NewsÄrzteschaftZI: Öffnung der Krankenhäuser hilft nicht gegen Ärztemangel im ambulanten Bereich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

ZI: Öffnung der Krankenhäuser hilft nicht gegen Ärztemangel im ambulanten Bereich

Dienstag, 5. Mai 2015

Berlin – Um den Ärztemangel in unterversorgten Regionen auszugleichen, ist eine breite Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung kein geeignetes Mittel. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren einer Studie des Zentralinstituts für die kassen­ärztliche Versorgung in Deutschland (ZI).

Dafür haben sie untersucht, welche Fachärzte in unterversorgten Planungsregionen fehlen. Ob in einer Region Unterversorgung besteht, stellen die Landesausschüsse der dortigen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und der Krankenkassen fest. Daten­basis des ZI war die Bedarfsplanungsumfrage der Kassenärztlichen Bundes­vereinigung (KBV).

Als Schwellenwert für Unterversorgung wurde ein Versorgungsgrad von 75 Prozent für die so genannten grundversorgenden Fachärzte gewählt. Außerdem ermittelten die Wissenschaftler anhand der Qualitätsberichte der Krankenhäuser von 2013, über welche Fachabteilungen und Fachärzte in den von ambulanter Unterversorgung betroffenen Fachgebieten in der Region die Kliniken verfügten.

Anzeige

„In den meisten unterversorgten Regionen – vorwiegend auf dem Land – verfügen Krankenhäuser nicht über entsprechende Fachabteilungen oder Ärzte“, fasste der ZI-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen die Ergebnisse zusammen. Damit erweise sich eine der geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung aus dem GKV-Ver­sorgungsstärkungsgesetz, nämlich die institutionelle Öffnung der Krankenhäuser, als unwirksam.

Benötigte fachärztliche Abteilungen fehlen
Im Detail sind nach den Kriterien des ZI 37 von 372 Kreise und vier von 17 Fachgebieten unterversorgt. Betroffen sind Dermatologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten sowie Augenärzte. In jeweils einem Kreis kommen Frauen-  beziehungsweise Kinderärzte hinzu.

Nur in neun der 37 betroffenen Kreise befindet sich mindestens ein Krankenhaus mit einer entsprechenden Fachabteilung. In acht dieser neun Kreise werden die angeführten Fachabteilungen der Krankenhäuser ausschließlich von Belegärzten – also Vertrags­ärzten - betreut. „Wenn in einem Krankenhaus kein Facharzt für Augenheilkunde arbeitet, kann es auch nicht wegen einer Unterversorgung im augenärztlichen Bereich für die ambulante Versorgung zugelassen werden müssen“, betonte ZI-Geschäftsführer Dominik von Stillfried.

Deutlich werde die Kluft zwischen politischem Willen und Wirklichkeit besonders bei den Dermatologen, betont das ZI: Sie fehlten in elf Planungsregionen, doch in keiner einzigen gebe es ein Krankenhaus mit einer entsprechenden Fachabteilung.

Krankenhäuser haben keine Ressourcen zur Unterstützung
„Das Rückgrat der fachärztlichen Versorgung bilden die Vertragsärzte. Die Kranken­häu­ser haben nicht die Kapazitäten, um hier auszuhelfen“, sagte Gassen. Das gelte in beson­derem Maße für den Hausarztmangel. „Hier haben Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung überhaupt keine Personalressourcen. Was wir statt der Öffnung der Krankenhäuser brauchen, ist eine nachhaltige Förderung der vertragsärztlichen Versorgung“, so der ZI-Vorstandsvorsitzende. © EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. März 2019
Berlin – Ärzte können Hämophiliepatienten künftig im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) behandeln. Die spezifischen Anforderungen dafür hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss
Hämophilie künftig im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung behandelbar
18. Januar 2019
Berlin – Ärzte, die im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) einen Medikationsplan ausstellen oder aktualisieren, können dies ab sofort abrechnen. Das hat der ergänzte
Neue Gebührenordnungsposition zur Abrechnung von Medikationsplänen in der ASV
28. Dezember 2018
Berlin – Hauttumore können künftig im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) versorgt werden. Das hat kürzlich der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) beschlossen. Die Neuregelung
Ambulante spezialfachärztliche Versorgung um Hauttumore erweitert
7. Dezember 2018
Berlin – Für die Transition von Rheumapatienten in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) werden zwei neue Ziffern in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen. Darauf hat
ASV: Neue GOP für Überleitung von Rheumapatienten
5. Oktober 2018
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die Broschüre zur ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) überarbeitet. Neben aktualisierten Texten enthält das Heft auch
Servicebroschüre zur ASV aktualisiert
18. September 2018
Berlin – Das Anzeigeverfahren, mit dem sich Teams zur ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) anmelden müssen, sollte vereinfacht werden. Das haben die Autoren der ASV-Studie gefordert, die
Studie: Anzeigeverfahren zur Teilnahme an der ASV vereinfachen
12. Juli 2018
Grünwald – In diesem Frühjahr ist die Konkretisierung zur Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) Rheuma in Kraft getreten. ASV-interessierte Ärzte und Krankenhäuser können seither eine
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER