NewsMedizinStudie sieht Gestationsdiabetes als Autismusrisiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie sieht Gestationsdiabetes als Autismusrisiko

Mittwoch, 15. April 2015

dpa

Pasadena – In den USA hat infolge der Adipositas-Welle die Zahl der Schwangeren mit Gestationsdiabetes zugenommen. Gleichzeitig wird bei jungen Kindern immer häufiger die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung gestellt. Die Auswertung der Daten eines großen Krankenversicherers im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 313: 1425-1434) deutet darauf hin, dass es zwischen beiden Entwicklungen einen Zusammenhang gibt.

Die Studie umfasst die Daten von über 320.000 Kindern, die in einem Zeitraum von 15 Jahren an einer Klinik der Kaiser Permanente Southern California (KPSC) geboren wurden. Die Mutter jedes zehnten Kindes hatte entweder bereits vor der Schwanger­schaft an einem Typ 2-Diabetes (2,0 Prozent) gelitten oder die Mutter war während der Schwangerschaft an einem Gestationsdiabetes erkrankt (7,8 Prozent).

Anzeige

Die Krankenkasse bietet ihren Mitgliedern Screening-Untersuchungen auf eine Autis­mus-Spektrum-Störung (ASS) an. Die Diagnose wurde später bei 310 von 25.035 Müttern mit Gestationsdiabetes gestellt. Dies bedeutet, dass mehr als 98 Prozent aller Kinder von Müttern mit Gestationsdiabetes niemals an einer ASS erkranken.

Bei den Kindern von Müttern, die nicht an einem Diabetes litten, waren die ASS-Diagno­sen jedoch dreimal seltener. Ein Teil des Risikos konnte auf andere Risikofaktoren wie Alter der Mutter, Haushaltseinkommen, ethnische Herkunft und Geschlecht des Kindes zurückgeführt werden. Es blieb jedoch ein „Restrisiko“ übrig, das zudem auf die Gruppe beschränkt war, bei denen man am ehesten mit einer Schädigung des Feten rechnen würde: Eine Diabetesdiagnose der Mutter vor der 26. Gestationswoche war mit einem um 42 Prozent erhöhten Risiko des Kindes auf eine ASS verbunden (Hazard Ratio 1,42; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,15-1,74). Für einen späteren Beginn des Gestations­diabetes und für einen vorbestehenden Typ 2-Diabetes der Mutter fanden Anny Xiang und Mitarbeiter vom KPSC keine signifikante Assoziation.

Den Autoren ist natürlich bewusst, dass eine Assoziation in einer retrospektiven Studie nicht mit einer Kausalität gleichzusetzen ist, schon gar nicht in einem so sensiblen Thema wie ASS, in dem seit Jahren verzweifelt nach Erklärungen gesucht wird. Viele Experten sind heute der Ansicht, dass die ASS die Folge einer Entwicklungsstörung des Gehirns ist, die durchaus bereits im fetalen Alter entstehen kann, auch wenn die Diagnose frühestens im Vorschulalter gestellt wird.

Der gestörte Blutzuckerstoffwechsel könnte in dieser Zeit nicht der einzige Faktor sein, der sich negativ auf die Hirnentwicklung auswirkt. Die ASS wurde in früheren Studien auch mit niedrigen Folsäurewerten oder der Einnahme von Antidepressiva in Verbindung gebracht. Doch selbst wenn diese Vermutungen zutreffen sollten, würden sie insgesamt nur einen sehr kleinen Anteil der Erkrankungen erklären, womit die Frage nach dem Ursprung der Erkrankung weiter offen bleibt.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. Oktober 2019
Berlin – Psychische Störungen treten bei Menschen mit Diabetes häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Gleichzeitig stellten komorbide psychische Störungen eine Behandlungsbarriere dar,
Komorbide psychische Störungen bei Diabetikern häufig
17. Oktober 2019
New York – Frauen, die ihr Kind längere Zeit stillen, erkranken im späteren Leben seltener an einem Typ-2-Diabetes oder an einer arteriellen Hypertonie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in
Lange Stillzeit schützt Frauen vor Diabetes und Hypertonie
16. Oktober 2019
Stuttgart – Der Ärzteverband Medi Baden-Württemberg und die DAK-Gesundheit haben einen neuen Facharztvertrag geschlossen, der die Versorgung von Diabetikern (Typ 1 und 2) verbessern soll. Ärzte können
Neuer Facharztvertrag zur Diabetesversorgung in Baden-Württemberg
16. Oktober 2019
Berlin – Für Eltern mit an Diabetes erkrankten Kindern gibt es nicht genug psychosoziale Hilfen. Darauf haben Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) im Vorfeld der morgigen Tagung
Psychosoziale Betreuung von Diabetikern verbesserungsbedürftig
15. Oktober 2019
München – An der bayernweiten „Fr1da“-Studie zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes haben 100.000 Kinder teilgenommen. Das teilte heute das Ge­sund­heits­mi­nis­terin in Bayern mit. Die Studie wird dem
100.000 Kinder auf Typ-1-Diabetes in Bayern untersucht
15. Oktober 2019
Marburg – Der Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg intensiviert seine Partnerschaft mit der Kilimandscharo-Region in Tansania. Dazu beteiligt sich die Hochschule an der Initiative
Neue Klinikpartnerschaft zwischen Uni Marburg und Tansania
10. Oktober 2019
Singapur – Als erstes Land der Welt verbietet Singapur die Werbung für extrem gezuckerte Getränke. Als „wenig gesund“ geltende Limonaden und andere Getränke müssen künftig Aufdrucke mit Angaben zum
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER