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Medizin

Wiskott-Aldrich-Syn­drom: Neue Erfolge mit Gentherapie

Donnerstag, 23. April 2015

Paris – Die Verwendung von Lentiviren als Genfähre hat die Gentherapie von hämatologischen Erkrankungen offenbar sicherer gemacht. Nachdem vor zwei Jahren italienische Zentren über gute Erfahrungen berichteten, stellt jetzt eine britisch-französische Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 313: 1550-1563) vor.

Eine Gentherapie ist im Prinzip eine einfache Angelegenheit. Man nehme das zu korrigierende Gen, packe es in eine Genfähre und schleuse diese dann in jene Zellen, in denen das betreffende Gen infolge einer Mutation ausgefallen ist. Besonders einfach erscheint die Gentherapie bei hämatologischen Erkrankungen. Hier lässt sich die Zielzelle leicht aus dem Körper entnehmen. Die Gentherapie wird dann im Labor durchgeführt, und danach können die gentherapierten Zellen per Infusion in die Blutbahn eingebracht  werden.

Leider kam es gleich nach den ersten Gentherapien zu Problemen. Die Forscher hatten als Genfähren Retroviren verwendet, die sich ins Erbgut integrieren. Wenn dies in der Nähe von Onkogenen geschieht, was aufgrund der Behandlung einer großen Zellzahl nicht immer zu vermeiden ist, kommt es zum Krebswachstum. Schon nach der Behand­lung weniger Patienten wurde eine erhöhte Rate von Leukämien entdeckt. Betroffen waren auch die ersten Versuche einer Gentherapie des Wiskott-Aldrich-Syndrom. Sieben der ersten neun Patienten, die ein Team um Christoph Klein von der Medizinischen Hochschule Hannover seit 2006 behandelt hatten, erkrankten an einer Leukämie (Science Translational Medicine 2014; 6: 227ra33).

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Inzwischen werden Lentiviren als Genfähren benutzt, die offenbar weniger anfällig für genotoxische Nebenwirkungen sind. Vor zwei Jahren berichteten Alessandro Aiuti vom Ospedale San Raffaele in Mailand und Mitarbeiter über drei Patienten, die nicht nur von ihrem Wiskott-Aldrich-Syndrom kuriert wurden. Die Untersuchung der gentherapierten Zellen ergab später auch keine Hinweise auf eine bevorstehende Leukämie (Science 2013; doi: 10.1126/science.1233151).

Jetzt stellt ein Team um Marina Cavazzana vom Hôpital Necker in Paris die Ergebnisse zu sieben Patienten vor, die in Paris und London behandelt wurden. Den Patienten im Alter von 0,8 bis 15,5 Jahren fehlte ein HLA-identischer Spender, weswegen eine Knochen­marktransplantation, die die Erkrankung auch ohne Gentherapie heilen kann, nicht möglich war. Die Gentherapien wurden zwischen Dezember 2010 und Januar 2014 durchgeführt. Die Nachbeobachtungszeit betrug bei der Zwischenanalyse zwischen 9 und 42 Monaten. Ein Patient starb an einer bereits zum Zeitpunkt der Gentherapie bestehenden therapierefraktären Infektion. Die anderen sechs Patienten haben sich vom Wiskott-Aldrich-Syndrom erholt.

Ursache der seltenen Erkrankung (1-4 Fälle auf 100.000 Einwohner) ist der Ausfall eines 502 Aminosäuren langen Proteins, das in den hämatopoetischen Zellen benötigt wird. Die Folge sind Hautausschläge (Ekzeme/atopische Dermatitis), wiederkehrende Infektionen und eine Thrombozytopenie. Die schweren Ekzeme seien bei allen sechs Patienten abgeheilt, berichtet Cavazzana. Die Patienten würden auch nicht mehr an schweren Infektionen erkranken und die Ärzte hätten die prophylaktische Antibiotika-Therapie bei drei Patienten inzwischen eingestellt. Die Patienten benötigen auch keine Blutprodukte mehr, die sie früher zur Behandlung schwerer Blutungen regelmäßig erhalten hatten.

© rme/aerzteblatt.de

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