NewsMedizinMitralinsuffizienz: Bioklappen auch für jüngere Patienten eine Option
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mitralinsuffizienz: Bioklappen auch für jüngere Patienten eine Option

Donnerstag, 16. April 2015

Aortenklappe in 3D-Ultraschall schomynv

New York – Die Haltbarkeit von biologischen Herzklappen ist in den letzten Jahren gestie­gen, so dass sie immer häufiger auch jüngeren Patienten angeboten werden. Beim Aorten­klappenersatz werden sie in der Regel bevorzugt. Die jetzt im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 313: 1435-1442) veröffentlichten US-Daten zeigen, dass die langfristigen Überlebenschancen nach Mitralklappenersatz bei Patienten der Alters­gruppe 50 bis 69 Jahre nicht schlechter sind als nach Implantation einer mechanischen Prothese.

Joanna Chikwe von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York hat die Daten von 3.433 Patienten im Alter von 50 bis     69 Jahren ausgewertet, die in den Jahren 1997 bis 2007 im US-Staat New York eine neue Mitralklappe erhalten hatten. Für den Vergleich in einer sogenannten Propensity-Analyse verglich sie 664 Patientenpaare, die in 19 Eigenschaften identisch waren, von denen jeweils einer jedoch eine mecha­nische und der andere eine biologische Klappe erhalten hatte.

Anzeige

Im wichtigsten Endpunkt, dem Langzeitüberleben, gab es keine Unterschiede. Mit mecha­nischer Prothese lebten nach 15 Jahren noch 57,5 Prozent der Patienten. Bei den Bioprothesen betrug die Zahl 59,9 Prozent. Die Überlebensrate war damit nach mecha­nischen Klappenersatz sogar tendenziell niedriger. Die Hazard Ratio von 0,95 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,79 bis 1,15 lässt aber den Schluss zu, dass es in den ersten 15 Jahren keine großen Unterschiede gibt.

Unterschiede gab es dagegen bei der wichtigsten Komplikation, einem Schlaganfall. Er kann Folge von Thromben sein, die sich auf der Klappe gebildet haben und dann als Embolus in die Hirnarterien abgeschwemmt wurden. Diese Gefahr ist bei mechanischen Klappen höher. Die kumulative 15-Jahres-Inzidenz von Schlaganfällen betrug bei Patienten mit mechanischer Prothese 14,0 Prozent verglichen mit 6,8 Prozent in der Bioprothesen-Gruppe. Die Hazard Ratio von 1,62 (1,10-2,39) war signifikant. Um Schlaganfälle zu vermeiden, werden Träger von mechanischen Klappen langfristig mit oralen Antikoagulanzien behandelt. Die Folge ist ein erhöhtes Blutungsrisiko. Chikwe gibt die 15-Jahres-Inzidenz für mechanische Prothesen mit 14,9 Prozent und für Bioprothesen mit 9,0 Prozent an (Hazard Ratio 1,50; 1,05-2,16).

Diesen Nachteilen steht allerdings immer noch eine längere Haltbarkeit der mecha­nischen Prothesen gegenüber. Die kumulative 15-Jahres-Inzidenz von Re-Operation betrug nur 5,0 Prozent gegenüber 11,1 Prozent nach der Implantation einer Bioprothese (Hazard Ratio 0,59; 0,37-0,94).

Vor dem Hintergrund der gleichen Überlebensrate kann laut Chikwe einem informierten Patienten die Wahl der Prothese selbst überlassen werden. Umfrage zur Lebensqualität hätten ergeben, dass viele Patienten die entfernte Gefahr einer Re-Operation als angemessenen Ausgleich für die Befreiung von einer lebenslangen Antikoagulation sind. Die niedrigere Rate von Schlaganfällen und Blutungen spricht nach Ansicht von Chikwe ebenfalls für die Wahl einer Bioprothese.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. März 2019
Boston und Plano/Texas – Die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI), die bisher auf Patienten mit einem hohen Operationsrisiko beschränkt wird, hat in 2 von den Herstellern gesponserten
Aortenstenose: TAVI bei Patienten mit niedrigem Risiko eine Alternative zur Herzoperation
7. März 2019
Berlin – Der Gemeinsame Bundessauschuss (G-BA) hat das Beratungsverfahren für ein neues telemedizinisches Behandlungsprogramm für Patienten mit Herzinsuffizienz eingeleitet. Darauf hat der
Neue telemedizinische Behandlung bei Herzinsuffizienzpatienten auf dem Prüfstand
27. Februar 2019
Berlin – Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland versorgen immer mehr Patienten mit einer Herzinsuffizienz. Das geht aus einer Analyse des sogenannten Versorgungsatlas hervor. Dieser ist eine
Mehr Herzinsuffizienzpatienten in der ambulanten Versorgung
7. Februar 2019
Mainz – In Deutschland werden immer mehr Patienten mit einem MitraClip versorgt. Die Zahl der nichtoperativen Behandlungen der Mitralklappeninsuffizienz hat sich laut einer Analyse in EuroIntervention
MitraClip in Deutschland erfolgreich
5. Februar 2019
Boston – Auch wenn eine schwere Aortenstenose bei hochbetagten Menschen heute durch eine Operation oder eine Katheterbehandlung behoben werden kann, profitieren nicht alle Patienten von der
Aortenstenose: Welchen älteren Patienten nutzt ein Klappenersatz am ehesten?
21. Januar 2019
Hannover – Die Herzen von Neugeborenen sind deutlich regenerationsfähiger als die eines Erwachsenen – zum Beispiel können sie sich von einem Herzinfarkt vollständig wieder erholen. Wissenschaftler des
Forscher koordinieren Projekt zur Herzregeneration nach Infarkt
18. Januar 2019
Frankfurt am Main – Somatische Mutationen in Blut- oder Knochenmarkzellen treten gehäuft bei chronischer Herzinsuffizienz auf. Das konnten Wissenschaftler und Ärzte am Universitätsklinikum Frankfurt
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER