NewsMedizinDiffuses intrinsisches Ponsgliom: HDAC-Inhibitor könnte bei pädiatrischem Hirntumor wirken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Diffuses intrinsisches Ponsgliom: HDAC-Inhibitor könnte bei pädiatrischem Hirntumor wirken

Dienstag, 5. Mai 2015

Stanford – Der HDAC-Inhibitor Panobinostat, der in den USA kürzlich zur Behandlung des multiplen Myeloms zugelassen wurde, könnte auch beim diffusen intrinsischen Ponsgliom, dem häufigsten tödlichen Hirntumor im Kindesalter, wirksam sein. Darauf deuten Laborversuche und Tierexperimenten in Nature Medicine (2015; doi: 10.1038/nm.3855) hin.

Das diffuse intrinsische Ponsgliom (DIPG) ist selten. Der Anteil an allen pädiatrischen Hirntumoren beträgt nur etwa 10 bis 15 Prozent. In Nordamerika und Europa zusammen erkranken jährlich nur etwa 300 Kinder. Ihre Heilungschancen sind derzeit gering. Die mittlere Überlebenszeit nach der Diagnose wird mit 9 Monaten angegeben. Das 5-Jahresüberleben liegt bei weniger als einem Prozent. Anders als bei vielen anderen pädiatrischen Krebsarten haben sich die Behandlungsergebnisse in den letzten Jahrzehnten kaum verbessert.

Doch die Forschung hat durch die Entwicklung von Zellkulturen und einem Tiermodell kürzlich neue Impulse erhalten. Ein internationales Forscherteam um Michelle Monje von der Stanford Universität hat begonnen, verschiedene Medikamente auf ihre Wirkung zu testen.

Anzeige

Von 83 gescreenten Mitteln erzielten 14 einen Antitumoreffekt. Am besten waren die Ergebnisse bei Panobinostat. Das Mittel vermindert laut den jetzt vorgestellten Untersuchungsergebnissen in Petri-Schalen die Lebensfähigkeit von DIPG-Zellen und nach einer Transplantation von Tumoren auf ein Mäusemodell wurde das Tumorwachstum deutlich verlangsamt.

Monje spricht in der Pressemitteilung von einem „Hoffnungsschimmer für die Behandlung der herzzerreißenden Krankheit“, die im Alter von vier bis neun Jahren mit Lähmungs­erscheinungen beginnt und rasch fortschreitet. Auch wenn der Tumor frühzeitig entdeckt wird, gibt es keine Möglichkeit, ihn chirurgisch zu entfernen. Zum einen zeigt der Tumor ein „diffuses“ infiltratives Wachstum. Zum anderen befinden sich im Hirnstamm, zu dem der Pons gehört, wichtige Kontrollzentren, etwa für die Atmung, die nicht verletzt werden dürfen. Die Behandlung besteht heute in einer Strahlentherapie, die nur eine begrenzte Wirkung zeigt. Alle Chemotherapien haben sich bisher als unwirksam erwiesen.

Panobinostat könnte, wenn sich die Ergebnisse in klinischen Studien bestätigen sollten, das erste wirksame Mittel werden. Es gehört zu einer neuen Gruppe von Krebsme­dikamenten, die als Histon-Deacetylase- oder HDAC-Inhibitoren bezeichnet werden. Diese Mittel blockieren das Enzym Histon-Deacetylase, mit deren Hilfe DNA-Abschnitte im Zellkern um kleine Proteine, die Histone, „gewickelt“ werden.

Durch diese Verpackung können die auf dem DNA-Abschnitt befindlichen Gene nicht mehr abgelesen werden, was unter dem Oberbegriff Epigenetik zusammengefasst wird. HDAC-Inhibitoren erleichtern das Ablesen der Gene, was aus nicht genau bekannten Gründen Krebszellen abtöten kann. Eine Vermutung geht dahin, dass Apoptose-Mechanismen aktiviert werden. (Andere Wirkungen der Mittel außerhalb der Histone werden nicht ausgeschlossen).

Mit Romidepsin und Vorinostat sind in den USA zwei HDAC-Inhibitoren zur Behandlung  des kutanen T-Zell-Lymphoms zugelassen. Als dritter HDAC-Inhibitor wurde Panobinostat im Februar zur Behandlung des multiplen Myeloms zugelassen. Damit sind die Voraussetzungen für den baldigen Beginn von klinischen Studien geschaffen. Ob solche geplant sind, geht aus der Pressemitteilung und der Studie nicht hervor. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. September 2018
New York – Diese Woche trafen sich im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York die Regierungen der Welt, um über Maßnahmen gegen nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) wie Diabetes, Krebs oder
Vereinte Nationen beraten über nichtübertragbare Krankheiten – ohne verbindliche Ziele zu benennen
7. September 2018
Tübingen – Oberflächenstrukturen von malignen Darmtumoren kartiert haben Wissenschaftler um Markus Löffler vom Universitätsklinikum Tübingen. Ziel war es, zu erkennen, wie sich Peptide an der
Oberflächenstrukturen maligner Darmtumoren kartiert
27. Juni 2018
Berlin – Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe haben eine neue S3-Leitlinie Larynxkarzinom
S3-Leitlinie Kehlkopfkrebs zur Kommentierung freigegeben
15. Dezember 2017
Lugano – Mit einem Positionspapier hat die (ESMO) auf die wachsende Diskrepanz zwischen den Bedürfnissen von Krebspatienten und der tatsächlichen Anwendung patientenorientierter Pflege in der Praxis
Experten sprechen sich für unterstützende und palliative Pflege in der Krebsbehandlung aus
12. Oktober 2017
Hamburg – Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) untersuchen in einem dreijährigen Forschungsprojekt, wie sich das Konzept der gemeinsamen Entscheidungsfindung von Arzt und
Forschungsprojekt zur partizipativen Entscheidungsfindung in der Onkologie
9. Oktober 2017
Greifswald – Ein neues deutsch-polnisches Kinderkrebszentrum soll die Versorgung in der Grenzregion verbessern und den Kindern eine Therapie nach neuesten medizinischen Standards ermöglichen. Unter
Deutsch-polnisches Kinderkrebszentrum in Greifswald gegründet
6. Dezember 2016
Berlin – Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat schärfere Kontrollen der Apotheken in Deutschland gefordert. Nach den Manipulationsvorwürfen gegen einen Apotheker in Nordrhein-Westfalen dürfe es
VG WortLNS
NEWSLETTER