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Internisten auf dem Weg zur „Systemmedizin“

Donnerstag, 16. April 2015

Köln – Der diesjährige Internistenkongress, der vom 18. bis 21. April in Mannheim stattfinden wird, hat das Leitthema „Molekulare Prinzipien der Inneren Medizin: Aufbruch in eine neue Ära“. Es sei „vorherzusehen, dass alle Bereiche der Medizin von der Entwicklung der molekularen Medizin profitieren werden“, sagte Kongresspräsident Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln, bei einer Vorabpressekonferenz in Mannheim.

Neue, sich rasch entwickelnde biochemische und molekularbiologische Diagnose- und Therapieverfahren veränderten die Medizin derzeit sehr rasch: Für viele Krankheiten hätten in den letzten Jahren naturwissenschaftlich begründete Zusammenhänge zwischen den molekularen Ursachen und ihrer Entstehung aufgeklärt werden können. Die Entzifferung des menschlichen Genoms im Jahr 2001 sei dabei ein Meilenstein gewesen. Heute nun ließen sich Genome in kurzer Zeit und zu vertretbaren Kosten entschlüsseln.

So werde eine stetig zunehmende Zahl von Erkrankungen molekularbiologisch oder -genetisch klassifiziert. Besonders schnell sei diese Entwicklung im Gebiet der Onkologie. Aber auch in der Diabetologie zum Beispiel habe die molekularbiologische Forschung zur Entwicklung innovativer Medikamente geführt, außerdem gebe es neue Erkenntnisse zur Entstehung genetisch verursachter Nephropathien. Der Inneren Medizin als „ganzheitlichem Querschnittsfach“ werde künftig eine besondere Bedeutung auf dem Weg zur „Systemmedizin“ zukommen mit den Lebenswissenschaften als Basis.

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Multifaktorielle Krankheitsentstehung 
In einem aktuellen Positionspapier stellt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) die Chancen, aber auch ungelöste Probleme und Herausforderungen an die „Innere Medizin auf dem Weg zur Systemmedizin“ (DMW 2015; 140: 523-7) dar. Einerseits könne zum Beispiel die auf molekularer Diagnostik basierende differenziertere Einteilung von Tumorerkrankungen in Subgruppen bei Tumorentitäten wie beim Lungen- oder beim kolorektalen Karzinom die Behandlung wirkungsvoller machen und uner­wünschte Therapieeffekte reduzieren helfen.

Andererseits habe sich für die Mehrzahl der soliden Tumorentitäten keine enge Korrelation zwischen genetischen Veränderungen und malignen Phänotypen finden lassen. Es gebe Einflüsse aus verschiedenen „Systemen“, darunter der individuellen Fähigkeit zur Metabolisierung von Medikamenten, der Adaptation des Immunsystems bis hin zu alters- und geschlechtsbezogenen Faktoren und dem sozialen Status des Patienten. In ähnlicher Weise seien andere Erkrankungen multifaktoriell bedingt, zum Beispiel kardiovaskuläre, rheumatische oder chronisch-entzündliche Darm­er­krank­ungen.

Vermeidung „übereilter Anwendungen“
Die Innere Medizin als Fachgebiet werde den „revolutionären Neuerungen und Chancen“, die sich dem klinisch tätigen Arzt durch Technologien wie Durchfluss­zytometrie zur Messung von Veränderungen auf Zellebene, Hochdurchsatz-DNA-Sequen­zierung oder Metabolom- und Proteomanalyse böten, derzeit unzureichend gerecht, heißt es im Positionspapier.

Hier gelte es auch, eine unreflektierte Nutzung neuer Technologien oder die übereilte Anwendung wenig validierter Prädiktionsverfahren künftig zu vermeiden. Die DGIM sieht „dringend Handlungsbedarf“: durch Schaffung interdisziplinärer Verbünde von Univer­sitäts­kliniken, auch mit anderen Kliniken und mit Praxen, Studiendesigns, die die Nutzung molekularer Informationen möglich machten, und der Entwicklung neuer Strukturen zur Analyse von klinischen und molekularen Daten in integrierten Systemen.

Ein weiterer Fokus beim Kongress in Mannheim liegt auf „Klugem Entscheiden“: der Abwägung von sinnvollem und notwendigem ärztlichem Handeln gegen potenzielle Überdiagostik und -therapie in den verschiedenen Gebieten der Inneren Medizin wie Kardiologie, Gastroenteroloe iund Infektiologie. Die DGIM hat 23 000 Mitglieder. Circa 8.500 Teilnehmer werden in Mannheim erwartet.  © nsi/aerzteblatt.de

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