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Medizin

Droperidol: Studie sieht geringes Risiko von QT-Verlängerungen

Freitag, 17. April 2015

Newcastle – Das Neuroleptikum Droperidol war in Notfallambulanzen ein beliebtes Mittel zur Beruhigung von agitierten und aggressiven Patienten, bis die US-Arzneibehörde FDA 2001 vor QT-Verlängerungen des Wirkstoffes warnte. Eine Studie in den Annals of Emergency Medicine (2015; doi: 10.1016/j.annemergmed.2015.03.016) kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass das Risiko gering ist.

Akute Verhaltensstörungen sind in der medizinischen Notfallambulanz ein häufiges Phänomen, das vor allem bei Patienten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss oder mentalen Erkrankungen auftritt. Ein probates Mittel war lange Zeit das 1961 von Janssen eingeführt Droperidol, das nach einer intramuskulären Injektion eine gute sedative Wirkung zeigt.

Droperidol kann allerdings das QT-Intervall verlängern, weshalb die FDA 2001 einen umrahmten Warnhinweis in der Fachinformation veranlasste. Der Hersteller nahm daraufhin nicht nur die orale Formulierung vom Markt, bei der die QT-Verlängerung unter der hochdosierten Therapie aufgetreten war, sondern – aus kommerziellen Gründen – auch die Injektionslösung. Sie wurde später (in Deutschland 2008) von einem anderen Hersteller (Prostrakan) wieder eingeführt, doch die Verunsicherung blieb bei vielen Notfallmedizinern bestehen.

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Jetzt stellen Mediziner aus sechs australischen Notfallambulanzen ihre Erfahrungen an 1.009 Patienten vor, bei denen innerhalb von zwei Stunden nach der Gabe von im Mittel 10 mg Droperidol (Interquartilbereich IQB 10 bis 17,5 mg) ein EKG angefertigt wurde. Bei 13 der 1.009 Patienten wurde dabei eine QT-Verlängerung (1,3 Prozent; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,7 bis 2,3 Prozent) festgestellt.

Die Rate war laut Studienleiter Kennedy Isbister von der University of Newcastle/Aus­tralien nicht höher als in vergleichbaren Patientenkollektiven aus anderen Untersuchungen. Bei 7 der 13 Patienten hätten zudem andere Ursachen für die Verlängerung des QT-Intervalls vorgelegen. Dazu gehörten andere Medikamente (Methadon, Escitalopram, Amiodaron) oder eine vorbestehende QT-Verlängerung. Beides sind Kontraindikationen für den Einsatz von Droperidol, die aber leicht in der Dramatik einer Notfallaufnahme übersehen werden können, vor allem wenn der Patient agitiert.

Torsades des pointes, die eine gefürchtete Folge der QT-Verlängerung sind, da sie oft ein Kammerflimmern einleiten, wurden niemals registriert, berichtet Isbister. Die gewünschte Sedation trat dagegen nach median 20 Minuten auf (IQB 10 bis 30 Minuten), und 97 Prozent der Patienten waren nach spätestens 120 Minuten sediert. Bei 5,1 Prozent der Patienten kam es zu Komplikationen. Dies waren am häufigsten ein Abfall der Sauerstoffsättigung auf unter 90 Prozent und ein Blutdruckabfall. Bei insgesamt acht Patienten kam es zu einer Atemwegsobstruktion. Einer musste intubiert werden. Er stand laut Isbister unter dem Einfluss der Überdosis eines trizyklischen Antidepressivums. Sechs der acht Patienten hatten eine erhöhte Dosis Droperidol erhalten oder sie standen unter der Einwirkung weiterer sedierender Medikamente.

In insgesamt 34 Fällen erlitten Mitarbeiter des Personals Verletzungen, weil sie vom Patienten geschlagen, getreten, gebissen, bespuckt oder gekratzt wurden oder sich infolge der Agitiertheit des Patienten eine Nadelstichverletzung zuzogen. © rme/aerzteblatt.de

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