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Medizin

USA: Natürliche Schlankheitsmittel enthalten Amphetamin

Freitag, 24. April 2015

Silver Spring – Einige Hersteller von vermeintlich natürlichen Fitness- und Schlankheits­mitteln haben die US-Arzneibehörde FDA offenbar jahrelang hinters Licht geführt. Bei einem auf der Packung deklarierten Zusatzstoff handelte es sich nicht, wie behauptet, um den Bestandteil einer seltenen Pflanze, sondern um ein synthetisches Amphetamin.

Nahrungsergänzungsmittel unterliegen anders als Arzneimittel keiner klinischen Prüfung. Die Hersteller dürfen die Mittel vermarkten, ohne die Wirksamkeit und Sicherheit zuvor in klinischen Studien überprüft zu haben. Da es keine regelmäßigen Kontrollen gibt, kommt es immer wieder vor, dass die Hersteller die Mittel illegalerweise mit pharmakologisch wirksamen Arzneimitteln versetzten.

So enthalten potenzfördernde Mittel aus Fernost häufig den Viagra-Wirkstoff Sildenafil oder andere Phosphodiesterase-5-Hemmer. Auf der Verpackung wird dies allerdings verschwiegen, um nicht den Verdacht der Aufsichtsbehörden auf sich zu lenken.

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Sildenafil ist wesentlich bekannter als beta-Methylphenethylamin (BMPEA), ein in den 1930er Jahren synthetisiertes Amphetamin, das nirgends als Arzneimittel zugelassen ist und über dessen Wirkungen wenig bekannt ist. Seit einiger Zeit wurden in den USA Fitness- und Schlankheitsmittel verkauft, die laut Verpackung BMPEA enthielten. Angeblich handelte es sich um einen Inhaltsstoff der Pflanze Acacia rigidula, ein kleiner Busch aus der Familie der Hülsenfrüchtler, der in der Grenzregion von Texas und Mexiko beheimatet ist. Acacia rigidula ist auch Botanikern nicht unbedingt ein Begriff und so blieb lange unbemerkt, dass BMPEA kein natürlicher Bestandteil von Acacia rigidula ist, wie zwei der  Hersteller behauptet hatten.

Da Amphetamine eine appetitzügelnde Wirkung haben, zeigten die Schlankheitsmittel mit BMPEA vermutlich die versprochene Wirkung. Der Hinweis auf den Inhaltsstoff BMPEA könnte sogar werbewirksam gewesen sein. Ein Forscherteam um Pieter Cohen, von der Harvard Medical School in Boston konnte den Wirkstoff kürzlich in 11 von 21 untersuchten „natürlichen“ Schlankheitsmitteln mit Acacia rigidula nachweisen, teilweise in beträchtlicher Menge (Drug Testing and Analysis 2015; doi: 10.1002/dta.1793).

Die FDA, die bereits seit 2013 Kenntnis von den Mitteln hatte, reagierte erst jetzt mit einer Abmahnung. Den Herstellern wurden 15 Arbeitstage Zeit eingeräumt, um sicher zu stellen, dass ihre Produkte kein BMPEA mehr enthalten. Mehrere Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln haben die Produkte aus ihren Regalen entfernt.

Amphetamine sind in der Vergangenheit immer wieder als Appetitzügler eingesetzt worden. Wegen suchterregender Wirkung oder anderer Komplikationen wurden sie wieder vom Markt genommen. Eine Ausnahme ist Qsymia, eine Kombination des Amphetamins Phentermin mit Topiramat, einem Antiepileptikum, das in den USA seit Juli 2012 als Schlankheitsmittel zugelassen ist. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat die Zulassung abgelehnt. © rme/aerzteblatt.de

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