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Medizin

Typ 1-Diabetes: Intensivierte Insulintherapie vermeidet Augenoperationen

Montag, 4. Mai 2015

Wichtig ist es, die Blutzuckerwerte regelmäßig zu kontrollieren /dpa

Rockville – Eine intensivierte Insulintherapie kann Menschen mit Typ 1-Diabetes langfristig vor Augenoperationen bewahren. Eine maßgebliche US-Studie dokumentiert im New England Journal of Medicine (2015; 372: 1722-1733) neben einer verminderten Zahl von Vitrektomien und Eingriffen an der Retina auch einen Rückgang bei Katarakt­operationen.

Der Diabetes Control and Complications Trial (DCCT) gilt als die wichtigste Interventions­studie zur Behandlung des Typ 1-Diabetes. Der DCCT hatte über 6,5 Jahre 1.441 Patienten auf zwei Therapiekonzepte randomisiert. Unter der früher üblichen Standard­therapie mussten die Patienten ihre Diät den Vorgaben der Insulintherapie anpassen. Unter der intensivierten Insulintherapie wurden ihnen größere Freiheiten bei der Diät eingeräumt. Sie müssen allerdings ihre Wichtig ist es ,  und lernen, die Insulindosis an den Bedarf der nächsten Nahrung anzupassen.

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Seit dem Abschluss der Ergebnisse, die der intensivierten Insulintherapie in den Folge­jahren weltweit zum Durchbruch verhalfen, werden die Diabetiker in der Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications (EDIC) weiter beobachtet. Die Empfehlungen in beiden Gruppen sind jetzt gleich. Fast alle Patienten bevorzugen die intensivierte Insulintherapie. Dennoch ist der Vorteil der ersten sechseinhalb Jahre auch nach 23 Jahren noch nachweisbar.

In der aktuellen Untersuchung kann ein Team um John Lachin von der George Washington University in Rockville/Maryland zeigen, dass die längere Phase der intensivierten Insulintherapie sich auf die Häufigkeit der Augenoperationen auswirkt. Dies war erwartet worden, da die Abschlusspublikation der DCCT bereits eine Reduktion der Retinopathie-Inzidenz um 76 Prozent und der Retinopathie-Progression um 52 Prozent dokumentiert hatte (NEJM 1993; 329: 977-86).

Die Vermeidung von Augenschäden gehört seither zu den wichtigsten Vorteilen der intensivierten Insulintherapie. Eine Folge der Retinopathie sind Netzhautablösungen, die chirurgisch heute meist durch die Entfernung des Glaskörpers (Vitrektomie) und das Einbringen eines Gases behandelt werden, die die Netzhaut wieder an ihren Ursprungs­ort drückt (Ist dies nicht möglich, kann es auch mittels Plombe oder Cerclage versucht werden).

Obwohl seit dem Ende der DCCT inzwischen 23 Jahre vergangen sind und alle Patienten die gleiche Therapie erfahren, werden Vitrektomie und Eingriffe an der Retina weiterhin im ursprünglichen Arm der intensivierten Therapie seltener durchgeführt. Lachin ermittelt 29 Operationen im Interventionsarm und 50 Eingriffe in der Vergleichsgruppe, was eine Reduktion um 45 Prozent bedeutet, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 12 bis 66 Prozent statistisch signifikant war.

Darüber hinaus kam es auch zu einem Rückgang bei den Katarakt-Operationen. Dieser Eingriff wurde im Interventionsarm bei 42 Patienten und in der Vergleichsgruppe bei 61 Patienten durchgeführt. Die Risikoreduktion betrug hier 48 Prozent (23 bis 65 Prozent). Lachin führt dieses Ergebnis auf die Ablagerung von Glykierungsendprodukten in der Linse zurück, die die Entwicklung eines Grauen Stars fördern. Eine dritte Auswirkung der intensivierten Insulintherapie waren geringere Operationskosten.

Die Gesamtkosten für alle Operationen betrugen im ursprünglichen Arm der intensi­vierten Therapie 429.469 US-Dollar. In der Vergleichsgruppe waren es 634.925 US-Dollar oder 32 Prozent mehr. Diese Zahlen unterstreichen, dass eine intensivierte Insulintherapie trotz des höheren Verbrauchs von Insulin und Diagnostika langfristig die kostengünstigere Therapie sein könnte. © rme/aerzteblatt.de

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