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Medizin

Das Gehirn hat eigene Signalwege für verschiedene Geruchsreize

Donnerstag, 7. Mai 2015

Homburg – Das Gehirn von Säugetieren – und damit auch des Menschen – verfügt über unterschiedliche Signalwege, um wichtige Geruchsreize zu verarbeiten. Das berichtet eine internationale Arbeitsgruppe in der Zeitschrift Current Biology.

Mäuse, aber auch andere Beutetiere haben eine angeborene Aversion gegen den Geruch von Fressfeinden. Diese Reaktion wird von bestimmten Botenstoffen vermittelt, den Kairomonen. Sie lösen bei der Maus einen angeborenen Fluchtinstinkt aus. „Es gibt etliche dieser chemischen Botenstoffe. Sie regen die Sinneszellen des sogenannten olfaktorischen Systems an“, erläutert Frank Zufall von der Physiologie der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes.

Die Forscher untersuchten die genauen neurophysiologischen Zusammenhänge mit Hilfe von drei Kairomonen. „Wir haben dazu mit Botenstoffen von Fleischfressern, Katzen und Hermelinen gearbeitet, die je eine eigene Untereinheit aktivieren“, so Zufall. Dabei stell­ten sie fest, dass sich die drei Subsysteme nicht kreuzen und getrennt voneinander funktionieren. Aus Sicht der Evolution mache es Sinn, wenn solche Informationen parallel verarbeitet würden. „Die Signalwege stehen sich nicht im Weg. Besitzt das olfaktorische System eines Tieres mehrere Untereinheiten, ist die Chance höher, dass sich die Tierart gleich vor mehreren Fressfeinden in Sicherheit bringen kann“, so Zufall.

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Die Studie hat zudem gezeigt, dass die Informationen erst in zwei Hirnregionen, der Amygdala und dem Hypothalamus, zusammenfließen. „Hier aktivieren die Signale ein ganz eng umschriebenes Areal“, erklärt der Physiologe. Diese Gebiete sind für ver­schiedene Aufgaben verantwortlich, so steuern sie zum Beispiel die Nahrungs­aufnahme oder den Tag-Nacht-Rhythmus, aber auch Emotionen wie Angst, die für das Flucht­verhalten wichtig ist.

Auch in der menschlichen Amygdala werden Gefühle wie Ängste gesteuert. Das Hirnareal scheint auch daran beteiligt zu sein, Panikattacken auszulösen. Darüber hinaus besitzt der Mensch laut der Arbeitsgruppe ähnliche und zum Teil identische olfaktorische Untereinheiten. Genauere Erkenntnisse bei dieser Form der Sinnes­verarbeitung könnten in Zukunft helfen, Therapien für Menschen mit Angststörungen zu entwickeln, hoffen die Forscher.

© hil/aerzteblatt.de

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