Hochschulen

Integrität in der Wissenschaft: Regeln allein genügen nicht

Montag, 27. April 2015

Berlin – Auf die große Bedeutung von ethischen und qualitativen Standards in der Wissenschaftsgemeinschaft weist der Wissenschaftsrat in einem neuen Positionspapier hin. Betrug und Fehlverhalten – besonders die großen Fälschungs- und Plagiats­skandale – beeinträchtigten das notwendige Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft. Als Reaktion auf Betrugsfälle und Vertrauensverlust hätten daher viele Organisationen in den letzten Jahren Regeln und sogenannte Leitlinien guter wissenschaftlicher Praxis veröffentlicht.

„Aber wir brauchen mehr als Regeln“, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Manfred Prenzel. Notwendig sei eine umfassende Kultur der Redlichkeit und Qualität an wissenschaftlichen Einrichtungen. Diese „Haltung der Integrität“ werde von bestimmten Rahmenbedingungen beeinflusst. Dazu zählten vor allem die Vermittlung guter wissen­schaftlicher Praxis vom Beginn des Studiums an, gute Beratung und Aufklärungs­strukturen in Konfliktfällen sowie eine stärkere Ausrichtung auf Qualität als auf Quantität in der gesamten Forschungs- und Publikationspraxis.

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Das Positionspapier beleuchtet Rahmenbedingungen im Wissenschaftssystem, die wissenschaftliche Integrität erschweren können. Dazu zähle der Druck für Wissen­schaftler, möglichst viel und in hochrangigen Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Gepaart mit den schwierigen Arbeitsbedingungen und starken Abhängigkeiten entstehe so insbesondere für den wissenschaftlichen Nachwuchs eine Situation, die integres Handeln gefährden könne.

Der Rat fordert außerdem eine institutionenübergreifende Stelle, die wissenschaftliche Einrichtungen beim Umgang mit Verdachtsfällen berät. Vergleichbare Einrichtungen seien weltweit in den meisten forschungsstarken Ländern bereits etabliert.

Prenzel betonte die Bedeutung der gemeinsamen Anstrengung über einzelne Akteure hinaus: „Wissenschaftliche Integrität ist die Grundlage für eine hohe Qualität und die Leistungsfähigkeit des gesamten Wissenschaftsstandorts Deutschland“, sagte er. © hil/aerzteblatt.de

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