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Politik

Ambulante spezialfachärztliche Versorgung: Wenig Euphorie bei den Beteiligten

Donnerstag, 30. April 2015

Regina Klakow-Franck /G-BA

Berlin – Mit der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben zur ambulanten spezialfach­ärztlichen Versorgung (ASV) steht es nicht zum Besten. Das lässt sich als Ergebnis des Rechtssymposiums festhalten, das der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) am 29. April zu diesem Thema veranstaltete. „So viele kritische Anmerkungen hat es noch bei keinem Rechtssymposium des G-BA gegeben“, stellte Dominik Roters, Leiter der G-BA-Rechtsabteilung, zum Schluss der Veranstaltung fest. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der ASV sei doch sehr fragwürdig, hatte er bereits einleitend angemerkt und zugleich auf deren gesundheitspolitische Sprengkraft verwiesen. Viele würden darin „eine Art Hausschwamm sehen, der die Wände der Sektoren ins Wanken bringen könnte“.

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung war mit einem neuen § 116b SGB V zu Jahresbeginn 2012 eingeführt worden. Vertragsärzte, Medizinische Versorgungszentren und Krankenhäuser sollen demnach schwere Verlaufsformen von Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen, seltene Erkrankungen sowie hochspezialisierte Leistungen unter grundsätzlich denselben Anforderungen ambulant behandeln können. Der Gesetzgeber beauftragte den G-BA, das Nähere zur ASV in einer Richtlinie zu regeln.

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Dies ist offenbar ein schwieriges Unterfangen an der Schnittstelle von ambulanter und stationärer Versorgung, wie Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des ASV-Unterausschusses, beim Rechtssymposium verdeutlichte. Sie sprach von einer drohenden Sackgasse bei der ASV, die man allerdings vermeiden könne, wenn die Beteiligten nicht weiter aus der Sorge heraus agieren würden, dass ihnen etwas weggenommen werden solle.

Auch vom Gesetzgeber erwartet Klakow-Franck Modifikationen, um die ASV tatsächlich in Gang bringen zu können. So sei etwa die Beschränkung auf schwere Verlaufsformen von bestimmten Erkrankungen wenig geeignet, der neuen Versorgungsebene eine echte Chance zu geben. Neues Leitkriterium für die ASV solle stattdessen die „ambulante Versorgung komplexer und seltener Erkrankungen durch ein interdisziplinäres Team“ sein. Auch der derzeit noch im Entwurf des Versorgungsstärkungsgesetzes (VSG) enthaltene dauerhafte Bestandsschutz für Krankenhäuser, die nach dem alten § 116b SGB V ambulante Leistungen erbringen dürfen, müsse entfallen, um ein von vorne herein bestehendes Ungleichgewicht in der ASV zu vermeiden.

Mit Blick auf den aktuellen VSG-Entwurf zeigte sich Klakow-Franck allerdings skeptisch, was den politischen Willen anbelangt, die Dinge in der ASV zum Besseren zu wenden. Hier sei nämlich in § 117 SGB V vorgesehen, Hochschulambulanzen für solche Patienten zu öffnen, die „wegen Art, Schwere oder Komplexität ihrer Erkrankung einer Unter­suchung oder Behandlung“ dort bedürfen. Diese Neufassung des § 117 adressiere die gleichen Patienten, die von der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung profitieren sollen. 

Nach derzeitigem Stand liegen in der ambulanten spezialärztlichen Versorgung erst für zwei Indikationen abschließende Regelungen des G-BA vor – gastrointestinale Tumoren/Tumoren der Bauchhöhle sowie Tuberkulose und atypische Mykobakteriose. Von einem Run auf den neuen Versorgungsbereich kann man also nicht sprechen. Es gibt aktuell gerade einmal 27 zugelassene interdisziplinäre ASV-Teams. Das dürfte auch an dem bürokratischen Aufwand liegen, der zur Gründung eines ASV-Teams erforderlich ist, wie einige Symposiums-Teilnehmer kritisch anmerkten.

Ebenfalls hemmend wirkt sicherlich auch, dass grundsätzliche Klärungen noch aus­stehen. So ist derzeit umstritten, ob und wie ein an der ASV beteiligtes Krankenhaus für die Team-Ärzte einen dem vertragsärztlichen Bereich entsprechenden Fachkunde­nachweis vorlegen muss. Wie genau ist das Erfordernis einer wöchentlichen „gemein­samen Sprechstunde“ zu verstehen? Ungeklärt ist, ob alle in einer ASV-Richtlinie beschrie­benen Leistungen tatsächlich auch vorgehalten werden müssen, um teilnehmen zu können oder ob die vom G-BA vorgegebenen Mindestmengenregelungen rechts­sicher sind?

Es sind gerade die fehlenden Detailregelungen, die den erweiterten Landesaus­schüssen, die über die Zulässigkeit von ASV-Teilnahmen zu entscheiden haben, Probleme bereiten. Der G-BA verlagere die Probleme, die er selbst nicht lösen könne, auf die Ebene der erweiterten Landesausschüsse, monierten deren Vorsitzende beim Rechtssymposium. Die unparteiische Vorsitzende konnte die Kritik nachvollziehen; eine verbindliche Regelung durch den G-BA bis ins kleinste Detail hätte aber zu weiteren Verzögerungen geführt, meint Klakow-Franck. Die ASV sei nunmehr ein lernendes System, bei dem man nach und nach die Kinderkrankheiten beheben müsse. © TG/aerzteblatt.de

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