NewsÄrzteschaftLan­des­ärz­te­kam­mer Hessen lässt ihre Geschichte erforschen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen lässt ihre Geschichte erforschen

Dienstag, 21. April 2015

Frankfurt/M. - In Form eines Zwischenberichts präsentierte die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen heute erste Ergebnisse eines von ihr in Auftrag gegebenen Forschungsprojekts zur Geschichte der ärztlichen Selbstverwaltung in Hessen. In dem auf zwei Jahre angelegten Projekt soll die Entwicklung seit dem Jahr 1876, in dem die erste Vorläuferorganisation gegründet wurde, bis zum Arbeitsbeginn der heutigen Landesärzte­kammer im Jahr 1956 durchleuchtet werden. Ein Schwerpunkt des Forschungsprojekts widmet sich der Untersuchung der Ärztekammer in der Zeit des Nationalsozialismus und der Entwicklung der ärztlichen Selbstverwaltung im Nachkriegsjahrzehnt. Die Unter­suchung soll bis 2016, rechtzeitig zum 60-jährigen Bestehen der Lan­des­ärz­te­kam­mer, abgeschlossen sein.

Der Präsident der Ärztekammer, Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, betonte anlässlich der Präsentation, dass sich die hessische Lan­des­ärz­te­kam­mer als erste Landesärzte­kammer überhaupt in Form eines historischen Forschungsprojektes mit der eigenen Geschichte auseinandersetze. Gerade die Fokussierung auf die NS-Zeit biete die Chance, aus den Fehlern der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Die jetzt bereits vorlie­genden Forschungsergebnisse für die Entwicklung nach 1933 zeigten, dass die ärztliche Selbstverwaltung immer wieder sehr sensibel überprüfen müsse, inwieweit von außerhalb auf das ärztliche Handeln zugegriffen wird. Als mögliche aktuelle Beispiele nannte der Kammerpräsident ökonomische Vorgaben, den Umgang mit ärztlicher Schweigepflicht oder Sterbehilfe.

Anzeige

Der wissenschaftliche Leiter des Forschungsprojekts, Benno Hafeneger, Professor für außerschulische Jugendbildung an der Philipps-Universität Marburg, machte bei der Vorstellung des Zwischenberichts deutlich, dass der Machtübergang 1933 an die Nationalsozialisten wie in vielen anderen Organisationen reibungslos verlief. Man könne von einer Machtübergabe an die Akteure des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes (NSDÄB) sprechen, dessen Mitglieder in wenigen Monaten sämtliche Funktionen innerhalb der Ärztekammer übernahmen.

Für die Nationalsozialisten hätten die Ärzte als tragende Funktionselite, als Volkserzieher eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der NS-Ideologie eingenommen. Diesem hohen Stellenwert entsprach auf der anderen Seite eine extrem hohe NSDAP-Zugehörigkeit. Die mit der Reichsärztekartei für das Jahr 1944 vorliegenden Daten zeigen, dass 53,2 Prozent der hessischen Ärzte der NSDAP angehörten, zählt man die NSDAP-Anwärter hinzu, kommt man auf 61 Prozent (NSDÄB: 38,1%, SA: 26,1%, SS: 5,4%). © TG/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. Juni 2019
Jena/München – Im Jahr 541 begann im Byzantinischen Reich mit der Justinianischen Pest eine verheerende Seuche, benannt nach dem damals regierenden Kaiser Justinian I. In der Folge suchte die
Wie die „Justinianische Pest“ sich im Frühmittelalter in Europa ausbreitete
22. März 2019
Berlin – Lange Zeit war das Bild des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch überwiegend positiv geprägt. Dass hinter der Koryphäe eine ambivalente und streitbare Person liegt, machten erst spätere Forschungen
Sauerbruch zwischen Medizin und Mythos
15. März 2019
Berlin – Die Berliner Charite zeigt ab dem 22. März eine Ausstellung über den berühmten Chirurgen Ferndinand Sauerbruch (1875–1951). Anders als in der aktuellen ARD-Serie „Charite“ zeige die Schau
Charité zeigt Ausstellung über Sauerbruch
8. Februar 2019
Berlin – Ein in Süddeutschland gefundenes Fossil ist der bisher älteste Hinweis auf eine Krebserkrankung in der Natur. Der in JAMA Oncology (2019; doi: 10.1001/jamaoncol.2018.6766) vorgestellte
Krebs vor 240 Millionen Jahren
7. Februar 2019
München – Es war ein Durchbruch – und eine Niederlage zugleich. Vor 50 Jahren gelang einem Team um den Münchner Arzt Rudolf Zenker die erste Herztransplantation in Deutschland. Die Operation sei
Erste Herztransplantation in Deutschland liegt 50 Jahre zurück
26. November 2018
Frankfurt am Main – Der Marburger Bund (MB) Hessen hat dazu aufgerufen, die von der Bundes­ärzte­kammer beschlossene Novelle der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung (MWBO) schnell in Hessen umzusetzen. Dies
Marburger Bund mahnt zügige Umsetzung der Musterweiterbildungsordnung in Hessen an
11. Oktober 2018
München – Mit dem Sanitätswesen im Ersten Weltkrieg befasst sich eine neue Ausstellung ab 17. Oktober im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München. Unter dem Titel „Getroffen – Gerettet – Gezeichnet“
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER