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Medizin

Mykobakterien bei offenen Herzoperationen übertragen

Montag, 4. Mai 2015

dpa

Stockholm – In mehreren europäischen Ländern, darunter kürzlich auch in Deutschland, sind in den letzten Jahren vereinzelt Patienten Jahre nach einer nach offenen Herz­operation an einer lebensgefährlichen Infektion mit Mycobacterium chimaera erkrankt. Als überträger werden Hypothermiegeräte vermutet, die während der Operation die Bluttemperatur der Patienten regulieren.

M. chimaera ist ein erstmals 2004 identifiziertes Mitglied aus dem Mycobacterium avium-Komplex, zu dem auch M. intracellulare gehört. Das Bakterium ist in der Umwelt verbreitet und es kann im Trinkwasser vorkommen. Normalerweise geht keine Gefahr von ihm aus. Nur bei stark abwehrgeschwächten Patienten wurden vereinzelt Lungenentzündungen durch M. chimaera beschrieben. Die Patienten dürften sich durch Inhalation des Erregers infiziert haben.

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Im Sommer 2011 wurden am Universitätsspital Zürich zwei Patienten mit ungewöhnlichen Infektionen mit M. chimaera behandelt. Bei einem wurden die Erreger auf einer künstlichen Herzklappe gefunden, der andere litt an einer systemischen Infektion mit Befall mehrerer Organe. Beide starben an den Folgen der Infektion.

Dem Team um Guido Bloemberg vom Universitätsspital Zürich, das die beiden Fälle ein Jahr später im Journal of Clinical Microbiology (2013; 51: 1769-1773) vorstellte, war als gemeinsamer Nenner aufgefallen, dass beide Patienten zuvor am Universitätsspital Zürich am offenen Herzen operiert worden waren. Beide hatten neue Herzklappen erhalten. Die Operationen lagen jedoch zwei Jahre auseinander und die Patienten waren erst lange nach der Operation erkrankt.

Mykobakterien sind allerdings für ihr langsames Wachstum bekannt und auch die Infektionen mit den typischen Mykobakterien führen oft erst nach langer Latenzzeit zu einer Tuberkulose oder einer Lepra. Eine retrospektive Studie spürte vier weitere Fälle am Universitätsspital Zürich auf (Clinical Infectious Diseases 2015;
doi: 10.1093/cid/civ198). Drei weitere Infektionsfälle wurden 2014 in den Niederlanden bekannt, einer davon mit tödlichem Ausgang. Derzeit werden in Großbritannien mehrere Verdachtsfälle untersucht.

Anfangs wurden die Herzklappen als Überträger verdächtigt, doch schon bald wurde der Verdacht auf ein Gerät gelenkt, mit dem während der Operation im extrakorporalen Kreislauf die Bluttemperatur des Patienten reguliert wird. Diese Hypothermiegeräte (Heater Cooler Units) wurden mit gefiltertem Leitungswasser betrieben (der Hersteller besteht inzwischen auf der Verwendung von desinfiziertem Wasser).

In verschiedenen Schweizer Spitälern konnte M. chimaera im Wasser und in der Abluft der Geräte nachgewiesen werden. Ein neues Gerät wurde zunächst negativ getestet. Drei Monate nach dem Kauf war M. chimaera nachweisbar. Das Universitätsspital Zürich hat inzwischen ein Wartungsprotokoll angelegt, das den täglichen Wasserwechsel vorsieht. Das Wasser wird vorher durch einen Bakterienfilter (0,2 µm Poren) geleitet.

Die Hypothermiegeräte wurden außerdem mit einem speziellen Gehäuse umgeben, die mit einem Luftfilter versehen sind. Sie sollen verhindern, dass Erreger aus dem Wasser des Wärmeaustausches an die Luft des Operationssaales abgegeben werden. Von dort könnten sie über den Operationssitus in den Körper der Patienten gelangen. Dass die Erreger über das Gerät direkt ins Blut des Patienten gelangen, wird ausgeschlossen, da es keine Verbindung zwischen den Wasser im Wärmeaustauscher und dem Blut gibt.

Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mitteilt, ist inzwischen auch in Deutschland ein Patient nach einer offenen Herzoperation an einer Infektion mit M. chimaera erkrankt. Einzelheiten wurden nicht genannt. Das Robert Koch-Institut fordert die Kliniken auf, etwaige weitere Fälle zu melden. Es liege ein Meldetatbestand gemäß § 6 Absatz 3 Infektionsschutzgesetz vor, heißt es in der Mitteilung. Die lange Latenz zwischen der Herzoperation und der Erkrankung an M. chimaera könnte dazu führen, dass ein Zusammenhang bei vielen Patienten bisher nicht hergestellt wurde. © rme/aerzteblatt.de

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