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Medizin

Typ 1 Diabetes: Orale Insulin-Impfung zeigt erste immunologische Wirkung

Mittwoch, 22. April 2015

Dresden – Die Idee, dem Ausbruch eines Typ 1-Diabetes durch die Behandlung mit oralem Insulin vorzubeugen, erhält durch die Ergebnisse einer kleinen Studie im US-Amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2015; 313: 1541-1549) neuen Auftrieb. Dort kam es erst unter einer hoch-dosierten Gabe zur Bildung von IgG-Antikörpern und möglicher­weise auch regulatorischen T-Zellen, die den späteren Ausbruch der Autoimmun­erkrankung verhindern könnten.

Bei den meisten Patienten mit Typ 1-Diabetes sind vor Ausbruch der Erkrankung Autoantikörper im Blut nachweisbar, von denen einige gegen Insulin gerichtet sind. Es könnte deshalb sein, dass der Typ 1-Diabetes die Folge einer fehlenden Immuntoleranz gegen das Stoffwechselhormon ist. Die antigen-spezifische Immuntherapie versucht, die Immuntoleranz durch die häufige Exposition mit dem Antigen zu verbessern.

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Alle bisherigen Versuche mit oralem oder intranasalem Insulin sind jedoch gescheitert, so auch der amerikanische Diabetes Prevention Trial–Type 1, an dem 371 Patienten auf die Einnahme von 7,5 mg Insulin oder Placebo randomisiert worden waren. Die vor zehn Jahren publizierten Ergebnisse zeigten, dass dadurch der Ausbruch der Erkrankung bei Menschen mit hohem familiärem Risiko nicht verhindert werden kann (Diabetes Care 2005; 28: 1068-1076).

Aus heutiger Sicht betrachtet wurde die „Insulin-Impfung“ in der Studie zu spät begonnen und die Dosis war möglicherweise zu niedrig. In den letzten Jahren wurde nämlich festgestellt, dass sich die Autoantikörper bereits in den ersten Lebensjahren entwickeln. Eine antigenspezifische Immuntherapie, die dies verhindern will, muss deshalb früher beginnen. Die Teilnehmer der Pre-POINT-Studie waren mit 2 bis 7 Jahren jünger als in der US-Studie und sie hatten zu Beginn der Behandlung noch keine Insulinantikörper im Blut. Außerdem untersuchte die Studie neben einem Placebo-Arm unterschiedliche Insulindosierungen.

Insgesamt 20 Kinder aus Zentren in Deutschland, Österreich, den Vereinigten Staaten und Großbritannien wurden über durchschnittlich ein halbes Jahr einmal täglich mit oralem Insulin behandelt. Die Kontrollgruppe aus 10 Kindern erhielt nur ein wirkungs­loses Placebo. Die Gruppe mit dem Wirkstoff nahm das Insulin in unterschiedlicher und im Laufe der Monate ansteigender Dosis als Pulver zusammen mit der Nahrung ein.

Erst in der höchsten Dosis von 67,5 mg rief das Insulinpulver die gewünschte Immunantwort hervor: Bei fünf von sechs Kindern dieser Gruppe kam es zur Bildung von IgG-Antikörpern und möglicherweise zu einer regulatorischen T-Zell-Antwort. Die regulatorischen T-Zellen sind im Immunsystem dafür zuständig, einen Angriff auf körpereigene Proteine, beispielsweise Insulin, zu vermeiden.

Ob die Immuntherapie tatsächlich einen Typ 1-Diabetes verhindern kann, ist noch nicht bekannt. Die Teilnehmerzahl der Studie war zu klein, um diese Frage klären zu können. Es sind deshalb weitere Studien erforderlich, wie der Editorialist Jay Skyler von der Miller School of Medicine in Miami betont. © rme/aerzteblatt.de

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