NewsMedizinChirurgie: Zwei Drittel aller Menschen ohne Zugang zu Operationen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Chirurgie: Zwei Drittel aller Menschen ohne Zugang zu Operationen

Montag, 27. April 2015

dpa

Boston – In Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen sterben jedes Jahr viele Millionen Menschen an leicht zu kurierenden Erkrankungen wie Appendizitis, Knochen­brüchen oder Geburtskomplikationen weil vor Ort keine sichere und bezahlbare chirurgische Behandlung zur Verfügung steht, beklagt eine Kommission internationaler Experten in Lancet Global Health (2015; doi: 10.1016/S2214-109X(15)70115-4).

Die chirurgische Versorgung ist global sehr ungleich verteilt. Von den 313 Millionen Operationen, die weltweit jedes Jahr durchgeführt werden, entfallen nur fünf Prozent auf die ärmsten Länder, in denen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung lebt. In diesen Ländern enden viele Krankheiten, die durch eine Operation kuriert werden könnten, mit dem Tod, wie die Gruppe um John Meara von der Harvard Medical School in Boston schreibt. Ihrer Einschätzung nach wäre nicht weniger als ein Drittel aller jährlichen Todesfälle durch eine Operation vermeidbar. Im Jahr 2010 starben demnach 16,9 Millionen Menschen aufgrund einer nicht durchgeführten Operation. Das wären mehr Todesfälle als an Aids, Tuberkulose und Malaria zusammengenommen.

Anzeige

Die 25-köpfige Kommission um Meara hat in den vergangenen 18 Monaten einen Zustandsbericht über die chirurgische Versorgung der Menschheit erarbeitet. Ihr Status beruht auf Informationen aus insgesamt 111 Ländern. Das Team errechnet einen Bedarf von jährlich 143 Millionen weiteren Operationen, die durchgeführt werden müssten, um weltweit alle Menschen chirurgisch zu versorgen.

Häufig fehlt es weniger an den Chirurgen als an dem Geld, diese zu bezahlen. Etwa 81 Millionen Menschen werden laut dem Bericht jedes Jahr in den wirtschaftlichen Ruin getrieben, da sie ihre chirurgische Behandlung nicht bezahlen können. Die Chirurgie habe in vielen Ländern ein Image-Problem, weil die Behandlung zu komplex und zu teuer sei, schreibt Meara zusammen mit Justine Davies vom Lancet in einem Editorial.

Um alle Menschen ausreichend und ohne Armutsrisiko zu behandeln, wären jährlich 420 Milliarden US-Dollar erforderlich. Die Ausgabe könnte sich für viele Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen durchaus lohnen. Denn der Verlust an Produktivität durch nicht behandelte Patienten kostet die Volkswirtschaften in einem Zeitraum von 15 Jahren 12,3 Trillionen US-Dollar an verlorener Wirtschaftsleistung.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. September 2019
Regensburg – Mediziner der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) haben als Referenzzentrum ein neues robotisch gesteuertes Operationsmikroskop
Neurochirurgen aus Regensburg entwickelten robotisches Operationsmikroskop mit
13. September 2019
Berlin – Deutschland ist beim Verbrauch von Spenderblut Spitzenreiter, in keinem anderen Land werden so viele Erythrozytenkonzentrate transfundiert wie hierzulande. Die Behandlung präoperativer
Zu viele Bluttransfusionen, Anämietherapie spart Blut
1. August 2019
Houston – Die meisten vermeidbaren Komplikationen in der Chirurgie sind auf individuelle „menschliche Leistungsdefizite“ zurückzuführen und nicht auf Regelübertretungen, Kommunikationsstörungen oder
Menschliches Versagen erklärt Hälfte aller vermeidbaren Komplikationen in der Chirurgie
29. Juli 2019
Hamilton/Ontario – Der sicherste Ort für einen chirurgischen Patienten ist der OP-Tisch. Die meisten Todesfälle treten laut einer internationalen Studie im Canadian Medical Association Journal (CMAJ
Sterberisiko in der perioperativen Phase am höchsten
12. Juli 2019
Frankfurt/Main – Für eine erfolgreiche Therapie des Rektumkarzinoms ist die Reihenfolge der Behandlungsschritte entscheidend: Erst eine Radiochemotherapie (RCT), dann eine Chemotherapie und zuletzt
Behandlungsreihenfolge bei Rektumkarzinom entscheidend für Therapieerfolg
5. Juli 2019
Melbourne – Ein Nerventransfer, der gelähmte Muskeln mit dem Gehirn verbindet, kann nach einer Tetraplegie die Beweglichkeit von Hand und Ellenbogen teilweise wieder herstellen, wie eine prospektive
Tetraplegie: Nerventransfer kann Handfunktion und Ellenbogenstreckung wieder herstellen
5. Juli 2019
Philadelphia – Dank der von Francis Fontan in den 1960er-Jahren eingeführten Operation haben Kinder, die mit einer einzigen Herzkammer geboren werden, beste Chancen, das Erwachsenenalter zu erreichen.
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER