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Ärzteschaft

Leitfaden soll zur besseren Arzt-Patient-Kommu­nikation beitragen

Dienstag, 28. April 2015

Düsseldorf – Gespräche mit Patienten zu führen, sei lange auch unter Ärzten mal als Selbstverständlichkeit, mal als Kunst angesehen gewesen, keinesfalls aber als eigener Lehr- und Prüfungsstoff auf dem Weg zum Arztsein, sagt André Karger, Facharzt für Psychosomatische Medizin am Uniklinikum Düsseldorf. Mit einem Leitfaden „Kommuni­kation im medizinischen Alltag“ will die Ärztekammer Nordrhein jetzt zu einer besseren Verständigung beitragen. „Eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient beeinflusst nämlich entscheidend die Therapietreue des Patienten und damit den medizinischen Behandlungserfolg“, betonte Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein vor Journalisten.

Gute Kommunikation spare Zeit und vermeide Missverständnisse durch Verständlichkeit von Anfang an. Sie müsse den Empfänger erreichen, bei dem sich entscheide, ob er versteht oder nicht. „Gute Kommunikation vermeidet den Fehler, ungefragt vom Niveau des eigenen Verständnisses auszugehen“, so Henke.

Stefan Wilm, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf, brachte eine gute Kommunikation in „drei goldenen Regeln“ auf den Punkt: „Der Arzt sollte Zeit für seinen Patienten haben, er sollte zuhören können und er sollte den Patienten ernst nehmen.“ Diese Regeln bekräftigte der Philosoph Gerd B. Achenbach, Bergisch Gladbach: „Ein deutsches Sprichwort sagt: ,Schwatzen lernt man früher als zuhören“.

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Das bloße Hören ist eine Gabe der Natur, das Zuhörenkönnen hingegen ein Vermögen, über das nur wenige verfügen. Denn das fällt keinem zu, das muss als Fähigkeit erworben werden.“ Doch genau diese Fähigkeit sei bei vielen Ärzten eben häufig nicht vorhanden. In der Regel unterbreche der Arzt bereits nach durchschnittlich 18 Sekunden seinen Patienten, sagte Henke.

Von schlechten Erfahrungen berichtete auch Charlotte Link, Autorin des Buches „Sechs Jahre – Abschied von meiner Schwester“. Sechs Jahre lang hätten sie und ihre Familie ihre Schwester Franziska durch eine Krebserkrankung begleitet. Dabei sei sie „groß­artigen Ärzten“ begegnet, aber auch Ärzten, „deren Verhalten mich immer noch fassungslos sein lässt. Ärzten, die dramatische Diagnosen in menschenverachtender und brutaler Form überbrauchten, diese zudem unter solchem Zeitdruck verkündeten, dass keine Möglichkeit für Rückfragen blieb. Ärzten, die ungeprüft Todesdiagnosen in den Raum warfen, indem sie Metastasen im Körper meiner Schwester entdeckten, von denen sich später herausstellte, dass sie gar keine waren“.

Der Leitfaden „Kommunikation im Alltag“ vermittelt Karger zufolge auf knapp 80 Seiten einen guten Überblick über Grundlagen der Kommunikation, wichtige Gesprächs­techniken sowie Hinweise und Strukturierungshilfen für die wichtigsten klinischen Gesprächssituationen, wie beispielsweise das Anamnesegespräch oder das Überbringen schlechter Nachrichten. Um den Anspruch einer anschaulichen und praxisnahen Hilfe gerecht zu werden, seien die Hinweise konkret und kurz gehalten. Auf die Darstellung komplexer theoretischer Modelle sei weitgehend verzichtet worden.

Am Ende jeden Kapitels finden sich, so Karger, Hinweise auf aktuelle wissenschaftliche Publikationen und auf bereits im Internet verfügbare Materialien der Bundes­ärzte­kammer und Lan­des­ärz­te­kam­mern sowie Videofilmbeispiele von Arzt-Patient-Gesprächen. Der Praxisleitfaden sei in der Schweiz entwickelt und an das deutsche Recht und den deutschen Sprachgebrauch angepasst worden. „Bisher gibt es in Deutschland noch keine solchen Leitfaden“, betonte Karger.

Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient wird auch Tagesordnungspunkt auf dem Deutschen Ärztetag sein, der vom 12. bis 15. Mai in Frankfurt/M. stattfindet. „Als Beitrag zu dieser notwendigen Diskussion legt die Ärztekammer Nordrhein eine Schrift vor, in der aus verschiedenen Blickwinkeln die Relevanz ärztlicher Kommunikation beleuchtet wird“, schreibt Henke im Vorwort des Buches „Kommunikation“. © Kli/aerzteblatt.de

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Avatar #107994
Adolar
am Mittwoch, 29. April 2015, 13:20

Wird das gesondert abgerechnet?

Die Praxis sieht doch so aus, daß der niedergelassene Arzt ca. 10 Minuten/ Pat. hat, möglichst nur 1x/Quartal. Zeit, vorher mal in die Krankenakte zu sehen, besteht meistens nicht, man muß froh sein, wan man nicht verwechselt wird.
Stationär siehts genau so aus - Ärzte und Personal sind derartig mit organisatorischen Problemen beschäftigt, daß der Pat. eher stört. Außerdem versteht er ja die ärztlichen Überlegungen und Entscheidungen sowieso nicht, also, wieso dann Zeit verschwenden? Besser schnell zum nächsten Bett....


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