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Politik

Veit: „Wir werden Qualität nie umfassend messen können“

Mittwoch, 6. Mai 2015

Potsdam – Der Leiter des neu gegründeten Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) hat die hohen Erwartungen an das Institut gedämpft. „Die Erwartungen an das IQTiG galoppieren davon. Wir werden aber nur in realistischen Schritten vorangehen. Wir werden Kompromisse schließen und Projekte starten, in denen man sich auch einmal irren kann und sich dann korrigieren muss“, sagte Christof Veit gestern auf dem 4. QMR-Kongress in Potsdam.  

„Das erste, was wir relativieren müssen, ist der Begriff der Qualität“, so Veit weiter. „Wann immer Sie Qualität definieren, wird jemand anderes kommen und sagen: Das ist aber nicht das, was wir uns vorstellen. Wir werden Qualität nie umfassend messen können, und das wollen wir auch gar nicht. Auch wollen wir Qualität nicht auf Kennzahlen reduzieren. Wir wollen aber legitime Anforderungen an die Versorgung vor Ort stellen.“ Es werde dabei immer nur möglich sein, sich die Versorgung partikulär anzuschauen. Welche Bereiche bewertet würden, müsse dann im Konsens entschieden werden. Und es werde die Stärke des IQTiG sein, konsensfähige Bewertungen vorzulegen, denen zwar nicht alle zustimmen würden, aber doch die Mehrheit.

Veit will Qualitätssicherung verschlanken
Als Zielgrößen nannte Veit die Praktikabilität, die Effektivität und die Justiziabilität. „In der externen stationären Qualitätssicherung haben wir heute 30 Leistungsbereiche. Neun davon zählen allein zu den Transplantationen; über den Leistenbruch wissen wir allerdings nichts“, sagte er. „Wenn wir wirklich das Ziel einer umfassenden Steuerung erreichen wollen, müssen wir die Anzahl der Leistungsbereiche verdoppeln oder verdreifachen. Wir können uns aber nicht vorstellen, die Anzahl der Personen zu verdreifachen, die sich mit der Qualitätssicherung befassen. Also müssen wir einen Weg finden, das Qualitätsmanagement zu verschlanken und darauf zu fokussieren, was der Verbesserung dient.“

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Das Institut könne keine Qualität verbessern. Das könnten nur die Menschen, die die Patienten versorgen. „Deshalb müssen wir effektiv sein“, betonte Veit. „Wir sehen uns als Dienstleister für die Menschen, die die Patienten behandeln. Wir wollen dann aber auch Veränderungen sehen und nicht jahrelang nur auf Indikatoren schauen, während sich nichts bewegt.“

„Wir werden nur ein gewisses Gefährdungsniveau akzeptieren können“
Wo es um Zulassungen und Vergütungsabschläge gehe, sei es wichtig, die methodische Herleitung so stringent zu machen, dass sie auf einer guten Basis stehe. Deshalb werde das IQTiG am Anfang sehr viel Energie in die Grundlagen stecken. „Ab einem gewissen Gefährdungsniveau werden wir die Arbeit in einer Abteilung nicht mehr akzeptieren können“, erklärte Veit. „Der G-BA könnte zum Beispiel festlegen: Wir tolerieren, wenn fünf Prozent aller Patienten gefährdet sind. Wenn das Gefährdungspotenzial aber auf zehn Prozent ansteigt, liegt es zu hoch. Wenn dann ein Krankenhaus klagen will, können wir auf den zuvor festgesetzten Wert verweisen.“

„Wenn Häuser keine gute Qualität erbringen, müssen sie die Chance bekommen, dies zu ändern“, erklärte Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium. „Wenn das aber auf Dauer nicht gelingt, helfen auch Abschläge nicht weiter. Dann muss der nächste Schritt kommen. Dann muss das Auswirkungen auf die Krankenhausplanung haben.“ So sei es in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe diskutiert worden. „Die Diskussion ist allerdings das eine und die Umsetzung das andere“, meinte Stroppe.

„Kein Land wird es aushalten, eine schlechte Abteilung am Netz zu lassen“
„Wir lehnen Vergütungsabschläge infolge schlechter Qualität ab“, betonte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum. „Wir sehen vor allem kritisch, dass geglaubt wird, durch weniger Geld sei eine bessere Qualität hinzubekommen. Qualität wäre hingegen, wenn die Tarifsteigerungen für die Mitarbeiter bezahlt würden.“  

Der Leiter des Amtes Gesundheit in Hamburg, Matthias Gruhl, setzte auf die Macht des Faktischen: „Glauben Sie nicht, dass es ein Bundesland aushält, eine Abteilung am Netz zu halten, die Vergütungsabschläge wegen schlechter Qualität hinnehmen muss. Das hält kein Land aus. Die Qualitätsabschläge werden also nur sehr kurz gezahlt werden, bevor die Abteilung vom Netz fliegt.“ Baum wiederum bezweifelte, dass der G-BA überhaupt Vergütungsabschläge beschließen werde. © fos/aerzteblatt.de

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