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Politik

Hecken: Pay for Performance funktioniert nicht

Samstag, 25. April 2015

Josef Hecken

München – Um eine sektorenübergreifende Qualitätssicherung zu implementieren, bedarf es „vernünftiger und gerichtsfester Kriterien“, anhand derer man Ergebnisqualität messen kann. „Das ist eine der großen Aufgaben des neuen Qualitätsinstituts“, sagte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA), Josef Hecken, gestern beim 13. Bayerischen Gesundheitsforum in München. „Doch ich warne vor zu viel Euphorie“, fügte er hinzu.

Die sektorenübergreifende Qualitätssicherung ist aus Sicht Heckens ein schwieriges Unterfangen. Behandlungspfade würden immer komplexer, weil immer mehr Krankheiten behandelbar und immer mehr Patienten multimorbide seien. Gleichzeitig zerbröselten die tradierten, klassischen Behandlungspfade.

Der G-BA-Vorsitzende erläuterte das an einem Beispiel: Ein Patient, der eine Hüftendo­prothese brauche, sei früher vier Wochen im Krankenhaus versorgt worden. Heute sei alles viel komplexer. Nach sieben Tagen Krankenhaus folgten nachgelagerte ambulante oder stationäre Reha-Maßnahmen mit ineinander greifenden Behandlungspfaden in wechselnden Strukturen mit unterschied­lichen Leistungserbringern. Springe dem Patienten dann nach acht Wochen die Hüfte raus, sei es nicht möglich nachzuvollziehen, woran dies liege.

Komplexe Behandlungspfade machen Ergebnisqualität kaum messbar
„Es fehlt uns an einem Medium, mit dem wir Patienten sektorenübergreifend mit belastbaren Daten nachverfolgen können, um Behandlungspfade zu erfassen und am Ende bei einer Ergebnisqualitätsmessung überhaupt nachvollziehen zu können, wo mögliche Schwachstellen liegen“, beschrieb Hecken eines der Kernprobleme.

Auch gebe es auf der ganzen Welt kein einziges System, in dem das Modell „Pay for Performance“ im Kollektivvertrag funktioniere, stellte Hecken klar. Der Grund: „Es fehlen risikoadjustierte Messinstrumente, die manipulationssicher sind.“ Ein Beispiel aus Großbritannien: Dort habe man versucht, Pay for Performance in der hausärztlichen Versorgung einzuführen. Hausärzte waren angehalten, mehr Hausbesuche zu machen und ihre Wartezeiten zu verkürzen. Im Ergebnis hätte sich zwar das Einkommen der Hausärzte verbessert, nicht jedoch die Versorgung der Patienten.

Deutschland hat vorbildliche Versorgungsqualität
Mit Blick auf das Versorgungsstärkungsgesetz und die neu zu definierenden Qualitäts­anforderungen ist dem G-BA-Vorsitzenden eines wichtig: „Bei der sektoren­über­greifenden Qualitätssicherung müssen wir Obacht geben, dass wir uns auf Leistungs­bereiche beschränken, bei denen es auch eine echte Gefahrneigung gibt.“ Als Beispiel nannte er die Behandlung eines Prostatakarzinoms.

Deutschland habe bereits eine hervorragende, weltweit vorbildliche Versorgungsqualität, trotz der aktuellen Qualitätsoffensive der Bundesregierung. „Das System funktioniert“, stellte Hecken fest. „Jetzt geht es darum, auf die künftigen Herausforderungen adäquat zu reagieren.“                                                               © sg/aerzteblatt.de

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Practicus
am Dienstag, 28. April 2015, 01:42

Methoden aus Industrie und Verwaltung

können in der Medizin nicht funktionieren - oder, wie ein Kollege mal formulierte: °Qualitätsmanagement nützt den Patienten soviel wie Ornithologie den Vögeln"
Gesundheit ist kein "Produkt", und Behandlungswege und -ziele sind patientenindividuell verschieden und im Verlauf wandelbar. Messbare "Qualität" kann nur technische und handwerkliche Aspekte betreffen, vielleicht noch die individuelle Zielerreichung.
Qualitätsgesichertes, leitliniengerechtes ärztliches Handeln kann genauso zum "Misserfolg" aus Patientensicht führen wie fehlerhaftes Handeln

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