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Politik

Weiter Diskussionen um Vierlings­schwangerschaft

Donnerstag, 16. April 2015

Berlin – Die Vierlingsschwangerschaft einer 65-jährigen Berlinerin sorgt weiter für geteilte Reaktionen bei Experten. So sprach der Reproduktionsmediziner Heribert Kentenich am Donnerstag von einem „klaren Missbrauch und erheblichen Risiken“ bei der späten Schwangerschaft. Dagegen betonte die Londoner Medizinerin Francoise Shenfield, sie sähe keinen Grund für eine Altersbeschränkung bei einer künstlichen Befruchtung.

Der Berliner Gynäkologe Kentenich bezeichnete den Fall der 65-Jährigen in der Berliner Morgenpost vom Donnerstag als „einen klaren Missbrauch“. Der Vorsitzende des Arbeitskreises „Offene Fragen der Reproduktionsmedizin“ bei der Bundes­ärzte­kammer. verwies außerdem auf Risiken. „Diese Schwangerschaft ist sehr bedenklich, insbesondere wegen der Frühgeburtswahrscheinlichkeit und den daraus resultierenden lebenslangen Folgen für die Kinder.“

Zwar gebe es in Deutschland kein Höchstalter für künstliche Befruchtung, doch das Risiko einer Fehlgeburt steige ab einem Alter von 35 Jahren. Die künstliche Befruchtung einer Frau ab dem 45. Lebensjahr sei grundsätzlich nur möglich, wenn fremde Eizellen eingesetzt würden. Dies ist in Deutschland verboten. Die 65-Jährige hatte sich nach Medienberichten in der Ukraine behandeln lassen.

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Politiker werfen Mutter "Fahrlässigkeit" vor
„Ich halte das für einen sehr bedenklichen Fall. Eine solche Schwangerschaft kann und darf für niemanden ein Vorbild sein”, sagte der SPD-Gesundheitsplitiker Karl Lauterbach Spiegel online. Aus ärztlicher und ethischer Sicht werde hier eine Grenze überschritten. Bei künstlichen Befruchtungen im hohen Alter sei das Risiko von Frühgeburten erheblich und die Wahrscheinlichkeit von bleibenden Schäden sehr hoch.

Auch gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, hält die Entscheidung der Berlinerin für fahrlässig. Eine Schwangerschaft in fortgeschrittenem Alter bedeute ein großes Risiko für Mutter und Kind. „Auch wenn es medizinisch möglich ist, muss man sich fragen, ob es sinnvoll ist. Ich habe da große Zweifel”, sagte Spahn Spiegel online.

Britische Reproduktionsmedizinerin: "Die Logik hinter dem deutschen Verbot erschließt sich mir nicht."
Die Reproduktionsmedizinerin am Londoner University College, Francoise Shenfield, sieht es als Recht der EU-Bürger, in anderen Mitgliedsstaaten Therapien in Anspruch zu nehmen, zu denen sie in ihrem Heimatland keinen Zugang haben. „Das gilt auch für die Reproduktionsmedizin“, sagte sie dem Tagesspiegel vom Donnerstag.

Auf Grundlage von Zahlen der Europäischen Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) geht Shenfield davon aus, dass zwischen Oktober 2008 und März 2009 zwischen 11.000 und 14.000 Patientinnen pro Jahr für eine Kinderwunschbehandlung ins europäische Ausland fuhren. „Sie wollen restriktive Gesetze umgehen, Geld sparen oder eine Wartezeit verkürzen.“

Viele Patienten würden vor der Behandlung im Ausland von deutschen Ärzten beraten, bestätigte die Ärztin. „Die Logik hinter dem deutschen Verbot erschließt sich mir nicht, die Samenspende ist ja auch erlaubt.“ Besonders die Beratung sei wichtig, um eine sichere Behandlung zu ermöglichen.

Auch der behandelnde Arzt sieht die Schwangerschaft der 65-Jährigen kritisch. „Ich lehne niemanden ab, auch wenn ich das, was sie tut, kritisch sehe. Ich bin ja kein moralischer Richter“, sagte der Mediziner der Berliner Zeitung vom Donnerstag. Außerdem begrüßte er die kritische Diskussion darüber in der Öffentlichkeit. „Ich finde es sehr wichtig, dass diese Fragen gestellt werden.“ © kna/aerzteblatt.de

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