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Medizin

Übergewicht hinterlässt metabolische Signatur im Urin

Dienstag, 5. Mai 2015

London – Einen durch Adipositas gestörten Metabolismus könnten Ärzte künftig im Urin erkennen und so besonders risikoexponierte Patienten identifizieren. Dies berichten Forscher um Jeremy Nicholson vom Imperial College London in Science Translational Medicine (doi:10.1126/scitranslmed.aaa5680).

Nicht jeder Übergewichtige ist von metabolischen Erkrankungen betroffen und auch umgekehrt ist ein normales Gewicht kein Garant für die metabolische Gesundheit. Die Gründe hierfür sind bisher nur unvollständig bekannt, jedoch scheinen verschiedene Faktoren wie die Zusammensetzung der Darmflora, chronische Entzündungszustände und genetische Hintergründe das Risiko zu beeinflussen.

Um dieses Risiko näher zu bestimmen, könnten Biomarker hilfreiche Dienste leisten, so die Wissenschaftler. Sie untersuchten daher die Signatur metabolisch relevanter Moleküle im Urin von Testpersonen und korrelierten die Ergebnisse mit dem Körpergewicht der Teilnehmer. 

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Die Arbeitsgruppe rekrutierte zu diesem Zweck über 2.300 Teilnehmer, die zweimal mit einem zeitlichen Abstand von drei Wochen 24-Stunden Urin sammelten. Die Forscher suchten nach reproduzierbaren molekularen Markern, die in den zwei gesammelten Proben nachweisbar waren. Für ihre Untersuchung nutzten sie die sogenannte Kernspinresonanzspektroskopie und eine Ionenaustausch-Chromatographie, die eine genaue Analyse der zahlreichen Stoffe zuließen.

Sie identifizierten anschließend 29 Stoffwechselprodukte, die mit dem möglichen Übergewicht der Teilnehmer assoziiert waren.

Molekulare Marker für die Nierenfunktion, Co-Metabolite von Darmbakterien, Zwischen­metabolite des Citratzyklus und spezifische Stoffe für Muskelaufbau und Aktivität erkannten die Wissenschaftler als die relevanten Parameter. Teilnehmer mit einem erhöhten BMI zeigten laut der Forscher ein reproduzierbares molekulares Muster in ihrem Sammelurin.

Die Arbeitsgruppe konnte mit ihrer Studien zwar zunächst nur nachweisen, dass Übergewichtige ein charakteristisches chemisches Muster in ihrem Urin zeigen, jedoch geht Studienleiter Nicholson davon aus, dass die Ergebnisse auch Bedeutung für Normalgewichtige haben. Sollten diese nämlich eine ähnliche metabolische Signatur im Urin zeigen, könnte ihr Risiko für Übergewicht und den folgenden Erkrankungen ebenfalls erhöht sein, so das Fazit der Forscher. © hil/aerzteblatt.de

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