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Ärzteschaft

Hausärzte fordern Stärkung der Allgemeinmedizin an Hochschulen

Donnerstag, 7. Mai 2015

Berlin – Mehr Entschlossenheit bei der Sicherung des hausärztlichen Nachwuchses fordert der Deutsche Hausärzteverband zum heutigen ersten bundesweiten Tag der Hausarztmedizin. „Der Nachwuchsmangel stellt eine ernsthafte Gefährdung der flächendeckenden Versorgung in Deutschland dar“, warnte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Ulrich Weigeldt. Aktuell absolvierten nur knapp zehn Prozent der Nachwuchsärzte ihre Weiterbildung in der Allgemeinmedizin.

„Besonders wichtig ist, das Fach an den Universitäten zu stärken“, erklärte ein Sprecher des Verbandes gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Im Augenblick verfügten nur knapp zwei Drittel der medizinischen Fakultäten über Lehrstühle in der Allgemeinmedizin. Es genüge allerdings nicht, diese nur einzurichten, sie müssten auch personell und finanziell gut ausgestattet sein. Alibi-Einrichtungen seien nicht geeignet, den Nachwuchsmangel zu beheben.

„Außerdem braucht es deutlich mehr Weiterbildung verbünde, um die Planungssicherheit für die junge Mediziner zu erhöhen“, erläuterte der Verband eine weitere Forderung.

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Der in diesem Jahre erstmals stattfindende bundesweite Tag der Hausarztmedizin ist eine Initiative des Deutschen Hausärzteverbandes und seiner Landesverbände. Sie richten heute Mit-Mach-Aktionen und Veranstaltungen rund um die Allgemeinmedizin und insbesondere die Nachwuchssicherung aus. Neben Informationsveranstaltungen an Universitäten sowie in Praxen zählt dazu beispielsweise die Aktion „6 Minuten für die Gesundheit – der 6-Minuten-Gehtest“, des Landesverbandes Nordrhein. Teilnehmer haben die Möglichkeit, in verschiedenen Städten durch einen Hausarzt ihre individuellen Leistungs- und Gesundheitsdaten im Rahmen eines kurzen Belastungstests checken zu lassen.

„Unser Ziel ist es, insbesondere jungen Studierenden die herausfordernden, aber auch die erfüllenden Seiten des Hausarztberufes zu zeigen. Wenn es uns gelingt deutlich zu machen, dass der Hausarztberuf nicht nur einen besonders intensiven und vertrauensvollen Kontakt mit den Patienten mit sich bringt, sondern gleichzeitig auch ein medizinisch hoch anspruchsvolles Tätigkeitsfeld ist, dann werden sich auch wieder mehr junge Leute für diesen Beruf entscheiden“, so Weigeldt.  

Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes warnte: „Jeder Woche schließt in Bayern eine Hausarztpraxis für immer, weil sich kein Nachfolger findet. Diesen Negativtrend müssen wir stoppen und umkehren, in dem wir den medizinischen Nachwuchs für den schönsten Beruf der Welt begeistern“. Allerdings müsse die Politik dafür auch die richtigen Rahmenbedingungen schaffen und erhalten, so Geis. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 8. Mai 2015, 14:56

Ansichten einer hausarztzentrierten Medizin

Jetzt rächt sich bitter, dass das Fachgebiet "Hausärztliche Allgemeinmedizin" in Forschung und Lehre allenfalls curricular abgehandelt wird und lediglich in 19 von 36 Medizinischen Fakultäten mit eigenständigen Abteilungen professionell verankert ist.

Der zu Grunde liegende Gegensatz zwischen universitärer bzw. klinischer Hochleistungs- und Intensivmedizin und der "Feld-, Wald- und Wiesenmedizin" hausärztlicher Provenienz führt ohne entsprechende therapeutische Maßnahmen zu immer mehr Verständnislosigkeit, Ignoranz, Arroganz und Konfliktpotential. Die Widersprüche zwischen Herz-Lungen-Transplantationen (HLTX), interventioneller Kardiologie, Onkologie, Nephrologie, Neurochirurgie usw. und eines mit Echinacin, ACC oder Umcka loabo vorbehandelten Fließschnupfens mit Bronchialkatarrh und Begleitsymptomen in der allgemeinmedizinischen Praxis eines sozialen Brennpunktes oder einer Landgemeinde könnten größer nicht sein.

Die Missachtung der hausärztlich-internistischen Allgemeinmedizin, die 80 bis 90 Prozent aller Beratungsanlässe löst und zugleich sinnvolle Lotsenfunktion bzw. Nadelöhr für ambulante/klinische fach- und spezialärztliche Weiterbehandlung darstellt, ist eine Vergeudung ressourcenschonender, ökologisch wie ökonomisch vernünftig umgesetzter Stufendiagnostik und -therapie. Denn in der biografischen Lebenswirklichkeit unserer Patientinnen und Patienten bzw. im ärztlichen Behandlungsalltag zwischen lapidaren Befindlichkeitsstörung und hochdramatischen Krankheiten sind die spezialärztlichen Behandlungen und klinischen Krankenhausbehandlungen grundsätzlich Ausnahmesituationen. Die lebenslange, generationenübergreifende, bio-psycho-soziale Begleitung ist das klassische Metier der hausärztlichen Profession.

Damit es wieder Verständigung, Kommunikation, Austausch, Kritik und Selbstkritik zwischen der Humanmedizin in der Fläche u n d in der Spitze geben kann, müssen a l l e medizinischen Fakultäten hausarztbezogenes Wissen in Forschung, Klinik und Praxis lehren, vermitteln und repräsentieren. Nur dann kann die wohnort- und gemeindenahe Allgemeinmedizin/Innere Medizin der Hausärztinnen und Hausärzte in Ballungszentren bzw. Flächenstaaten reüssieren.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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