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Politik

Jedes zehnte Krankenhaus hat einen Personalnotstand

Mittwoch, 6. Mai 2015

Berlin – Jedes vierte deutsche Krankenhaus sieht sich heute nur bedingt oder gar nicht mehr in der Lage, dem Mangel an Ärzten und Pflegekräften noch zu begegnen. Jedes zehnte Krankenhaus spricht von einem Personalnotstand. Das geht aus einer Umfrage hervor, die das Marktforschungsinstitut Forsa im Herbst 2014 im Auftrag der Personal­beratung Rochus Mummert unter 100 Geschäftsführern und Direktoren deutscher Krankenhäuser durchgeführt hat. Am negativsten ist die Stimmung demnach bei den kommunalen Krankenhäusern. Hier sieht jedes sechste Haus die Schmerzgrenze im Personalbereich als erreicht an.  

Die Hälfte der Befragten gab an, der infolge des Personalmangels erhöhte Leistungs­druck führe auch zu einem erhöhten Krankenstand. „Da – unabhängig von der Art der Trägerschaft – gut jede zweite Klinik erwartet, dass die personelle Aufstellung schon in den kommenden zwölf Monaten eher schwieriger werden wird, dürfte sich die Situation schon bald abermals verschärfen“, meinte der Geschäftsführer der Rochus Mummert Healthcare Consulting, Peter Windeck.

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„Unsere Studie zeigt, dass der drohende sowie der akute Personalmangel die deutschen Krankenhäuser massiv umtreibt und vielerorts den Klinikalltag negativ beeinflusst.“ © fos/aerzteblatt.de

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MedComment
am Freitag, 15. Mai 2015, 14:53

Kann das „Pflegestellenförderprogramm“ den Pflegenotstand beheben?

Die meisten Kliniken leiden unter einem dramatischen Mangel an Pflegekräften, auf der einzelnen Pflegekraft lastet ein enormer Druck. Im Zuge ihrer Krankenhausreform will die Bundesregierung Abhilfe schaffen. Der neue Referentenentwurf des Gesetzes sieht u. a. vor, dass mit dem „Pflegestellenförderprogramm“ von 2016 bis 2018 zunächst bis zu 660 Millionen Euro ausschließlich für die „Pflege am Bett“ bereitgestellt werden. Doch zehn Prozent der Personalkosten müssen die Krankenhäuser selbst finanzieren.

Damit könnten, so heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium, etwa 6.350 neue Stellen geschaffen werden. Das sind durchschnittlich etwa drei zusätzliche Stellen für jedes der derzeit 2000 bundesdeutschen Kliniken. Bringt das wirklich eine strukturelle Verbesserung? Eine Expertenkommission soll prüfen, ob der Bedarf an Pflegekräften bisher angemessen ermittelt wurde.

Unter den Krankenpflegern herrscht die Meinung vor, die vorgesehenen Mittel seien nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Jede Pflegekraft habe viel zu viele Patienten zu versorgen, eine Situation, die die Kranken bereits jetzt gefährde. Die Belastung ist immens, viele gehen inzwischen mit Angst zur Arbeit und fragen sich jeden Tag, ob sie dieses Pensum überhaupt schaffen können.

Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Wenn nicht weitere Mittel für die Einstellung von Pflegekräften und deren Weiterbildung bereitgestellt werden, wird die Qualität der Pflege weiter leiden und immer mehr Pflegekräfte fallen wegen Krankheit aus oder drehen der Pflege den Rücken. Die Sicherstellung einer guten Pflege ist auch abhängig von der vollumfänglichen korrekten Abrechnung der erbrachten Krankenhausleistungen. Viele Krankenhäuser verzichten unbewusst auf ihnen zustehende Erlöse durch unzureichende DRG-Kodierung, durch nicht sachgerechte Dokumentation und durch wenig erfahrene Kräfte in der Auseinandersetzung bei strittigen Fällen mit dem MDK. Zu leichtfertig wird häufig Erlöskürzungen zugestimmt. Die bei der Behandlung bereits entstandenen Kosten verbleiben bei den Krankenhäusern und müssen anderweitig eingespart werden.

An Personalaufstockungen im Bereich der Pflege ist in solcher Situation nicht zu denken. Daher ist es für Krankenhäuser immanent wichtig, sicherzustellen, dass alle erbrachten Leistungen vollumfänglich und korrekt dokumentiert und abgerechnet werden. Das nachfolgende MDK-Management gehört in die Hände sowohl medizinisch als auch abrechnungstechnisch und in der Rechtsprechung erfahrener Kräfte und kann nicht von Stationsärzten oder Kodierkräften „nebenbei“ erledigt werden.
LNS
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