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Medizin

AMD: HIV-Infizierten drohen im Alter Sehstörungen

Donnerstag, 7. Mai 2015

Normaler Augenhintergrund NIH

New York – Der Augenhintergrund von HIV-Infizierten wies in einer US-Studie viermal häufiger erste Läsionen einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) auf als für das Alter der Patienten zu erwarten war. Die im American Journal of Ophthalmology (2015; doi: 10.1016/j.ajo.2015.01.037) publizierten Ergebnisse lassen befürchten, dass viele Patienten im Alter unter schweren Sehstörungen bis zur Erblindung leiden könnten.

Die antiretroviralen Medikamente haben die Lebenserwartung von HIV-Infizierten deutlich erhöht. Viele erreichen heute ein Alter, in dem sich bei Nichtinfizierten Sehstörungen einstellen. Die häufigste schwere Sehstörung im Alter ist die AMD. Sie beginnt typischer­weise mit Ablagerungen in der Netzhaut, die als Drusen bezeichnet werden. Ihre Zahl steigt im Intermediärstadium der AMD deutlich an, bis es im fortgeschrittenen Stadium schließlich bei der „trockenen Form“ zu einer Atrophie der Retina kommt, die in der „feuchten Form“ durch Gefäßeinsprossungen (Neovaskularisation) und Blutungen weiter geschädigt wird.

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Das Spätstadium, vor allem bei der feuchten Form, ist die häufigste Ursache für Erblin­dungen in Alter. Im Intermediärstadium sind meistens noch keine Sehstörungen vor­handen. Da es keine vorbeugende Behandlung gibt, werden aber einige Patienten mit der Zeit das Spätstadium erreichen.

Um den Einfluss der chronischen HIV-Infektion auf die Entwicklung der AMD zu unter­suchen, hat Douglas Jabs vom Mount Sinai Hospital in New York den Augen­hintergrund von 1.825 Teilnehmern der Longitudinal Study of the Ocular Complications of AIDS (LSOCA) untersuchen lassen. Die Studie war zwischen 1998 und 2011 an 19 Standorten in den USA durchgeführt worden. Ursprünglich sollte sie die Häufigkeit der CMV-Retinitis und anderer bekannter AIDS-Komplikationen am Auge untersuchen.

Bei der Beurteilung der Augenhintergründe fiel jedoch auf, dass jeder zehnte bereits Läsionen im Intermediärstadium der AMD aufwies. Bei den 30- bis 39-Jährigen waren bereits 4,4 Prozent betroffen, was für dieses Alter ungewöhnlich hoch ist. Im Alter von über 60 Jahren war mit 24,3 Prozent jeder vierte im Intermediärstadium der AMD. Die Prävalenz war viermal höher als in der Beaver Dam Offspring Study, die in einem Ort in Wisconsin in einer Kohorte die Entwicklung von Alterserkrankungen untersucht.

Laut Jabs gibt es keinen Hinweis, dass die zur Behandlung der HIV-Infektion eingesetzten Medikamente für die beschleunigte Entwicklung der AMD verantwortlich sind. Das Risiko sei für alle Medikamentengruppen gleich, schreibt er. Der Ophthalmologe vermutet, dass eine unterschwellige Immunschwäche, die trotz Einnahme der Medikamente weiter be­steht, die Entwicklung der Drusen fördert. Sie könnte den gleichen Einfluss haben wie die Immunseneszenz im Alter, so Jabs.

© rme/aerzteblatt.de

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