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Medizin

Täglich sterben 160 Menschen an Tollwut

Montag, 20. April 2015

Glasgow – Weltweit sterben jedes Jahr 59.000 Menschen an einer Tollwut-Infektion, was nach den Berechnungen in PLOS Neglected Tropical Diseases (2015; doi: 10.1371/journal.pntd.0003709) zum Verlust von 3,7 Millionen Lebensjahren führt sowie zu Einbußen der betroffenen Volkswirtschaften von 8,6 Milliarden US-Dollar im Jahr.

Die meisten Tollwuterkrankungen, die unbehandelt praktisch immer zum Tode führen, treten in Afrika südlich der Sahara sowie in Indien und den benachbarten Ländern auf. Es sind die Länder, in denen am wenigsten Geld für die Impfung von Hunden ausge­geben wird, die häufig keine Besitzer haben. In Nordamerika und Westeuropa ist die Tollwut dagegen auch bei Wildtieren (wichtige Ausnahme: Fledermäuse) ausgerottet.

Infektionen beim Menschen treten nur sehr vereinzelt bei Touristen auf. Der letzte Todesfall in Deutschland war 2007 ein Mann, der in Marokko von einem streunenden Hund gebissen worden war. Im Jahr 2005 kam es zu vier Erkrankungen: bei einer Organspenderin, die sich vor ihrem Tod in Indien infiziert hatte, und drei Empfängern ihrer Organe. Im August 2010 erhielt in Rheinland-Pfalz eine Frau (mitsamt ihrer Familie) eine Postexpositionsprophylaxe (PEP), nachdem sie von einer nachweislich mit Tollwut infizierten Fledermaus gebissen worden war.

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Diese Einzelfälle stehen im Kontrast zu den wesentlich häufigeren Fällen in Afrika und Indien, die – vor allem in Afrika – nicht dokumentiert werden und für die es deshalb keine zuverlässige Statistik gibt. Katie Hampson von der Universität Glasgow und Mitarbeiter legen jetzt eine Schätzung vor, die auf Umfragen zur Tollwutverbreitung im klinischen, veterinärmedizinischen und labormedizinischen Sektor beruhen, die Erkenntnisse zu Tollwuterkrankungen bei Menschen und Tieren und die Inzidenz von Hundebissen berücksichtigt und demographische und wirtschaftliche Daten bis hin zum Absatz von Impfstoffen für Tiere und Menschen (PEP) einbezieht.

Es kann sich letztlich nur um eine Schätzung handeln, wie das weite 95-Prozent-Konfidenzintervall zeigt, nach dem es jährlich zu 25.000 bis 159.200 Todesfällen an der Tollwut kommt. Die meisten treten in Asien (59,6 Prozent) und Afrika (36,4 Prozent) auf (wobei die Zahlen für Afrika den höchsten Unsicherheitsfaktor haben). Bemerkenswert ist noch, dass von den wenigen Erkrankungen in Lateinamerika 70 Prozent auf Haiti entfallen.

Die hohen ökonomischen Folgekosten stehen laut Hampson in einem markanten Kontrast zu den überschaubaren Kosten für eine konsequente Impfung von Hunden, durch welche die meisten Übertragungen der Zoonose auf den Menschen vermieden werden könnten.

© rme/aerzteblatt.de

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