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Politik

ConhIT 2015: Nachdenkliches zum Umgang mit Gesundheitsdaten

Mittwoch, 15. April 2015

Sascha Lobo

Berlin – Zur Eröffnung der Healthcare-IT-Branchenveranstaltung conhIT am gestrigen Dienstag auf dem Messegelände in Berlin appellierte der Blogger und Autor Sascha Lobo an die Vertreter der Gesundheits-IT-Branche, sich stärker als bisher in die Diskussionen um den Umgang mit digitalen medizinischen Daten einzumischen.  Lobo verwies darauf, dass „wir ganz am Beginn einer Entwicklung sind, in der Gesundheits­daten  und die Vernetzung völlig neue Möglichkeiten eröffnen, von denen niemand weiß, in welche Richtung sie gehen werden, aber jeder ahnt, dass sie eine massive Wirkung haben werden."  Das beinhalte fantastische Möglichkeiten, aber mindestens genauso viele Risiken, die dahinter stünden.

Der Blogger rekurrierte unter anderem auf die Entwicklung der kürzlich präsentierten „Apple Watch“, die ihm zufolge von ihrer flächendeckenden Wirkung her ein Signal darstellt, dass künftig Massen von Gesundheitsdaten durch Nutzer in verschiedene Systeme eingespeist werden. Dabei seien Nicht-Patienten verantwortlich für den größten Teil dieser Gesundheitsdaten.  „Dann greifen Mechanismen der Gesundheitswirtschaft, die dort vorher nicht zu finden waren“, erklärte Lobo. „Dann sind Daten vorhanden, die Begehrlichkeiten wecken, mit denen man irgendwas tun muss, für die man irgendwelche Regeln braucht.“  Es sei daher sehr wichtig, sich frühzeitig darüber Gedanken zu machen, wie mit solchen Daten zu verfahren sei.

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Nicht immer ein rationales Agieren
Das Thema Daten und Gesundheit sei ein sehr delikates, die Diskussionen in der Bevölkerung hierzu nicht immer rational.  „Wir sehen, dass etwas auf uns zurollt – eine Welle der Vernetzung und von unterschiedliche  Daten der Gesundheit – und dass wir im gesellschaftlichen Umgang damit eine Menge Sollbruchstellen haben.“ Hinzu komme das Gefühl von einem großen Teil der Bevölkerung, direkt betroffen zu sein.  Die Gesund­heits­wirtschaft sei diejenige Seite, die sich darauf einstellen müsse, dass die andere Seite nicht immer nach kalkulierbaren rationalen Regeln agiere. Die Gesundheit-IT verkaufe sich massiv unter Wert und müsse mehr Verantwortung übernehmen, sagte Lobo.

conhIT 2015, 14. bis 16. April in Berlin: Gesundheits-IT für alle Facetten der Versorgung

Das geplante E-Health-Gesetz ist eines der zentralen Themen der Branchenveranstaltung. Es sorgt nicht nur für Diskussionen, sondern dürfte auch den Markt für Gesundheits-IT beflügeln. Der international ausgerichtete Branchenevent für IT im Gesundheitswesen ist weiter auf Wachstumskurs

Der Eintritt großer Konzerne wie Apple oder Google in den Markt mit Gesundheitsdaten macht es ihm zufolge notwendig, dass Anbieter von Healthcare-IT und Fachleute über den B2B(Business to Business)-Kontakt hinausdenken und den Lösungen aus der B2C(Business to Consumer)-Welt  folgen. Es gelte, die Richtung des Fortschritts zu bestimmen, nicht, ihn aufzuhalten. Datenschutz und Datensouveränität  würden noch viel wichtiger, denn „die schiere Existenz von Daten muss man als Macht begreifen“. Die Healthcare-IT habe keine andere Wahl, als politisch zu werden, mahnte Lobo.

Keine Doppelfinanzierung
Für die Politik erläuterte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundes­gesund­heits­ministerium und Schirmherrin der conhIT, Annette Widmann-Mauz, anhand  des in der parlamentarischen Abstimmung befindlichen E-Health-Gesetzentwurfs die Bemühungen um gleichermaßen innovationsfreundliche wie auch risikobegrenzende Rahmenbedingungen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens.

Bislang gebe es weltweit kein digitales Netz im Gesundheitswesen, an das 70 Millionen Nutzer angebunden würden, erklärte Widmann-Mauz.  Das E-Health-Gesetz sei klar darauf ausgerichtet, die Tele­ma­tik­infra­struk­tur als die zentrale Infrastruktur für das deutsche Gesundheitswesen zu etablieren. „Andere Anwendungen werden nur so lange finanziell gefördert, bis die Tele­ma­tik­infra­struk­tur zur Verfügung steht. Eine Doppel­finanzierung ist von uns nicht vorgesehen“, unterstrich die Saatssekretärin. © KBr/aerzteblatt.de

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Avatar #103205
Patroklos
am Donnerstag, 16. April 2015, 14:15

Bunter Vogel.

Ja, mit dem Lobo ist Aufmerksamkeit gewiss, weshalb er sich als Redner bei der conhIT auch gut macht.
Unabhängig davon problematisiert er die wichtige Tatsache, dass digitale Massendatensammlungen oder neudeutsch auch "BigData" an sich schon ein Politikum darstellen, dem man sich stellen muss. Z. B. die Daten eines KIS, die über 10, 15, 20 oder mehr Jahre vorgehalten werden, und auf die innerhalb von Sekunden zugegriffen werden kann; die innerhalb von Stunden vollständig kopiert und transportiert werden können mit privaten, intimen, intimsten Informationen über Patienten.
Nicht die Massendaten von gesunden, sich selbst beoabachtenden Mitbürgern sehe ich als das eigentliche Problem, sondern die verfüg- und auswertbaren Datenmassen von echten Patienten. Diese werden innerhalb einer Tele­ma­tik­infra­struk­tur mit 70 Mio. Nutzern eben auch nutzbar. In schlechten Zeiten eine Katastrophe.
LNS

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