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Medizin

Masern: Inhalativer Impfstoff mit schwächerer Schutzwirkung

Freitag, 17. April 2015

Masern-Virus

Genf – Ein inhalativer Impfstoff hat in einer randomisierten Studie in Indien bei der ersten Masernimpfung eine signifikant schwächere Wirkung erzielt als die konventionelle subkutane Vakzine. Er könnte nach Ansicht der Autoren im New England Journal of Medicine (2015; 372: 1519-1529) dennoch nützlich sein.

Der Impfstoff, der von der Initiative for Vaccine Research der Weltgesundheits­orga­nisation (WHO) in Pune im indischen Bundesstaat Maharashtra erprobt wurde, geht auf einen Impfstoff zurück, der in Mexiko seit den 1980er Jahren an mehr als vier Millionen Kindern eingesetzt wurde, über deren Effektivität jedoch Zweifel bestanden.

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Das Interesse an der Vakzine wurde neu geweckt, da es in vielen Ländern, darunter Indien, mit dem konventionellen Impfstoff nicht gelungen ist, schwere Masern-Epidemien zu stoppen, was weniger am Impfstoff an sich als an der subkutanen Applikation gescheitert sein könnte, die gewisse Hygienestandards erfordert. Vielfach ist es auch schwierig, Eltern von der Notwendigkeit einer Injektion zu überzeugen, wenn die Kinder nicht krank sind.

Das Team um Ana Maria Henao-Restrepo von der WHO in Genf hat deshalb in einer randomisierten kontrollierten Studie in Indien eine aerolisierte Vakzine mit einem subkutanen Impfstoff verglichen. Beide Impfstoffe wurden vom Serum Institute of India hergestellt, dem nach der Anzahl der hergestellten Dosen weltgrößten Impfstoffhersteller mit Sitz in Pune. Insgesamt 2004 Kinder erhielten im Alter von 9 bis 12 Monaten einen der beiden Impfstoffe. Primärer Endpunkt war die Serokonversion 91 Tage nach der Impfung. Als Non-Inferioritäs-Marge wurde ein absoluter Unterschied in der Serokonversionsrate von 5 Prozent gefordert.

Wie Henao-Restrepo jetzt eingestehen muss, wurde dieses Ziel nicht erreicht. Laut der Per-Protocol-Analyse (an etwa 1.560 Kindern, die ausgewertet werden konnten) kam es im Studien-Arm mit dem Aerosol-Impfstoff bei 85,4 Prozent zur Serokonversion gegen­über einer Rate von 94,6 Prozent im Studien-Arm mit dem subkutanen Impfstoff. Der Unterschied lag mit 9,2 Prozentpunkten oberhalb der Non-Inferioritätsmarge und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 6,3 bis 12,2 Prozent auch signifikant.

Da es keinen Grund gibt, warum die hohe Zahl von nicht ausgewerteten Kindern (die überwiegend auf den Verlust von nicht ausreichend gekühlten Serumproben beim Transport zurückzuführen war) die Ergebnisse verfälscht haben könnte, dürfte feststehen, dass der inhalative Impfstoff schwächer wirksam ist.

Henao-Restrepo will dennoch nicht ausschließen, dass es Gründe für einen Einsatz gibt. So sei es nicht ausgeschlossen, dass die inhalative Vakzine bei älteren Kindern eine bessere Wirkung erziele. Sie könnte beispielsweise für die Auffrischung genutzt werden. Henao-Restrepo bezieht sich hierbei auf günstige Erfahrungen in Südafrika. Schließlich sei der Erfolg einer Impfung wesentlich von seiner Akzeptanz abhängig.

Eine Aerosol-Vakzine könnte hier vorteilhaft sein, meint die WHO-Mitarbeiterin. Dabei ist die Applikation alles andere als einfach. Die Kinder müssen den Impfstoff über 30 Sekunden über eine Gesichtsmaske inhalieren, während ein batterie-betriebener Vernebler die Impfviren in der Atemluft verteilt. Eine kurzer Stich unter die Haut könnte für viele Kinder und ihre Eltern leichter zu ertragen sein. © rme/aerzteblatt.de

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