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Hausärzteverband: Allgemeinmedizin ist zentrale Säule der Versorgung

Freitag, 24. April 2015

Ulrich Weigeldt /axentis

Frankfurt am Main – Der Deutsche Hausärzteverband hat erneut die zentrale Rolle der Hausärzte in der Gesundheitsversorgung bekräftigt. Angesichts einer älter werdenden Gesellschaft mit immer mehr alten, chronisch kranken und multimorbiden Menschen brauche es die „ordnende Hand des Hausarztes“, der sich als erster Ansprechpartner bei gesundheitlichen Fragen um den therapeutischen Alltag seiner Patienten kümmere, erklärte dessen Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt heute zum Auftakt der Delegierten­versammlung des Verbandes in Frankfurt am Main. Eine vom Hausarzt koordinierte Behandlung mache auch die im Versorgungsstärkungsgesetz vorgesehenen Termin­servicestellen überflüssig, mit der die Bundesregierung für einen schnelleren Zugang der Patienten zum Facharzt sorgen will.

Hausärzte wollen Pflichtquartal für Allgemeinmedizin im praktischen Jahr
Obwohl der Bedarf an Hausärztinnen und Hausärzten steige, würden jährlich nur knapp zehn Prozent der Facharztprüfungen in Allgemeinmedizin abgelegt, sagte Weigeldt. Das liege zum einen an der fortschreitenden Spezialisierung. Man müsse mit dem Trend brechen, immer mehr Fachärzte aus noch mehr Fachgebieten zu produzieren, während den hausärztlichen Praxen der Nachwuchs ausgehe, verlangte der Hausärzte-Chef.

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Eine Mitschuld an der Misere gab er den Ärztekammern, die für die ärztliche Weiter­bildungsordnung verantwortlich zeichnen. Zum anderen führte Weigeldt den Nachwuchs­mangel auf mangelnde Förderung zurück. Noch immer hätten beispielsweise nicht alle medizinischen Fakultäten Lehrstühle für Allgemeinmedizin eingerichtet, um schon die Medizinstudierenden an das Fach heranzuführen. Er sei daher besonders froh, dass Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) gemeinsam mit dem Hausärzte­verband dafür eintrete, dass in fünf Jahren sämtliche Fakultäten einen solchen Lehrstuhl haben sollten. Weigeldt erneuerte die Forderung, ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin im PJ einzuführen und das Fach verpflichtend im Staatsexamen zu prüfen.

Wesentliche Voraussetzung für eine Trendwende weg von der Spezialisierung ist nach Ansicht von Weigeldt zudem, die Förderung der allgemeinmedizinischen Weiterbildung auszubauen. Er kritisierte in diesem Zusammenhang den Kurs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die eine ambulante Pflichtweiterbildung für alle angehenden Fachärzte fordert. Dadurch, so fürchtet der Hausärzte-Chef, könnten der Allgemein­medizin Fördermittel verloren gehen. Außerdem werde die Stärkung des Fachs ad absurdum geführt.

Hausärzte lösen 80 Prozent der Patientenprobleme
Teilen der KBV und der Kassenärztlichen Vereinigungen warf Weigeldt vor, die gesetzlich verankerte Gliederung der medizinischen Versorgung in eine haus- und eine fachärztliche infrage zu stellen, indem sie Hausärzte und Teile der Fachärzte als „Grundversorger“ einer Versorgungsebene zuordneten. Ziel dieser Strategie sei letztlich, dass es künftig statt getrennter Honorartöpfe für Haus- und Fachärzte getrennte Töpfe für grundversorgende und nicht grundversorgende Ärzte gebe. Dafür spreche, dass die KBV immer wieder ins Spiel bringe, dass doch grundversorgende Fachärzte wie Frauen- oder Augenärzte einspringen könnten, wenn es nicht genügend Hausärzte gebe. Der Begriff „Grund­versorger“ suggeriere darüber hinaus, dass „das bisschen Hausarzt eigentlich jeder machen könne“, bemängelte Weigeldt. Er werde der komplexen hausärztlichen Versorgung, in der weit über 80 Prozent der Patientenprobleme gelöst würden, nicht gerecht.

Als Erfolgsgeschichte lobte der Verbandsvorsitzende die Einführung der hausarzt­zentrierten Versorgung (HZV). Sie trage unter anderem durch höhere Honorare erheblich zur Attraktivität des Berufs bei. Trotz heftiger Widerstände vonseiten einiger Kranken­kassen beteiligten sich inzwischen 3,7 Millionen Versicherte und 16.000 Hausärzte an der HZV. Zentraler Punkt dieser Versorgungsalternative ist für den Hausärzteverband, dass sie völlig losgelöst vom KV-System stattfindet. Auch die finanzielle Abwicklung der Verträge funktioniert in Eigenregie, durch die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft.

Regina Feldmann, die im Vorstand der KBV hausärztliche Interessen vertritt, betonte ebenfalls die zentrale Rolle des Hausarztes in der medizinischen Versorgung. Sie bedauerte zugleich, dass die Hausärzte in Teilen der Politik nicht die Lobby hätten, die sie benötigten. Wie Weigeldt sprach sie sich für ein Pflichtquartal in Allgemeinmedizin während des PJ aus und appellierte an die Praxen, den Studierenden attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen. © HK/aerzteblatt.de

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