NewsMedizinWieso Dapagliflozin die Glucagon-Aus­schüttung steigert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wieso Dapagliflozin die Glucagon-Aus­schüttung steigert

Donnerstag, 23. April 2015

Lille – Dapagliflozin und vermutlich auch andere SGLT-2-Inhibitoren haben eine para­doxe Wirkung auf den Blutzucker. Der gewünschte Effekt ist eine Steigerung des Glukoseverlusts über die Nieren, was den Blutzucker senkt. Gleichzeitig kommt es aber zu einer vermehrten Glukosefreisetzung aus der Leber, was einen gegensätzlichen Effekt auf den Blutzucker hat. Forscher führen dies in Nature Medicine (2015; doi:10.1038/nm.3828) auf eine Steigerung der Glucagon-Ausschüttung in den Alpha-Zellen des Pankreas zurück.

Die Bedeutung von Glucagon für den Blutzucker wird häufig übersehen. Zwischen den Mahlzeiten, wenn Insulin den Blutzucker auf die Zellen verteilt hat, vor allem aber nachts, sorgt das Hormon dafür, dass genügend Glukose im Blut vorhanden ist, um das Gehirn zu versorgen. Glucagon erreicht dies über eine vermehrte Freisetzung von Glukose aus der Leber. Es fördert dort den Abbau der Vorräte (Glykogenolyse) und die Neupro­duktion (Glukoneogenese). Glucagon kann als Gegenspieler von Insulin bezeichnet werden.

Anzeige

In dieses Bild will eine kürzlich entdeckte Nebenwirkung von Dapa- und anderen Gliflozinen nicht passen. Diese steigern den Glucagon-Spiegel, was im Prinzip die Blutzucker-senkende Wirkung dieser Wirkstoffklasse abbremst. Der Grund war bisher unklar. Ein Team um François Pattou vom European Genomic Institute for Diabetes in Lille hat jetzt entdeckt, dass der Glukose-Transporter SGLT2, über dessen Blockade Gliflozine die Glukoseausscheidung in den Nieren fördern, auch in den Alpha-Zellen des Pankreas vorhanden ist. Seine Hemmung dort hat den Experimenten zufolge eine Steigerung der Glucagon-Freisetzung aus den Alpha-Zellen zur Folge.

Die Bedeutung für die Behandlungsstrategien beim Typ 2-Diabetes ist noch offen. Die Kombination von Gliflozinen mit Metformin, das die Glukoneogenese in der Leber hemmt, könnte eine sinnvolle Kombination sein. Laut Pattou bieten sich aber auch Kombina­tionen von Gliflozinen mit Sulfonylharnstoffen an, die die Freisetzung von Insulin aus den Beta-Zellen fördern, oder mit GLP-1-Analoga, die die Freisetzung von Glucagon in den Alpha-Zellen hemmen. Welche Kombinationen sinnvoll und vor allem auch sicher sind, dürfte sich allerdings erst in klinischen Studien entscheiden.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Oktober 2020
Berlin – In Deutschland müssen Ärzte jedes Jahr rund 50.000 Amputationen aufgrund eines diabetischen Fußsyndroms (DFS) vornehmen. Durch flächendeckende, gezielte Maßnahmen könnte diese Zahl deutlich
Diabetologen fordern mehr Anstrengungen gegen Fußamputationen
20. Oktober 2020
Dallas – Ein neues Basis-Insulin, das aufgrund einer Halbwertzeit von 196 Stunden nur einmal in der Woche injiziert werden muss, hat in einer Phase-2-Studie den HbA1c-Wert von Patienten mit
Typ-2-Diabetes: Basis-Insulin mit einmal wöchentlicher Injektion überzeugt in Phase-2-Studie
19. Oktober 2020
Berlin – Eine diabetische Retinopathie entwickelt sich lange Zeit unbemerkt. Zu Sehstörungen kommt es erst, wenn die Netzhaut des Auges bereits behandlungsbedürftige Schäden aufweist. Regelmäßige
Zu wenig leitliniengerechte Augenarztkontrollen bei Diabetes
9. Oktober 2020
Boston – Der SGLT-2-Inhibitor Ertugliflozin hat sich in einer sogenannten Endpunktstudie als sicher erwiesen. Der erhoffte Rückgang der kardiovaskulären und renalen Ereignisse blieb nach den jetzt im
Typ-2-Diabetes: Ertugliflozin hat (nur) neutrale Wirkung auf Herz-Kreislauf-Ereignisse
8. Oktober 2020
Berlin – Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei einem Diabetes mellitus zwei- bis vierfach erhöht, bei Frauen sogar bis sechsfach. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Bei Diabetes immer an Herzinsuffizienz denken – und umgekehrt
5. Oktober 2020
Neuherberg – Bei Männern kann eine genetische Variante des Gens DUSP8 die Reaktion des Gehirns auf das Hormon Insulin beeinträchtigen und so das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen. Das berichten
Genvariante beeinflusst Reaktion des Gehirns auf Insulin – bei Männern
2. Oktober 2020
Winston-Salem/North Carolina – Menschen mit einem Typ-2-Diabetes sind möglicherweise besonders gefährdet, aufgrund eines Alkoholkonsums an einer arteriellen Hypertonie zu erkranken. In einer
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER