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Keine Männer-Perücke von der Krankenkasse

Mittwoch, 22. April 2015

Kassel – Haarlose Männer haben in der Regel keinen Anspruch auf eine Perücke zulasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Haarverlust sei bei Männern üblich, die Benachteiligung gegenüber Frauen daher gerechtfertigt, urteilte am Mittwoch das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel. Ausnahmen könne es bei Kindern und jungen Männern bis etwa 30 Jahre geben, denen krankheitsbedingt auch Brauen, Wimpern und der Bartwuchs fehlten. (Az: B 3 KR 3/14 R)

Damit wies das BSG einen heute 76-jährigen Mann aus Rheinland-Pfalz ab. Krankheitsbedingt leidet er seit seinem 45. Lebensjahr an vollständiger Haarlosigkeit. Hinzu kommt eine mit Sonnenempfindlichkeit verbundene Hautkrankheit. Seine Krankenkasse hatte ihm früher mehrfach eine Perücke bezahlt. Als er 2011 74-jährig erneut einen Antrag stellte, lehnte die Kasse ab. Haarverlust werde bei Männern in seinem Alter nicht als "störende Auffälligkeit" empfunden.

Der Mann kaufte sich die ärztlich verordnete Kunsthaarperücke für 820 Euro aus eigener Tasche und verlangt dieses Geld nun von der Krankenkasse zurück. Schließlich bekämen auch Frauen den künstlichen Haarschmuck bezahlt. Auch bei ihm gehe es nicht um den bei Männern üblichen genetisch und altersbedingten Haarverlust, sondern um eine Krankheit. Die Ungleichbehandlung sei daher nicht gerechtfertigt.

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Wie schon die Vorinstanzen sah auch das BSG dies anders. "Die überwiegende Zahl der Männer verliert im Laufe des Lebens ganz oder teilweise ihr Kopfhaar", erklärten die Kasseler Richter zur Begründung. "Dadurch erregen Männer aber weder besondere Aufmerksamkeit im Sinne von Angestarrt-Werden noch werden sie stigmatisiert." Das gelte auch für den äußerlichen Eindruck von Männern, bei denen der Haarverlust krankheitsbedingt sei.

Für Frauen sei die Situation dagegen anders. Hier gebe es einen Haarverlust aus biologischen Gründen in der Regel nicht. Eine Frau ohne Kopfhaar weiche von der Norm ab und ziehe daher "die Blicke anderer auf sich". Dies könne "Krankheitswert" haben, "so dass die Versorgung mit einer Perücke bei Frauen Aufgabe der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung sein kann".

Allerdings ließ das BSG Ausnahmen für Männer zu, denen krankheitsbedingt nicht nur die Kopfbehaarung, sondern auch Wimpern, Augenbrauen und Bartwuchs fehlen. Dies könne "insbesondere bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen Aufsehen erregen" und daher Krankheitswert haben. Eine feste Altersgrenze setzte das BSG nicht, nannte als Anhaltspunkt aber ein Alter von "etwa 30 Jahren".

© afp/aerzteblatt.de

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