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Unicef: 800.000 Kinder in Nigeria auf der Flucht vor Boko Haram

Montag, 13. April 2015

dpa

Köln – Rund 800.000 Kinder sind nach UN-Angaben in Nigeria auf der Flucht vor dem Konflikt mit der Islamistengruppe Boko Haram. In einem Jahr habe sich die Zahl der Binnenflüchtlinge auf 1,2 Millionen Menschen fast verdoppelt, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef. Ein Jahr nach der Entführung hunderter Schülerinnen im Norden Nigerias durch Boko Haram forderte Unicef mehr Schutz für Kinder in dem Land.

„Die Entführung der Mädchen aus Chibok vor einem Jahr war ein schreckliches Verbrechen, Angriffe auf Schulen und Entführungen von Kindern dürfen in Nigeria nicht länger zum Alltag gehören“, erklärte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider. „Schutz und Hilfe für Kinder in der Region müssen wo immer möglich verstärkt werden.“

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Unicef kritisierte, tausende Kinder aus Nigeria seien Opfer schwerer Menschenrechts­verletzungen. Mädchen und Jungen würden getötet, entführt, zwangsverheiratet, als Kämpfer rekrutiert oder in extremen Fällen dazu gezwungen, sich als Selbstmord­attentäter in die Luft zu sprengen. In den Jahren 2012 bis 2014 seien bei gezielten Angriffen auf Schulen im Nordosten Nigerias mindestens 196 Lehrer und 314 Schüler getötet worden, erklärte Unicef. Mehr als 300 Schulen wurden demnach zerstört oder schwer beschädigt.

Die UN-Organisation betonte, viele Familien seien bei der Ankunft in den Flüchtlings­lagern nach langer Flucht völlig entkräftet sowie mittellos und bräuchten dringend Hilfe. Immer mehr Kinder und Jugendliche seien auf sich allein gestellt, weil ihre Eltern tot oder sie auf der Flucht von ihnen getrennt worden seien. Allein in den nordöstlichen Provinzen Borno und Yobe registrierte Unicef 2.400 unbegleitete Mädchen und Jungen. Sie seien besonders gefährdet, Opfer von Missbrauch oder Ausbeutung zu werden.

Unicef weitet Hilfe aus
Unicef forderte alle Konfliktparteien auf, für den Schutz von Kindern zu sorgen. So müssten die Angriffe auf Schulen sofort aufhören, entführte Kinder müssten zu ihren Familien zurückgebracht werden und es dürften keine Kindersoldaten mehr rekrutiert werden.

nicef weitete nach eigenen Angaben seine Nothilfe in Nigeria sowie in Niger, Kamerun und Tschad aus und richtete unter anderem Notschulen in Flüchtlingslagern ein. Dadurch könnten seit Anfang des Jahres 40.000 Kinder wieder zur Schule gehen, hieß es. Zudem erhielten 60.000 Mädchen und Jungen mit Hilfe des Kinderhilfswerks psychologische Hilfe, um ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. © afp/aerzteblatt.de

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