NewsMedizinStress könnte mitochondriale DNA verändern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Stress könnte mitochondriale DNA verändern

Dienstag, 28. April 2015

Oxford – Frauen, die als Folge großer Stresserlebnisse eine schwere Depression entwickeln, zeigen eine deutliche Zunahme der mitochondrialen DNA und eine beschleunigte Zellalterung. Forscher der University of Oxford schließen dies aus einem genetischen Vergleich von erkrankten Patientinnen mit gesunden Kontrollen. Die Arbeitsgruppe um Jonathan Flint veröffentlichte ihre Ergebnisse in Current Biology (http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2015.03.008). 

Umwelt und Erbgut: Wie stark der Einfluss dieser Faktoren auf die Entwicklung einer Depression ist, ist gegenwärtig Gegenstand intensiver Forschung. Jedoch können auch Umweltfaktoren ihrerseits die genetische Signatur von Lebewesen verändern. Die mitochondriale DNA, auf welche die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung aufmerksam wurden, codiert zu einem großen Teil Enzyme der Atmungskette.

Der Zustand der Mitochondrien und ihrer DNA nimmt aus diesem Grund einen großen Einfluss auf den Metabolismus der Zelle. Kenntnisse über die Veränderungen des Zellstoffwechsels könnten somit zum Verständnis über die metabolischen Folgen von psychischen Stressituationen beitragen, berichten die Forscher. 

Anzeige

Die Forscher werteten für ihre Studie die Daten von 5.864 Frauen aus, die an rezidivierenden schweren Depressionen litten, sowie von 5.783 gesunden Kontrollen. Die Daten wurden im Zuge der sogenannten CONVERGE-Studie erhoben. Sie ermittelten über Befragungen, ob die Frauen in ihrem Leben besonders belastenden Ereignissen ausgesetzt waren und untersuchten anschließend die genetische Signatur der Teilnehmerinnen.

Die Wissenschaftler konnten in ihrer Analyse zwei Dinge beobachten: Frauen, die an schweren Depressionen litten oder mit sehr belastenden Lebensereignissen konfrontiert waren, beispielsweise einem sexuellen Missbrauch in der Kindheit, zeigten verkürzte Telomere. Telomere, Komplexe aus DNA und Strukturproteinen, bilden die Endkappen der Chromosomen. Ihre Verkürzung deutet laut der Wissenschaftler auf eine beschleu­nigte Zellalterung hin. Des Weiteren zeigten die depressiven Frauen deutlich höhere Mengen mitochondrialer DNA in ihren Zellen.

Die Arbeitsgruppe untersuchte den Zusammenhang im Tiermodell und konnte auch hier eine Korrelation zwischen Stress und den beschriebenen genetischen Veränderungen nachweisen. Ihre Untersuchung zeigte zudem, dass die Veränderungen durch Kortikosteroide angestoßen wurden und zumindest teilweise reversibel waren.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die genetischen Veränderungen bei den Teilnehmerinnen, sofern eine Kausalität zu den belastenden Ereignissen vorliegt, durch die rezidivierende Depression dauerhaft nachweisbar sind. Auf diese Weise könnte die Psyche der Frauen Einfluss auf den Metabolismus nehmen, so das Fazit.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. Juli 2020
Cambridge/Massachusetts – Die Behandlung von hohen Cholesterin- und Triglyzerid-Blutwerten könnte in der Zukunft in der einmaligen Infusion von Genom-Editoren bestehen, die 2 Schlüsselproteine des
Genom-Editing soll Cholesterinwert dauerhaft senken
13. Juli 2020
Hamburg – Jeder Zweite fühlt sich einer forsa-Umfrage zufolge durch die Coronakrise psychisch belastet. 50 Prozent der Befragten gaben an, sich wegen der Pandemie häufig oder manchmal gestresst zu
Coronakrise belastet jeden Zweiten psychisch
7. Juli 2020
Basel – Die COVID-19-Epidemie und die damit verbundenen Einschränkungen haben viele Menschen gestresst und bei einigen auch Depressionen ausgelöst. Nach einer Online-Umfrage unter mehr als 10.000
Coronastress hält auch nach dem Ende des Lockdowns an
12. Juni 2020
Dresden – Sächsische Ärzte können auch in ihrer Freizeit nur schwer abschalten. Das ist das Ergebnis einer Befragung der Universität Leipzig im Auftrag der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer (SLÄK) unter
Sachsens Krankenhausärzte leiden häufiger unter Burnout
5. Juni 2020
Kiel und Oslo – Genvarianten auf den Chromosomen 3 und 9 erhöhen bei einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 offenbar das Risiko auf einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung. Dies kam
Genvarianten erhöhen Risiko auf schweren Verlauf von COVID-19
4. Juni 2020
Hamburg – Schulschließungen wegen der Coronakrise sorgen in Familien für Stress und Streit. Fast jeder zweite Elternteil ist oft gestresst, wie eine heute veröffentlichte Umfrage der DAK-Gesundheit
Schulschließungen belasten Mütter besonders
22. Mai 2020
Stockholm − Arbeiter und Angestellte, die bei Umfragen einen vermehrten Stress am Arbeitsplatz angaben, erkrankten in den Folgejahren häufiger an einer peripheren arteriellen
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER