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Politik

Masern: Gröhe droht mit möglichem Impfzwang

Sonntag, 12. April 2015

dpa

Berlin/Sydney – Angesichts der nach wie vor hohen Zahl an Masern-Erkrankungen hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) Impfverweigerern mit einem Impfzwang gedroht. Nicht impfen sei verantwortungslos, sagte Gröhe der Deutschen Presse-Agentur und dem NDR und fügte hinzu: „Wir müssen auch der Panikmache einiger Impfgegner entgegentreten”. Er erläuterte: „Wer ohne medizinische Notwendigkeit seinem Kind den Impfschutz verweigert, schadet nicht nur diesem Kind, sondern auch Kindern, die zum Beispiel zu klein sind, um geimpft zu werden, oder Kindern, die tatsächlich aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.”

Auch weitergehende Schritte wie das Thema Impflicht dürften kein Tabu sein, bekräftigte der Ge­sund­heits­mi­nis­ter. „Wir werden diese Fragen sorgfältig, aber konsequent im Rahmen der jetzt anstehenden parlamentarischen Beratungen zum Präventionsgesetz debattieren und dann entscheiden.”

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Gröhe bekräftigte, diese Krankheit sei unnötig, weil es einen wirksamen Impfschutz gebe. Um die Impfquote zu steigern, sei im Präventionsgesetz vorgesehen, die Beratung vor dem Besuch einer Kindertagesstätte (Kita) verpflichtend festzulegen. Auch solle bei jeder Jugend- oder Erwachsenenuntersuchung der Impfstatus abgefragt werden. Welche Konsequenzen bei einer Impfverweigerung zu ziehen seien, müsse auch mit den Ländern erörtert werden, damit diese dortauch Regelungen in ihren Kindergartengesetzen umsetzen könnten.

Wieler plädiert für Anreize zur freiwilligen Impfung
Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, sprach gegen eine dauerhaft geltende Masern-Impfflicht aus. „Es kann Situationen geben, in denen man zeitlich und räumlich beschränkt über so etwas nachdenkt“, sagte Wieler den Dortmunder Ruhr Nachrichten vom Montag. Langfristig sei es sinnvoller, zu freiwilligen Impfungen zu animieren. „Wir müssen die Menschen zum Impfen motivieren und aktiver auf die Bevölkerung zugehen, vor allem auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ja eher selten zum Arzt gehen.“

Vor allem bei jungen Erwachsenen habe Deutschland ungenügende Masern-Impfquoten. „Wir erreichen bei Weitem nicht die Ziele der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO“, sagte Wieler. „In Deutschland gab es im letzten Jahr 20 Mal so viele Neuinfektionen, wie bei den Plänen für eine schrittweise Ausrottung der Krankheit vorgesehen.“

Noch keine Ende der Masern-Epedemie absehbar
Rund ein halbes Jahr nach dem Masern-Ausbruch in Berlin ist noch kein Ende absehbar. Seit Oktober wurden dort mehr als 1.000 Fälle gemeldet. Mindestens 80 Fälle wurden in Thüringen, hier insbesondere in Erfurt, registriert, 75 in Bayern. In Berlin wurden den Behörden zufolge mindestens 330 Kinder zeitweilig von Kitas und Schulen ausge­schlossen.

Australien plant einem Medienbericht zufolge, jenen Eltern, die Ihre Kinder nicht impfen lassen, Sozialleistungen zu entziehen. Laut Sydney Morning Herald will Sozialminister Scott Morrison die Regeln etwa für Steuervergünstigungen und Hilfen zur Kindesbetreuung verschärfen. Wer solche Hilfen suche, dürfe nicht länger Einwände gegen Impfungen aus Gewissensgründen vorbringen.

Dem Bericht zufolge reichten Eltern Zehntausender Kindern solche Einwände ein, aus persönlichen, philosophischen, religiösen oder medizinischen Gründen. Auch in Australien haben Ausbrüche von Masern, Keuchhusten und anderer vermeidbarer Erkrankungen eine Impfdebatte entfacht. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 14. April 2015, 08:17

Hermann Gröhe (CDU) und das LAGeSo

Hermann Gröhe (CDU) sollte lieber dem Berliner LAGeSo die Leviten lesen:
Seit Oktober 2014 sind in Berlin im direkten Blickfeld des zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) bzw. des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters (BGM) jetzt über 1.000 Menschen an Masern erkrankt. Diese epidemiologische Lage war nach einem ersten Bulletin des Robert-Koch-Instituts (RKI) vorhersehbar: Primär ungeimpfte und schutzlose Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber strömten aus der europäischen Nachbarschaft von Bosnien, Herzegowina und Serbien nach Berlin. Dort bestanden und bestehen bis heute die h ö c h s t e n innereuropäischen Erkrankungsraten in Form einer Masern-(Morbilli-)Epidemie.

Es war und ist bis heute die LAGeSo, die in aller Seelenruhe zugeschaut hatte, wie sich Neuinfektionen an Masern, Windpocken (Varizella/Zoster), Diphtherie, TBC, Röteln, Mumps, Hepatitis A und B, Meningitis etc. in Berlin verbreiteten.

Als täglich impfender Hausarzt verzweifelt man fast an dieser infektionsepidemiologischen Ignoranz, die BGM Hermann Gröhe (CDU) und seine Berater offenkundig verbreiten. Mit dem Satz: "Wer ohne medizinische Notwendigkeit seinem Kind den Impfschutz verweigert, schadet nicht nur diesem Kind, sondern auch Kindern, die zum Beispiel zu klein sind, um geimpft zu werden, oder Kindern, die tatsächlich aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können" blendet der Minister aus, dass gerade Jugendliche und Erwachsene von der Masern-Endemie mit über 1.000 Fällen in Berlin betroffen sind und nicht allein Säuglinge oder Kleinkinder, was auch auf primäre und sekundäre Impfstoffversager schließen lässt.

Das LAGeSo hat an seinen infektiologischen Herausforderungen mit Fahrlässigkeit, Naivität, Nachlässigkeit und Dilettantismus herumgedoktert. Mit echter Berliner "Großschnauzen"-Mentalität wurde ein kostenloses Impfangebot für Flüchtlinge als "Zentrale Impfstelle für Flüchtlinge in Berlin" großspurig angekündigt, jedoch bis heute n i c h t implementiert.

Kompetenzgerangel und Zuständigkeits-Wirrwarr bei individuellen Impfungen sind hinlänglich bekannt. Primär unversicherte Personen, seien sie nun Migranten, Flüchtlinge oder Asylbewerber, sind per Gesetz über die Sozialämter der Bezirke krankenversichert. Diese wollen sich offenkundig von Amts wegen n i c h t um adäquate Gesundheits-, Vorsorge- und Impfleistungen kümmern.

Hermann Gröhe, übernehmen Sie!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #594506
lupus1955
am Montag, 13. April 2015, 19:54

Masern

"Angesichts der nach wie vor hohen Zahl..."
Haben Herr Minister Gröhe und seine Berater erwartet, dass allein vom darüber sprechen und Maßnahmen erwägen innerhalb kurzer Zeit die Inzidenz (deutlich) abfällt?
Stammt die Wortwahl aus dem Ministerium oder ausschließlich aus der Feder eines Schreiberlings?
LNS

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