch relevanten Auswirkungen führen.

Dies gilt allerdings unabhängig von der Körpergröße auch für Frauen im Vergleich zu Männern. Kleine Frauen sollten demnach besonders gefährdet sein. Diese Assoziation ließ sich in der Studie allerdings nicht bestätigen. Am Ende müssen die Autoren eingestehen, dass sie die komplexen Zusammenhänge auch nach mehr als 60 Jahren noch nicht zufriedenstellend erklären können.

© rme/aerzteblatt.de

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