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Medizin

Multiple Sklerose: Mittel gegen Hautpilz stimuliert Stammzellen für Myelinbildung

Mittwoch, 22. April 2015

Cleveland. Zwei seit längerem zugelassene Medikamente zur Behandlung von Hauterkrankungen fördern im Gehirn die Differenzierung von Stammzellen, die die Läsionen der Multiplen Sklerose reparieren könnten. Dies zeigen Experimente in Nature Medicine (2014; doi: 10.1038/nature14335), die einen völlig neuartigen Therapieansatz begründen könnten.

Alle bekannten Medikamente gegen die Multiple Sklerose haben eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem. Sie verhindern mehr oder weniger gezielt die weitere Zerstörung der Myelinscheiden durch ein fehlgeleitetes Immunsystem. Zwar erholen sich die Patienten nach einem Schub, einmal eingetretene Schäden an den Nerven können jedoch nicht behoben werden. Dies liegt auch daran, dass die Oligodendrozyten, die für die Bildung der Myelinscheiden zuständig sind, bei der Erkrankung zerstört werden.

Defekte Oligodendrozyten können im Gehirn im Prinzip durch Vorläuferzellen (Oligodendrocyte progenitor cells, OPC) ersetzt werden. OPC sind in den Läsionen der Multplen Sklerose auch vorhanden. Es kommt jedoch selten zu einer Ausbildung neuer Oligodendrozyten. Ein Team um Paul Tesar von der Case Western Reserve University in Ohio hat jetzt eine systematische Suche nach Wirkstoffen begonnen, die die Ausreifung von OPC begünstigen. Eine wichtige Voraussetzung war ein jüngst von den Forschern entwickeltes Verfahren, mit dem die OPC in grenzenloser Menge angezüchtet werden können.

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Das Screening von mehr als 700 Substanzen brachte zwei unerwartete Kandidaten hervor. Zu den Substanzen, die die OPC von Mäusen und später auch von Menschen am stärksten zur Ausreifung veranlassten, gehörten das Antimykotikum Miconazol und das Steroid Clobetasol. Beide Mittel wirkten bei Mäusen mit experimenteller autoimmuner Enzephalomyelitis (EAE), einer bewährten Modellerkrankung der Multiplen Sklerose. Hier kam es zu einer gesteigerten Myelinisierung in den Läsionen und zu einem deutlichen Rückgang der Lähmungen. Die Forscher können auch zeigen, dass beide Substanzen einen unterschiedlichen Wirkmechanismus haben. Miconazol steigert die Bildung einer Kinase, die die Zellteilung anregt. Die Wirkung von Clobetasol scheint über den Glukokortikoid-Rezeptor vermittelt zu werden.

Miconazol und Clobetasol sind schon seit längerem als Medikamente zugelassen. Der Einsatz ist allerdings auf Externa für Haut und Schleimhäute begrenzt. Zur Behandlung der Multiplen Sklerose müssten die Wirkstoffe systematisch verabreicht werden. Dies macht vor dem Beginn einer klinischen Studie weitere Toxizitätstests erforderlich. Eine Behandlung von MS-Patienten mit Miconazol und Clobetasol kommt deshalb derzeit nicht infrage.

© rme/aerzteblatt.de

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